Deutsche Stiftung Denkmalschutz spendet 50.000 Euro für Museumsprojekt

Kochler „Schusterhaus“: So kärglich lebte hier der letzte Schuster

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Als ob die Zeit stehen geblieben wäre: Die Küchenstube des Kochler Schusterhauses, das noch bis zum Jahr 2010 bewohnt war.

Mit 50 000 Euro fördert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Umwandlung des denkmalgeschützten Schusterhauses in Kochel in ein kleines Museum. Bei der Übergabe des symbolischen Schecks gab es auch erste Einblicke in das historische Kleinod am Ortseingang.

Kochel am See Wäre da nicht diese Kälte im Innern, man hätte meinen können, der Bewohner wäre nur kurz weggegangen. In den Regalen der ehemaligen Schusterwerkstatt stapeln sich Schuhe der unterschiedlichsten Größen. Auf den hölzernen Arbeitstischen liegen Nägel und Formen zum Anfertigen neuer Schuhe, und an der Wand klebt eine von Hand geschriebene Preisliste.

Anlässlich der Scheckübergabe nahmen Mitglieder des „Vereins für Heimatgeschichte im Zweiseenland“ – der sich federführend um die Sanierung des Gebäudes kümmert – die Vertreter der Stiftung, der Gemeinde sowie der Presse mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit.

Den symbolischen Scheck übergab Axel Hofstadt (2. v. li.) von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz an Max Leutenbauer (Mi.). Die Gemeinde, vertreten durch Thomas Holz (li.), beteiligt sich an dem Projekt finanziell. Mit auf dem Bild sind Architekt Michael Holzer (re.) und Beatrix Numberger (2.v.re.) von Lotto Bayern. Deren Glücksspirale liefert ihre Erträge unter anderem an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. In Bayern waren das laut Numberger 2018 über drei Millionen Euro.

Bei der Führung durch Werkstatt und Wohnung erzählte Prof. Jost Knauss von der Geschichte des Hauses und dem Leben seiner Bewohner. Wie der Zweite Vorsitzende des Vereins erläuterte, sei das Erdgeschoss bereits Ende des 16. Jahrhunderts errichtet worden; die oberen Etagen dann rund 200 Jahre später. „365 Jahre haben hier Schuster gewirkt“, sagte Knauss und wies auf die Besonderheit dieses alten Gebäudes hin: Denn anders als im Freilichtmuseum Glentleiten, wo man zwar auch derartige historische Gebäude besichtigen könne – die dafür aber in ihrer angestammten Umgebung abgebaut worden sind – habe Kochel mit dem Schusterhaus bald ein derartiges Baudenkmal als lebendiges Museum direkt „an Ort und Stelle“. Zudem sei das Schusterhandwerk im Freilichtmuseum bei Großweil nicht vertreten.

Wie Vereinsvorsitzender Max Leutenbauer erläuterte, hat der Schuster Josef Schöfmann bis zu seinem Tod 2010 in dem Haus gewohnt. Und irgendwie wohnt er immer noch da: Am Haken hängt noch seine Joppe, über dem Bett in einer der Kammern im ersten Stock liegen Hosenträger. Schöfmann habe in den letzten 50 Jahren seines Lebens fast nichts am Gebäude verändert und außerdem Zeit seines Lebens alles aufgehoben, berichtet der für die Bauarbeiten zuständige Architekt Michael Holzer. Den Plänen für ein Museum komme dieses Sammeln nun zugute. Dadurch gäbe es viele historische Unterlagen und Gegenstände, die man ausstellen könne. Holzer erläuterte im Groben die Sanierungspläne und betonte dabei: „Wir machen bewusst vieles nicht.“ Vor allem im Wohnbereich und in der Werkstatt solle möglichst vieles so bleiben, wie es zu Schöfmanns Tod war. Hier sollen die Besucher „Geschichte erleben können“.

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Das Handwerkszeug des Schusters: Eine Detailansicht aus der alten Werkstatt im Schusterhaus.

Im ehemaligen Stall solle ein sogenannter „Werkstatt-Treff“ – eine Art Café – entstehen. Die Tenne werde in einen Ausstellungs- und Veranstaltungsraum umgewandelt und der Anbau, der aus den 1950er-Jahren stamme, werde zum Lager, in dem unter anderem die moderne Technik untergebracht werde; etwa eine spezielle Heizung, die das historische Gebäude vor Schimmelbefall bewahren soll.

„Es ist eine tolle Leistung, die Sie da vollbringen“, zeigte sich Axel Hofstadt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz beeindruckt und riet dem Verein, bei der Stiftung einen Antrag für eine Anschluss-Förderung zu stellen. Das habe man schon getan, sagte Leutenbauer. Er wollte bezüglich der Eröffnung zwar „nichts versprechen“. Aber: „Angepeilt wäre Ende 2020.“ (Franziska Seliger)

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