VonCarl-Christian Eickschließen
Neun Jahre beschäftigte die Stadt Wolfratshausen das Projekt Surfwelle. Nun informierte der Bürgermeister den Stadtrat über die Kosten.
Wolfratshausen – Schon Anfang dieses Monats hatte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) auf Nachfrage unserer Zeitung verraten, wie viel Geld das Projekt Surfwelle die Stadt gekostet hat. In der jüngsten Sitzung des Stadtrats am Dienstagabend gab er die Summe offiziell bekannt: „Die von der Stadt aufgewendeten Finanzmittel für das Projekt Surfwelle seit 2013 bis zum heutigen Zeitpunkt belaufen sich auf 267.599,92 Euro“, so der Rathauschef.
Die Surfwelle ist gestorben - nun profitiert ein Wolfratshauser Verein von den Spenden
Nach seinen Angaben sind inzwischen alle Rechnungen beglichen worden. „Einnahmen aus Fördermitteln und Spenden erfolgten nicht, da diese an die Umsetzung des Projektes geknüpft waren“, so der Bürgermeister. Wie berichtet hatte der Stadtrat das Vorhaben, im Ortsteil Weidach eine künstliche Surfwelle zu bauen, Ende Juni dieses Jahres endgültig verworfen. Zu diesem Zeitpunkt hätte die Welle etwa 1,4 Millionen Euro gekostet.
Sowohl den Bürgervertretern als auch dem Vorstand des Vereins „Surfing Wolfratshausen“ war jedoch bewusst, dass diese Summe nicht ausreichen wird. Für die Fortsetzung des 2013 gestarteten Projekts müssten „weitere erhebliche finanzielle Mittel bereitgestellt werden“, räumte Vereinsvorsitzende Stefanie Kastner in einer Pressemitteilung ein – und kündigte die Auflösung des Vereins an.
Surfwelle: Spender bekommen ihr Geld auf Wunsch zurück
„Aus der Crowdfunding-Aktion im Jahr 2018 sind insgesamt private Spenden in Höhe von 19.446,08 Euro sowie Spenden von örtlichen Unternehmen in Höhe von 6460 Euro bei der Stadt eingegangen und verbucht worden“, informierte Heilinglechner den Stadtrat. Die Spender würden noch in diesem Monat angeschrieben und förmlich über das Projektende informiert. „Die Spenden werden zurücküberwiesen“, erklärte der Rathauschef. Alternativ hätten die Spender die Möglichkeit, „die Mittel für die Stiftung für Kinder und Jugendliche im Sozialraum Geretsried-Wolfratshausen“, konkret die Roll-Active-Initiative, kurz RAI zur Verfügung zu stellen.
Auch der Verein „Surfing Wolfratshausen“ überweist nach Worten Heilinglechners nicht zurückgeforderte Spenden an die RAI. Laut Bürgermeister generierte der Verein Spenden in Höhe von rund 65.000 Euro.
Stadtrat nimmt Bilanz des Bürgermeisters ohne Kommentar zur Kenntnis
Die Stadträte nahmen die Bekanntgabe zur Kenntnis, Nachfragen gab es nicht. Der Wirtschaftsreferent des Gremiums, Ex-Bürgermeister Helmut Forster (Wolfratshauser Liste), hatte gegenüber unserer Zeitung Zweifel an der Summe von knapp 270 000 Euro angemeldet. So sei nicht ersichtlich, ob die Personalkosten für die städtische Tourismusmanagerin, die das Projekt Surfwelle vonseiten der Kommune seit 2013 betreut hatte, „mindestens anteilmäßig“ in der Bilanz enthalten seien. Forster kündigte an, eine „umfassende Aufklärung“ zu beantragen. Dies wolle er aber in einer nicht öffentlichen Sitzung des Stadtrats tun.
Die Tourismusmanagerin im Wolfratshauser Rathaus, Gisela Gleißl, verlässt wie berichtet Ende des Jahres die Stadtverwaltung auf eigenen Wunsch. (cce)
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