VonCarl-Christian Eickschließen
Bürgermeister Klaus Heilinglechner hat nun verraten, wie viel Steuergeld in das Projekt Surfwelle geflossen ist. Sein Vorgänger ist skeptisch und will Details.
Wolfratshausen – Die geplante Surfwelle ist Geschichte, nun steht fest, wie viel Geld die Stadt in das Projekt investiert hat: 270 000 Euro, bilanziert Rathauschef Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) auf Nachfrage unserer Zeitung. Helmut Forster (Wolfratshauser Liste), Wirtschaftsreferent des Stadtrats, sagt zu der Summe: „Ich sehe das skeptisch.“ Forster mutmaßt, dass das Projekt mehr Geld verschlang – und er pocht auf detaillierte Informationen für die Stadträte.
Surfwelle Wolfratshausen: Bürgermeister verrät, was die Idee gekostet hat
Rückblende: Neun Jahre wogten die Debatten hin und her, auf den einen Beschluss folgte der nächste – bis der Stadtrat Ende Juni 2022 das Projekt Surfwelle angesichts einer erneuten Preissteigerung endgültig stoppte. Etwa 1,4 Millionen Euro hätte das Vorhaben zu diesem Zeitpunkt gekostet, doch dem Rathauschef und den Bürgervertretern war sonnenklar, dass diese Summe nicht reichen wird. Zumal es sich „um reine Planungskosten handelt, wir haben nicht einmal ausgeschrieben“, wie Vize-Bürgermeister Günther Eibl (CSU) seinerzeit zu bedenken gab. Also lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Verein Surfing Wolfratshausen löst sich auf - sie sammelten über 130.000 Euro Spenden
Dieses Motto galt schließlich auch für den Verein „Surfing Wolfratshausen“ um seine rührige Vorsitzende Stefanie Kastner. „Aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise“, ausgelöst durch den Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar, hätte man für die Fortsetzung des Surfwellen-Projekts „weitere erhebliche finanzielle Mittel bereitstellen müssen“, räumte Kastner im August in einer Pressemitteilung ein. Rund 135 000 Euro Spenden hatten sie und ihre allesamt ehrenamtlichen Mitstreiter zusammengetragen. Doch nun sah der Vorstand „keine Möglichkeiten mehr, weitere Zahlungsverpflichtungen zu übernehmen oder anderweitig Geld aufzutreiben“. Der Surferverein ist in Auflösung begriffen, die Spenden werden auf Wunsch zurückgezahlt. Bleibt die Frage: Was kostete die Idee von einer künstlichen Surfwelle im Stadtteil Weidach den Steuerzahler?
Ex-Bürgermeister Helmut Forster äußert Zweifel - Er verlangt Details zu den Surfwellen-Kosten
Schon Anfang August hakte unsere Zeitung beim Bürgermeister per E-Mail nach. Heilinglechners Antwort: „Es werden aktuell gerade noch letzte Abschlussrechnungen beglichen, weshalb wir aktuell noch keine Auskunft über die tatsächliche Höhe der Kosten geben können. Sobald die Kämmerei dies abgeschlossen hat, gebe ich diese Information weiter.“ Weitere Anfragen erbrachten ähnliche Antworten, bis der Rathauschef, ein glühender Verfechter der Surfwelle, nun die Katze aus dem Sack ließ.
Zusammengetragen haben die Zahlen Stadtkämmerer Peter Schöfmann sowie Gisela Gleißl. Die Tourismusmanagerin betreute das Wellen-Projekt von Beginn an federführend für die Kommune. In Stadtratskreisen wird kolportiert, dass ihre Stellungnahme zum Thema Kosten eher dürftig ausgefallen sei.
Zu einer betriebswirtschaftlichen Rechnung gehören die Mitarbeiterkosten dazu
Der Wirtschaftsreferent des Stadtrats, Ex-Bürgermeister Forster, beäugte das Bauvorhaben nach mehreren Kostensteigerungen sehr kritisch. Bis zu einem städtischen Zuschuss von 400 000 Euro ging er mit, ab Februar 2019 versagte er jedem Beschluss pro Surfwelle seine Zustimmung. Dasselbe gilt für seine Fraktionskollegen Dr. Manfred Fleischer und Richard Kugler.
Von besagten 270 000 Euro hat Forster bereits erfahren. Dass dies der Gesamtbetrag ist, den die Kommune seit 2013 in das Projekt investierte, „wage ich aber zu bezweifeln“. So sei nicht ersichtlich, ob die Personalkosten für die städtische Tourismusmanagerin „mindestens anteilmäßig“ in der Bilanz enthalten seien. Zu einer betriebswirtschaftlichen Rechnung, so Forster gegenüber unserer Zeitung, „gehören die Mitarbeiterkosten aber dazu“.
Surfwelle Wolfratshausen: Heilinglechner spricht von 270.000 Euro
„Ich kann nicht mehr Informationen als die angefallenen Gesamtkosten, 270 000 Euro, weitergeben“, konstatiert Heilinglechner. Relevant für den Steuerzahler „sind die Kosten, die die Stadt für das Projekt im Gesamten ausgegeben hat“. Es sei zudem „nicht genau darstellbar, welcher Zeitaufwand von einzelnen Mitarbeitern für das Projekt aufgewendet wurde“. Warum nicht? „Weil Mitarbeiter im Rathaus sich nicht explizit mit nur einem Projekt beschäftigen, sondern mehrere Projekte gleichzeitig abarbeiten müssen.“ Das heiße: „Die Kosten der Mitarbeiter sind somit im Gesamtpersonalkostenaufwand enthalten.“
Thema Surfwelle: Für Helmut Forster ist es noch nicht beendet
Wirtschaftsreferent Forster will das Thema Surfwelle noch nicht zu den Akten legen. „Ich denke, dass wir Stadträte das Recht haben, die detaillierte Kostenaufstellung zu erhalten, diese Zahlen müssen uns vorgelegt werden.“ Er werde darüber zunächst mit seinen beiden Fraktionskollegen sprechen – und mit hoher Voraussicht in einer nicht öffentlichen Sitzung eine umfassende Aufklärung beantragen.
Zum Zeitpunkt, als der Stadtrat das Projekt endgültig stoppte, hatte die Kommune laut Rathauschef bereits rund 200 000 Euro ausgegeben. Nach seinen Worten für Planungen und juristische Beratungsleistungen.
