Bau einer Psychiatrischen Tagesklinik

„Der ganze Baumbestand wird abrasiert“: Wolfratshauser Grünen-Stadtrat empört

+
Auf dem Grundstück an der Königsdorfer Straße 17 in Wolfratshausen, auf dem das Forstamt beheimatet war, entsteht eine Psychiatrische Tagesklinik. Bauherrin ist die gemeinnützige kbo-Lech-Mangfall-Kliniken GmbH.
  • schließen

Für den Bau einer Psychiatrischen Tagesklinik in Wolfratshausen müssen Bäume gefällt werden. Der Umweltreferent des Stadtrats ist empört.

Wolfratshausen – Auf einem Grundstück an der Königsdorfer Straße wird die gemeinnützige kbo-Lech-Mangfall-Kliniken GmbH wie berichtet zwei Gebäude für eine Psychiatrische Tagesklinik errichten. Dem Projekt fallen einige Bäume zum Opfer – sehr zum Unwillen von Dr. Hans Schmidt (Grüne). Der Umweltreferent des Stadtrats verwehrte dem diesbezüglichen Antrag der kbo in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses seine Zustimmung.

„Der ganze Baumbestand wird abrasiert“: Wolfratshauser Grünen-Stadtrat empört

Gebaut wird die Psychiatrische Tagesklinik für Erwachsene und Kinder auf dem Areal des ehemaligen Forstamts an der Königsdorfer Straße 17. Schon vor einigen Wochen hatten die Mitglieder des Fachgremiums gegenüber der Bauherrin erklärt, dass die kbo unter der Tagesklinik eine Tiefgarage mit zehn Pkw-Stellplätzen anlegen sollte – dazu fünf oberirdische Stellflächen. Die kbo entsprach bei der Planung dem Wunsch der Kommune. Aber: „Aufgrund der Größe, der Erschließungssituation sowie der baurechtlichen Einschränkungen aufgrund der maximal möglichen Höhenentwicklung und der zulässigen Abstandsflächen“ müssten einige Bäume, die im rechtsverbindlichen Bebauungsplan als erhaltenswert gekennzeichnet sind, „gefällt werden“.

Bauherrin sagt Neupflanzungen auf dem Grundstück zu

Das ursprüngliche Ziel „der umfänglichen Erhaltung des Baumbestandes kann angesichts der Flächenansprüche nicht aufrechterhalten werden, soll die Errichtung hier realisiert werden“, stellte die GmbH fest – und beantragte die Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans. In ihrem Antrag betonte die kbo: „Auf dem Grundstück ist die Errichtung eines Neubaus einer Tagesklinik für Kinder- und Jugendliche sowie Erwachsene geplant. Im Zuge der Neugestaltung der Außenanlagen auf dem Grundstück werden auch Neupflanzungen von Bäumen als Ersatz stattfinden.“

Zweiter Bürgermeister: Projekt ist „Aufwertung der Stadt“

Zweiter Bürgermeister Günther Eibl (CSU) erinnerte seine Stadtratskollegen daran, dass das Gremium auf den Bau einer Tiefgarage gepocht habe. In diesem Kontext habe der Bauausschuss in Kauf genommen, dass auf der Süd-West-Seite des Grundstücks Bäume gefällt werden. Das Gremium habe grundsätzlich „pro Gesundheitsstandort“ Wolfratshausen votiert, betonte Eibl. „Wir waren alle dafür, wir haben die Tiefgarage nicht abgelehnt.“ Die CSU werde den Antrag, drei laut Bebauungsplan erhaltenswerte Bäume fällen zu dürfen, zum Wohle des Projekts („eine Aufwertung der Stadt“) befürworten.

Umweltreferent Dr. Hans Schmidt hielt dagegen. Es sei „unverhältnismäßig, alle Bäume im Süden zu fällen“, urteilte der Grünen-Stadtrat. Einschließlich einiger Gehölze, die nicht durch den Bebauungsplan geschützt sind, hat Schmidt nach eigenen Worten 35 Bäume gezählt, die den beiden Neubauten weichen müssten. „Der ganze Baumbestand wird abrasiert“, schimpfte der Umweltreferent. Deswegen sage er Nein zum Antrag der kbo-Lech-Mangfall-Kliniken GmbH. Dasselbe galt für seinen Parteifreund Rudi Seibt sowie Richard Kugler (Wolfratshauser Liste). Die sieben übrigen Ausschussmitglieder stimmten für den Beschlussvorschlag der Verwaltung.

Erster Spatenstich voraussichtlich Ende April nächsten Jahres

Voraussichtlich Ende April wird der erste Spatenstich auf dem Areal erfolgen. Knapp zwei Jahre wird es dauern bis zur Fertigstellung. Entstehen werden laut kbo 40 Betreuungsplätze für Erwachsene, Jugendliche und Kinder – parallel dazu eine Psychiatrische Ambulanz für Erwachsene, Jugendliche und Kinder.

In einem Interview mit unserer Zeitung erklärte Katharina Kopiecny, Geschäftsführerin der kbo-Lech-Mangfall-Kliniken, mit Blick auf den vom bayerischen Gesundheitsministerium ermittelten therapeutischen Bedarf: „Es gibt meines Wissens nur einen psychiatrischen Facharzt in Wolfratshausen. Im ganzen Landkreis gibt es kein Krankenhaus oder eine Abteilung für diese Arbeit mit Erwachsenen. Wir rechnen in der Tagesklinik mit 250 Patienten pro Jahr.“ (cce)

Unser Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.

Kommentare