VonDieter Dorbyschließen
Der Ersatzneubau des Landratsamts bekommt in der Stadtratssitzung am Donnerstag, 24. November, eine weitere Chance, die Ratsmitglieder der Stadt Miesbach zu überzeugen. Das ist notwendig, um das gemeindliche Einvernehmen für das Vorhaben zu bekommen.
Anders als im Oktober im Bauausschuss geht es in dieser Sitzung voraussichtlich aber nur um den Neubau des Verwaltungsgebäudes. Der geplante Wohnungsneubau auf dem Nachbargrundstück an der Münchner Straße, das derzeit noch als Parkplatzfläche genutzt wird, soll dann noch kein Thema sein.
Hintergrund ist der Verlauf der jüngsten Sitzung, in der das Projekt des Landkreises keine wirkliche Unterstützung seitens der Ausschussmitglieder erhalten hatte. Zwar wurde dieser Termin, der ohne Beschluss endete, von Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) lediglich als Stimmungsbild beschrieben. Dabei wurde aber deutlich, dass die vorgelegten Pläne so kaum Chancen auf Zustimmung haben dürften.
Wie berichtet, stieß vor allem der Neubau der beiden Wohngebäude auf deutlichen Widerstand. Die herausgezogenen Balkone zusammen mit dem fehlenden Dachüberstand bescheren eine störende, weil ortsuntypische Optik und schränkten gleichzeitig die Nutzung der Balkone ein, hieß es. „Wir leben in einer niederschlagsreichen Region“, hatte Michael Lechner (FWG) angemerkt. Und Hedwig Schmid (SPD) gab zu bedenken, dass die Balkone so nicht zu nutzen seien. Dritter Kritikpunkt waren die französischen Balkone. Sie bringen mit ihren durch Wandgitter abgesicherten Türen zwar mehr Tageslicht in die Räume, aber ermöglichen auch mehr störenden Einblick von außen. Hier – so das Meinungsbild des Bauausschusses – müsse das Planungsbüro noch nachbessern.
Landkreis wirbt im zweiten Anlauf im Stadtrat um nötige Zustimmung für Ersatzneubau
Weniger groß dürften die Differenzen beim Verwaltungsgebäude sein. Hier störten sich die Ausschussmitglieder zwar ebenfalls am fehlenden Dachüberstand, doch anders als beim Wohnungsbau ist dies bei öffentlichen Gebäuden leichter zu vermitteln, da diese als solche auch erkennbar sein dürfen beziehungsweise sollen – so lautet die Linie in der Architektur.
Bessere Darstellung kann helfen
Die Bedenken zur Photovoltaikanlage auf dem Flachdach des Rückgebäudes an der Riezlerstraße sowie zur versetzten Anordnung der Fenster an der Gebäudefront zur Münchner Straße waren vor allem deshalb ein Diskussionsthema im Ausschuss, weil es keine Darstellung gab, die diese Problempunkte umfassend und deutlich zeigte – das heißt eine Draufsicht auf die Fenster sowie den Blick von unten hinauf zum Dach, um zu bewerten, inwiefern die Paneele vom Boden aus zu sehen sind. Eine bessere Darstellung könnte somit bereits helfen, Bedenken zu beseitigen.
Die Zeit drängt
Die Projekte Verwaltungsgebäude und Wohnungsbau getrennt zu beraten, ist ein nahe liegender Kunstgriff. Denn bekanntlich drängt die Zeit, um mit dem Neubau der Kreisverwaltungsbehörde zu starten. Bekanntlich soll spätestens im Mai 2023 der Neubau beginnen. Auch sind hier die Differenzen wohl leichter zu überwinden, während der Wohnungsbau so schnell nicht an die Miesbacher Wünsche anzupassen sein dürfte.
Tiefgarage kein Hinderungsgrund
Für eine getrennte Behandlung wird auch die geplante dreistöckige Tiefgarage wohl kein Hinderungsgrund sein. Sie soll unter den beiden Wohngebäuden entstehen und auch die vorgeschriebenen Stellplätze der benachbarten Behörde beherbergen. Das ist auch der Grund, warum der Landkreis die beiden Bauprojekte mit einer gemeinsamen Eingabeplanung beantragen will. Doch wie es derzeit aussieht, wird sich das so nicht durchsetzen lassen.
Wie Miesbachs Bauamtsleiter Lutz Breitwieser auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt, ist ein getrenntes Beantragen möglich. Die Stellplätze für die Behörde ließen sich mit einer Dienstbarkeit auf dem benachbarten freien Wohnbaugrundstück sichern. Damit sei ein getrenntes Behandeln im Grunde unschädlich.
Die Frage, ob die Tiefgarage verkleinert werden soll, stellt sich bislang für die Stadt Miesbach nicht, wie Breitwieser erläutert: „Bei uns ist dazu nichts eingegangen.“ Wie berichtet, war eine Verkleinerung bereits Thema im Kreistag. Grund sind die auf mittlerweile 13,89 Millionen Euro gestiegenen Baukosten.
ddy

