Ehrenamt braucht immer eine Portion Leidenschaft. Bei den drei Frauen im Kinderkleidermarkt der Arbeiterwohlfahrt ist diese besonders groß. Sie kümmern sich jede Woche um den Verkauf der Baby- und Kindersachen im Schützenheim. Seit 25 Jahren.
Geretsried – Auf einem Faltblatt des Kinderkleidermarkts der Arbeiterwohlfahrt (AWO) steht in dünnen, pinken Buchstaben „25 Jahre“. Ohne den Hinweis würde das Jubiläum wohl kaum auffallen. Es gibt keine Luftballons und kein Fest. Die drei Frauen, die jede Woche den Verkauf der Baby- und Kindersachen schmeißen, machen eben nicht viel Aufhebens darum, was sie seit einem Vierteljahrhundert im Schützenheim an der Jahnstraße leisten.
Immer donnerstags stehen Anni Osterer (77), Jutta Miseré (66) und Erika Halba (77) in ihrem „Laden“. An diesem Nachmittag schiebt ein Bub mit Brille ein Fuchzgerl für ein Spiel über die Ladentheke, eine Schwangere sucht mit ihrem Mann nach einer Babywiege, und eine Großmutter setzt ihrer kleinen Enkeltochter einen rosa Sonnenhut auf. Als sie das Schützenheim verlassen, schlendern schon die nächsten Kunden durch die Kleiderstangen. Der Markt ist niemals leer.
„Für die vielen jungen Familien in Geretsried war der Kleidermarkt ganz was Tolles“
Das Konzept ist einfach: An einem Termin im März kann jeder Sommersachen vorbeibringen. Alle Stücke werden mit der Kundennummer und dem Preis versehen. Jeden Abend werden die verkauften Waren in entsprechenden Listen durchgestrichen. Im Herbst wird abgerechnet. 80 Prozent des Erlöses gehen an den Besitzer. 20 Prozent behält die AWO als Spende. Nichtverkauftes wird an den Besitzer zurück- oder an andere Hilfsorganisationen weitergegeben, wenn dieser die Sachen nicht abholt. So ist im Oktober wieder Platz für die Wintersachen.
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An den Warenannahmetagen hilft Gisela Schubert. Den Verkauf stemmen Osterer, Miseré und Halba zu dritt. Als sich Erika Halba vor 25 Jahren den Kleidermarkt in Penzberg angeschaut und beschlossen hat, dass Geretsried so etwas auch braucht, waren es fünf Frauen, die die Einrichtung im von der Stadt zur Verfügung gestellten und renovierten Schützenheim aufgebaut haben. „Wir sind der klägliche Rest“, erklärt die AWO-Ortsvorsitzende.
Damals, im Jahr 1993, gab es der 77-Jährigen zufolge noch keine Flohmärkte oder Basare. „Für die vielen jungen Familien in Geretsried war der Kleidermarkt ganz was Tolles“, sagt Halba. Und so ist es heute noch. Auch wenn manche Kinder von damals heute mit ihrem Nachwuchs kommen, sind die Kunden etwas weniger geworden. „Sonst würden wir es nicht zu dritt schaffen“, sagt Halba.
Für Kinder gibt es einen Keks
Die Arbeit im Kleidermarkt ist Teamwork. Wenn Halba beispielsweise die Preisschilder abschneidet und Miseré die kleinen T-Shirts und Schuhe in eine Tüte steckt, kassiert Osterer. Beim Geldrausgeben zählt sie ab: „Und so sind es Zehn, und so Zwanzig.“ So, wie sie es gelernt hat.
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Sie und ihre beiden Kolleginnen haben vor der Rente als Verkäuferinnen gearbeitet. Das war aber mehr als ein Beruf. Es steckt ihnen so im Blut, dass sie sich ehrenamtlich um den Kleidermarkt gekümmert und später trotz Ruhestands einfach weitergemacht haben. „Es macht Spaß, es ist einfach schön, unter Leuten zu sein“, sagt Halba. Osterer nickt: „Und wie.“ Deswegen nimmt sie sich auch für jedes Kind, das mit seinen Eltern in den Kleidermarkt kommt, die Zeit, um die viereckige Dose vom Tresen zu öffnen. „Mogst a Keksl“, fragt sie dann. Die Antwort ist klar.
Ob die drei überhaupt je ans Aufhören gedacht haben? „Na, bis jetzt noch ned“, sagen die drei Frauen und schauen zufrieden in das bunte Sortiment an Baby- und Kindersachen, in dem Familien günstig nette Sachen finden können.
Info
Kinderkleidung bis Größe 146, Schuhe, Betten, Spielzeug, Kinderwagen und vieles mehr gibt es jeden Donnerstag von 15 bis 18 Uhr im Schützenheim an der Jahnstraße 23. In den Sommerferien bleibt der AWO-Kleidermarkt geschlossen.
sw