VonJosef Hornsteinerschließen
Deutliche Worte findet Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beim Landfrauentag in Mittenwald. Wolf und Bär gehören nicht hierher: Er plädiert für eine Entnahme der großen Beutegreifer und will Druck auf Bundesregierung erhöhen.
Mittenwald - Markus Söder ging beim Landfrauentag noch keine drei Schritte in den Vorraum der TSV-Halle, schon bekam er die aufgeheizte Stimmung der Bauern im Landkreis zu spüren. Eine Landfrau aus Scherenau bei Unterammergau konfrontierte den bayerischen Ministerpräsidenten hochemotional mit deftigen Worten. Keine zehn Meter weit weg von ihrem Hof sei am Freitagmorgen ein gerissenes Wild gefunden worden – vermutlich war der Wolf der Täter.
„Sie sind der mächtigste Mann in Bayern, es muss doch endlich was passieren. Bitte helfen Sie uns“, flehte sie ihn an. „Ich habe volles Verständnis für Sie“, sagte Söder und ging im TSV-Veranstaltungssaal in die Vollen: „Der Wolf gehört hier nicht her.“ Söder will sich persönlich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass das Raubtier gejagt und abgeschossen werden darf.
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Bilder von gerissenen Tieren stimmen Söder nachdenklich
„Sogar der eine oder andere Großstädter ist in diesen Tagen zusammengezuckt“, erzählte er, als die Nachricht kam, dass im italienischen Trentino eine Bärin einen 26-jährigen Jogger getötet hat. Langsam würde auch bei den Wolfsbefürwortern durchdringen, dass „die Natur des Tieres doch eine andere ist, als sie vielleicht vermutet haben“.
Nachdenklich stimmten ihn die Bilder, die ihm Klaus Solleder, Kreisobmann des Bauernverbandes, auf der Bühne präsentierte. Sie zeigten die zahlreichen Risse der vergangenen Tage im Ammertal. „Jeden Tag gibt es mittlerweile Fälle“, kommentierte Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Söder dreht sich der Magen um, denke er daran, dass es sich bei den gerissenen Opfern nicht um Tiere, sondern vielleicht sogar mal um Menschen handeln könnte. „Der Schutz des Menschen hat immer Vorrang.“
Ihm geht das „Theater um den Wolf, das ständige Hin und Her“ in der großen Politik „gehörig auf den Geist“. Eine Lösung muss her „und zwar zügig“. Es könne nicht sein, schimpfte der Regierungschef, dass zuerst ein Wolf als Problemtier ausgemacht werden muss und erst nach bürokratischem Hickhack zum Abschuss freigegeben werden darf. „Teils brauchen Gutachten bei Risse mehrere Monate.“
Schafe würden ab Almauftrieb im Mai leichte Beute werden
Die Zeit drängt. „Noch sind es Wildtiere, die getötet werden. Aber nach dem Almauftrieb im Mai hat der Beutegreifer mit den Schafen eine leichtere Beute“, betonte Speer. Viele wollen ihre Tiere schon jetzt nicht mehr auftreiben, bedauerte Solleder. Die Almbauern haben Angst. Mitte Mai hat Speer einen Termin in der Hauptstadt Berlin, wo er die Probleme schildert, verkündete er. „Denn es kann so nicht mehr weitergehen.“
Söder fühlt sich in der Diskussion an seine Zeit als junger Umweltminister erinnert, als der Kormoran die Fischbestände stark reduzierte. „Da hatten diejenigen, die jetzt für den Wolf sind, Fleischessen verbieten und überhaupt die Tierhaltung abschaffen wollen, auch schon Ideen, die nicht funktionierten.“ Beispielsweise die Eier des Kormorans grün anzumalen oder laute Musik zu spielen, um ihn zu vergrämen. „Letztlich hat auch nichts anderes geholfen, als ihn zu beschießen.“
Naturschützer würden aktuell das kaputt machen, was sie seit 40 Jahren aufgebaut haben
Speer versteht nicht, wieso „die Naturschützer jetzt all das kaputt machen, was sie durch FFH-Gebiete und so weiter seit 40 Jahren aufgebaut haben“. Es könne nicht sein, dass „viele Arten unter einer einzigen leiden müssen“. Söder stellte daraufhin den Schutzstatus des Wolfes infrage. „Die EU möchte ihn aufheben. Aber Deutschland weigert sich.“
Den Rücken stärkt er den Almbauern auch in Sachen regionaler Produkterzeugung und -vermarktung. „Wir müssen den bürokratischen Aufwand reduzieren und die Kontrollen lebensnäher gestalten“, betonte er. „Nicht über die Bauern, sondern mit den Bauern reden.“
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