VonPatrick Staarschließen
Weniger Parkplätze, abgesenkte Gehsteige, neue Pflastersteine und besser versteckte Mülltonnen: Das sind vier Kernpunkte des Konzepts für den Tölzer Stadtteil Gries, den Landschaftsarchitekt Axel Lohner im Sitzungssaal des Rathauses der Öffentlichkeit präsentierte.
Bad Tölz – Rund 70 Tölzer nutzten die Gelegenheit, Informationen aus erster Hand zu bekommen. Lohner blickte in die Runde und stellte fest: „Ich bin erstaunt, wie viele Leute da sind. Das zeigt, wie groß das Interesse am Umbau ist.“ Er sei glücklich, dass sein Büro den Zuschlag bekommen habe, denn der Gries sei „ein total spannendes Areal“. Schon jetzt herrsche in dem Stadtteil ein mediterranes Flair, es gebe schöne Akzente wie Holzbänke vor den Häusern und den Holzbrunnen an der Krankenhausstraße. Ebenso gebe es aber auch hässliche Flecken wie den eng zugeparkten Parkplatz um den Brunnen herum: „Ich bin erstaunt, dass die Feuerwehr so etwas zulässt“, sagte Lohner.
Ebenso missfallen ihm die „Mülltonnen-Orgien“ an den Straßen. Trotz aller funktionaler Zwänge müsse man auch auf die Lebensqualität achten. Lohner schlägt vor, die Anzahl der Parkplätze von momentan 115 auf 70 zu reduzieren, „denn dann haben wir deutlich mehr Luft“. Zudem schlägt er vor, die Trennung zwischen Straßen und Gehsteigen aufzulösen. Er schlägt vor, Platten zu verlegen. Als Vorbild dafür könne die Innenstadt von Verona dienen. Lohner könnte sich vorstellen, drei verschiedene Farben für Gehsteige, Straßen und Parkplätze zu verwenden. Die Parkplätze sollten seiner Ansicht nach allesamt markiert werden. Die „lebendige Topografie“ – sprich der wellige Straßenbelag – sorgen dafür, dass sich überall Pfützen bilden. Regenwasser fließt in Richtung der Häuser und Gehsteige. Dies will Lohner ändern – das Wasser soll zukünftig Richtung Straßenmitte fließen und dort aufgefangen werden: „Wir wollen den Bereich vor den Häusern vom Wasser befreien“, betonte der Landschaftsarchitekt.
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Die Gehwege sollen barrierefrei werden, zwischen Gehsteig und Fahrbahn soll es nur noch eine drei Zentimeter hohe Kante geben. Auch über zusätzliche Grünflächen hat sich Lohner Gedanken gemacht. Abgesehen vom Zufahrtsbereich gebe es so gut wie nirgendwo die Möglichkeit, Bäume zu pflanzen. An einigen Fassaden könne man allerdings Holzlatten anbringen, an denen Rosen und Clematis hoch wuchern können: „Das würde ein ganz anderes Flair und eine charmante Vielfalt reinbringen.“ Natürlich seien solche Maßnahmen aber Privatsache.
Auch zum Thema Mülltonnen hat sich Lohner Gedanken gemacht. Es sei denkbar, sie künftig in Häuschen oder in zentralen Müllboxen unterzubringen. Bei letzterer Variante seien Eigentümergemeinschaften notwendig, daher könne es juristische Probleme geben.
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„Ich kann es kaum erwarten bis es losgeht“, kommentierte Zuhörerin Reinhilde Steinacker-Settles. Es sei eine „gute Idee“ weniger Autos in das Gries zu lassen. Ihr wäre wichtig, dass die Autos nicht mehr rückwärts an den Häusern parken dürfen. Das Gries sei ein „Schmuckkästchen“ mit einem „irrsinnigen Potenzial“ stellte eine Sprecherin des Arbeitskreises fest. Die Architekten hätten die Vorschläge aus den Arbeitskreisen „super umgesetzt“. Hauptknackpunkt seien die Autos. Sie sei froh, wenn sie abends noch einen Parkplatz ergattere, räumte sie ein. „Aber von der Lebensqualität her wäre es besser, wenn wir viele Autos rauskriegen. Wir sollten uns selbst umerziehen und bereit sein, ein paar Meter zu gehen.“
Nach der Vorstellung hatten die Zuhörer die Möglichkeit, in Arbeitskreisen mit den Verantwortlichen zu diskutieren. Einige hätten angemerkt, dass die gefühlte Sicherheit mit Gehsteigen höher ist, berichtete Lohner. Andere forderten streng darauf zu achten, dass es keine Falschparker in der Krankenhausstraße gibt. Ebenso gab es Bedenken, dass ohne Gehsteige das Regenwasser bei Gewittern in Richtung der Eingänge fließen könnte. Wieder andere sehen das Problem, dass der Winterdienst zukünftig den Schnee direkt vor die Eingänge schiebt.
Einer der radikalsten Vorschläge: „Bitte habt den Mut, alle Autos aus dem Gries zu entfernen. Das wäre wirkliche Lebensqualität.“
Die Vorschläge werden nun diskutiert und eingearbeitet. Nach dem groben Zeitplan könnten die Bauarbeiten Ende 2020 beginnen und im Jahr 2022 abgeschlossen sein.
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