Porträt eines Fotografen

Christoph Hellhakes unstillbare Lust am Bild

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Lässige Pose: So setzte der Dietramszeller Fotograf die Künstler Julia von Miller und Albrecht von Weech vom Odeon Tanzorchester ins rechte Licht.

Erst Polizist, dann Fremdenführer und schließlich Fotograf: Es dauerte ein wenig, bis der Dietramszeller Christoph A. Hellhake seine Berufung fand.

Dietramszell – „Auch auf verschlungenen Wegen muss man nicht bummeln.“ Hätte der Wahl-Dietramszeller Christoph A. Hellhake diesen Satz nicht erst im reiferen Alter aufgeschnappt, er hätte ihm als Lebensmotto dienen können. So aber war er eine Bestätigung. Gerade in seinen jungen Jahren nämlich wanderte der heute erfolgreiche Berufsfotograf ziellos umher. Entscheidungen fielen eher spontan denn durchdacht. „Ich war einfach immer an vielen Dingen interessiert“, sagt der gebürtige Münchner, die Schule sei nicht darunter gefallen.

Also warf er das Handtuch nach der Mittleren Reife, sehr zum Missfallen des Vaters, einem Diplom-Ingenieur. Aus Sicht der Eltern, sagt der heute 59-Jährige, „habe ich immer alles falsch gemacht“. Sein Glück war: Die Erwartungen erfüllten die älteren Geschwister. Der Bruder studierte Jura, heiratete eine Zahnärztin. Die Schwester wurde Erzieherin. „Ich als der Jüngste war der Libero.“

Die Rolle des freien Mannes interpretierte Hellhake nach Kräften: Statt das Abitur zu bauen, entschied er sich für eine Ausbildung. Schreiner wollte er werden, fand jedoch keine passende Lehrstelle. Also ging er – einmal mehr ein schräger Plan – zur Polizei. „Spezl von mir waren da. Außerdem haben dir drei Jahre Polizeidienst den Grundwehrdienst erspart. Und es gab gleich 600 Mark monatlich.“ Drei Jahre blieb er, dann gingen dem Oberwachtmeister Hellhake Hierarchien und Obrigkeitsdenken auf den Geist. „Am Ende habe ich mich ständig mit den Vorgesetzten angelegt.“

Christoph A. Hellhake Fotograf aus Leidenschaft.

Der damals 22-Jährige kündigte – und erfand sich ein weiteres Mal neu: Er fuhr drei Jahre Taxi, um Geld zu verdienen. 1985 verdingte er sich für ein halbes Jahr als Touristenführer und Mechaniker – Schrauberkenntnisse hatte er sich während seines Polizeidienstes angeeignet – in einer kleinen Auto-Vermietung auf der griechischen Insel Kos. Ein lockerer Job. Und ein lustiger: Er münchhauste vor bildungsfernen englischen Touristen auf gemeinsamen Tagestouren über antike Schlachten, die auf Kos im Lebtag nie stattgefunden hatten. In seiner vielen Freizeit auf dem Eiland frönte Hellhake einem seiner Hobbys: der Fotografie – und merkte, wie sehr ihm das gefiel. „Vorher habe ich nur geschaut, wie ich Geld verdienen kann. Dieser Sicherheitsaspekt, auf den auch der Vater so viel Wert gelegt hat.“ In Griechenland aber fand er zu sich selbst und stellte sich endlich die Frage: „Was möchte ich in meinem Leben am l i e b s t e n tun.“

Die Antwort – Fotografieren – gefiel dem Papa erwartungsgemäß nicht, er sah den Filius schon unter einer Isarbrücke nächtigen. „Er machte mir eine Szene und hat mich quasi enterbt“, erinnert sich der Junior. Der zog sein Ding trotzdem durch. Er fand einen Assistenzjob bei Hubertus Hamm, damals einer der renommiertesten deutschen Werbefotografen, lernte und arbeitete bei ihm sechs Jahre. 1991 eröffnete Hellhake in Berg am Laim ein eigenes riesiges, wie sich später herausstellen sollte, „viel zu teures“ Studio und verdiente seine Brötchen mit Werbefotografie. BMW und der TV-Sender Pro7 zählten zu den Kunden. Als Einzelkämpfer machte er „gute Umsätze“. Das beruhigte dann auch den Senior. Aber: Mit Hellhakes professioneller Ausbildung ging schleichend eine künstlerische Verelendung einher: Er, der immer diese „unglaubliche Lust am perfekten Bild“ in sich trug, machte „privat überhaupt keine Fotos mehr“. Seine Auftragsarbeiten stillten diesen Mangel nicht. Erst nach Jahren des Darbens machte er sich wieder daran, Reportagen zu fotografieren und Geschichten mit der Kamera zu erzählen – meistens als freie Arbeiten. Einige beauftragte Fotoserien landeten im Readers Digest und im Magazin Stern.

Ausstellung Seelenblick: 2009 porträtierte Hellhake 30 Patienten des Einrichtungs-Verbunds ReAL Isarwinkel in Bad Tölz – Menschen mit psychischen und sozialen Problemen

2006, mittlerweile hatte es ihn aus Liebe zu seiner Lebensgefährtin Maria nach Fraßhausen verschlagen, gab Hellhake das Studio schließlich auf – mit Schulden auf dem Buckel und trotzdem einem guten Gefühl. „Das war die zweitbeste Entscheidung in meinem Leben.“ Denn seitdem fotografiert er „wirklich frei“ vor allem das, was ihm gefällt. 2013 brachte er als Fotograf und Grafiker ein Buch über den großen Wiener Chansonnier Michael Heltau heraus, in dessen Begleitband Partnerin Maria Akkordeon spielt. Eine Reihe ausdrucksstarker Porträts von psychisch Kranken war im vergangenen Sommer unter dem Titel „Seelenblick“ im Tölzer Landratsamt zu sehen. Diese Arbeit bedeutet Hellhake viel: „Tief im Menschen den unbeschädigten Anteil aufzuspüren und sichtbar zu machen“, dass macht für ihn die Bedeutung eines Porträts aus. Ab 4. Februar stellte er die Bilder im Landratsamt in Weilheim aus.

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Seinen Lebensunterhalt bestreitet Hellhake mit Auftragsarbeiten für Firmen und Immobilienmakler. Erstere stellten seine Mitarbeiter-Porträts auf ihre Webseiten. Für letztere rückt er Häuser und Wohnungen professionell ins rechte Licht. Sein Rezept: „Ich versuche sie nicht aus Sicht des Verkäufers, sondern aus der des Bewohners zu fotografieren.“ Gerne und oft porträtiert er Künstler und Musiker. Neuerdings fuchst sich der Dietramszeller ins Thema Filmen rein. Sobald er „ein gewisses Niveau“ erreicht habe, möchte er damit in den Markt einsteigen. Zu tun hat er also genug.

peb

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