Artenschutzprojekt

Dieser Fisch war am Schliersee fast ausgerottet - jetzt soll er zurückkehren

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Ab in die neue Heimat: (v.l.) Rainer Hackl (Kassier Fischereiverein Schliersee), Andreas Haas (Fischerei-Fachberatung beim Bezirk Oberbayern), Stefan Moser (Vorsitzender Bezirksfischereiverein Miesbach-Tegernsee) und Tobias Ruff (Fischerei-Fachberatung beim Bezirk Oberbayern) setzen die Mairenken in den Breitenbach ein.
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Lange Zeit waren die Mairenken am Schliersee heimisch, wurde dann aber fast ausgerottet. Jetzt versuchen Fischer es mit der Neuansiedlung einer Population.

Schliersee – Auf der Speisekarte tauchen Mairenken heute nur noch selten auf. Ihre vielen Gräten munden verwöhnten Gaumen in Mitteleuropa nicht. Das war früher anders, erzählt Stefan Moser, Vorsitzender des Bezirksfischereivereins Miesbach Tegernsee. Während des Zweiten Weltkriegs hätten die Anwohner die hierzulande auch Seelauben oder Schiedling genannten Weißfische eimerweise aus den Zuflüssen des Schliersees geholt und sie anschließend wie Bratheringe eingemacht. Der Laubenbach habe sogar seinen Namen von den damals beliebten Speisefischen bekommen. Doch das nach dem Krieg offenbar beliebte „Handgranatenfischen“ habe der Population schwer zugesetzt. So sehr, dass die Mairenken zwischenzeitlich fast ausgerottet wurden.

Jetzt versuchen es die Mitglieder der Fischereigemeinschaft Schliersee (Bezirksfischereiverein Miesbach-Tegernsee, Fischereiverein Schliersee und Fischermeister Josef Schrädler) mit einer Neuansiedlung. 250 laichbereite Mairenken vom Simssee wurden in den Breitenbach eingesetzt. Mit Unterstützung der Fachberatung des Bezirks Oberbayern wollen die Verantwortlichen in den kommenden drei Jahren die Tiere wieder am Schliersee etablieren und so einen Beitrag zum Artenschutz leisten.

Ausgewachsene Mairenken erreichen eine Länge von 15 bis 25 Zentimetern. Auch wenn der Name etwas anderes suggeriert: Die Tiere gehören nicht zur Familie der Renken, sondern zu den Karpfen. Sie ernähren sich von Plankton und Mückenlarven und laichen von Mai (daher der Name Mairenken) bis Juni. Teils ziehen sie dafür in den Oberlauf von Flüssen, teils legen sie ihre Eier aber auch an sandigen Uferstellen von Seen ab.

Wie sie mit den Bedingungen in Breitenbach und Schliersee zurechtkommen, vermag Moser noch nicht abzuschätzen. So ist der Bachlauf in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr verbaut worden, auch ein Kraftwerk beeinflusst die Wassermenge. Zuversichtlich stimmt den Vorsitzenden der Bezirksfischer allerdings, dass beispielsweise die Seeforellen mit den Einschränkungen leben können.

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Eine andere Gefahr droht beim potenziellen Laichgebiet der Mairenken am Schlierseer Kurpark: der Mensch.  Obwohl hier seit 2018 im Sommer ein „Betretungs- und Badeverbot“ im ausgewiesenen Schonbezirk gilt, würden sich leider nicht alle Wasserratten daran halten, so Moser. Er bittet deshalb nochmals eindringlich darum, den Fischen ihre Ruhe zu lassen. „Das ist kein Nichtschwimmerbecken.“

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Auch die Fischer selbst werden die Neuankömmlinge vorerst nicht stören. Bis sie richtig sesshaft geworden sind, dürfen sie nicht gefischt werden, betont Moser. Da trifft es sich gut, dass die Mairenken ohnehin keine beliebten Speisefische mehr sind.

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