VonStephen Hankschließen
Rechenfehler mit Folgen: Weil das Planungsbüro bei einem Gewerk netto und brutto verwechselt hat, sind die Kosten fürs neue Landratsamt samt Wohnungen und Tiefgarage höher.
Landkreis – Die Kreisräte schäumten. „Ich bin geschockt“, sagte Gisela Hölscher (FW). Und CSU-Fraktionssprecher Christian Köck forderte gar Zugeständnisse beim Honorar und regte an, Schadenersatzforderungen zu prüfen. Als wären die Kosten fürs neue Landratsamtsensemble wegen der starken Preissteigerungen auf dem Bau nicht schon hoch genug, erlaubte sich das zuständige Planungsbüro jetzt auch noch einen groben Schnitzer. Drei Tage, nachdem Kreiskämmerer Gerhard de Biasio im Kreisausschuss die neue Kostenberechnung von 60,4 Millionen Euro präsentiert hatte, fiel den Architekten auf, dass sie bei einem Gewerk die Netto-Summe eingepreist hatten. „Wir waren mehr als entsetzt, dass sich die Planer um eine Million Euro verrechnet haben“, gestand Landrat Olaf von Löwis (CSU) in der Sitzung des Kreistags. „Mit diesem Büro haben wir mehr als Pech gehabt.“ Schadenersatzforderungen, ergänzte Biasio, machten aber wohl keinen Sinn: „Die Außendarstellung ist alles andere als vertrauenserweckend, aber letztlich ist kein Schaden entstanden, der zu beziffern wäre.“
Abteilungsleiterin schildert teils schlechte Arbeitsbedingungen
Auch ohne den Rechenfehler sind die Kosten mittlerweile so hoch, dass der Wohnungsbau und die Tiefgarage frühestens ab 2027 gebaut werden können. Realisiert werden soll ab dem kommenden Jahr für knapp 39,1 Millionen Euro aber zumindest der neue Verwaltungsbau. Der sei dringend erforderlich, wie Abteilungsleiterin Maria Rode im Kreistag deutlich machte. Sie zeichnete ein teils verstörendes Bild der Arbeitsbedingungen. Die Kreisverwaltung ist in Miesbach auf mehrere Standorte verteilt. „Wir mussten Teilbereiche von Gebäuden wegen der Schadstoffbelastung und Statik kurzfristig räumen“, berichtete sie. In manchen Räumen seien trotz der hohen Stromkosten teilweise Heizlüfter in Betrieb, weil es keine andere Heizmöglichkeit gibt.
Raumtemperatur bei 19 Grad, Warmwasser abgestellt
Dies konterkariert ein wenig die Energiesparbemühungen. Mittlerweile wurde die Raumtemperatur in den Büros auf 19 Grad begrenzt, das warme Wasser komplett abgedreht. Die Mitarbeiter fungieren quasi gegenseitig als Heizkörper, denn laut Rode hat im Landratsamt wegen der neuen Herausforderungen etwa im Bereich Asyl und der damit gestiegenen Personalzahl eine räumliche Verdichtung stattgefunden. Etliche Mitarbeiter müssten schon gezwungen werden, ins Homeoffice zu wechseln, um die Belegung räumlich überhaupt noch abbilden zu können. „Unter diesen Bedingungen ist es schwer, dringend benötigte neue Fachkräfte zu gewinnen“, sagte Rode. „Die Raumsituation ist alles andere als ein Benefit.“
„Der Neubau ist kein Palast für Olaf von Löwis“
Die Kreisräte unterstrichen die Dringlichkeit. „Der Neubau ist kein Palast für Olaf von Löwis, sondern ein notwendiges Verwaltungsgebäude“, betonte beispielsweise Robert Wiechmann (Grüne). Wie etliche andere Kreistagskollegen auch stellte er aber die Tiefgarage infrage, die mit 13,89 Millionen Euro gar fünf Millionen Euro mehr als die Wohnungen kosten soll. Das sei in der Öffentlichkeit nicht darstellbar. „Man müsste die Tiefgarage eigentlich reduzieren, ergänzte Georg von Preysing (CSU) und regte an, die gewonnene Zeit für eine Überplanung zu nutzen.
Kritik an hohen Kosten für Tiefgarage
Gerhard Waas (Grüne) forderte gar, die Tiefgarage ganz aus dem Beschluss herauszulösen, doch der Landrat konnte ihn schließlich davon überzeugen, den entsprechenden Geschäftsordnungsantrag zurückzuziehen. Das Projekt nicht in seiner Gesamtheit voranzutreiben, gefährde auch die Realisierung des Verwaltungsneubaus. „Wir tragen mit unserem Beschluss, den Bau von Wohnungen und Tiefgarage zeitlich nach hinten zu schieben, auch den Skeptikern Rechnung“, betonte er. „Es ergibt sich jede Chance, entsprechend nachzujustieren.“
Miesbacher wollen nicht an Stellplatzschlüssel schrauben
Nicht alle sehen dafür eine Grundlage. „Die Parkplatznot in Miesbach ist bekannt“, sagte Stadt- und Kreisrat Florian Hupfauer (FDP). „Am Stellplatzschlüssel zu schrauben, würde uns kurz nach der Fertigstellung einholen.“
