Die Dorfhelferinnen beklagen bei ihrer Jahresversammlung zu wenig Personal. Sie wollen daher ein spezielles Ausbildungsmodell in den Fokus rücken.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Nachfrage nach Dorfhelferinnen ist konstant hoch – trotz manch neu geschaffener oder erweiterter Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. „Wenn die Mama wegen Krankheit ausfällt, kann der Papa die Versorgung der Familie trotzdem meist nicht alleine stemmen. Groß ist die Nachfrage auch im Bereich der Verhinderungspflege“, stellte Anni Stöckl jetzt bei der Jahresversammlung der Dorfhelferinnenstation des Landkreises im Gasthaus Fischbach fest. Stöckl ist auch heute noch als ehrenamtliche Einsatzleiterin tätig, obwohl offiziell bei einer übergeordneten Umstrukturierung 2016 die Koordinierung der Einsätze den Maschinenringen zugeteilt worden war.
Die Tölzer Landkreisstation sei mit Blick darauf eine Vorzeige-Station, sagte Maria Buchholz als Vertreterin der in Landshut ansässigen Organisation „Katholische Dorfhelferinnen und Betriebshelfer in Bayern“. Diese wird jeweils zur Hälfte vom Bauernverband und der Caritas getragen. Die Zuständigen im Tölzer Land hätten sich darauf geeinigt, das Amt der Einsatzleiterin in enger Abstimmung mit dem Maschinenring beizubehalten. „Das ist eine gute Lösung, denn sowohl die hilfesuchenden Familien als auch die Hilfskräfte selbst schätzen diese vertrauliche Anlaufstelle“, sagte Buchholz.
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Der Bedarf an Dorfhelferinnen ist also groß, die Zahl der tatsächlich vorhandenen Kräfte bleibt eher dahinter zurück. „Wir hatten heuer 15 Absolventinnen, 12 Anwärterinnen besuchen momentan die Schule in Pfaffenhofen – das ist für ganz Bayern zu wenig“, resümierte Buchholz. Man wolle deshalb die Möglichkeit einer verkürzten Ausbildung mehr in den Fokus rücken. „Das wäre zum Beispiel etwas für Bäuerinnen, die zuhause die Milchkuhhaltung aufgegeben haben und dann eine neue Aufgabe suchen.“ Diese verkürzte Ausbildung – Voraussetzung ist ein hauswirtschaftlicher Abschluss – laufe über eineinhalb Jahre mit sieben Blockwochen Unterricht und etwa zehn Praktikums-Wochen. Der übrige Lehrstoff müsse eigenständig per Internet oder Unterlagen gelernt werden, um schließlich die reguläre Prüfung absolvieren zu können.
Stöckl berichtete aus der Arbeit der Dorfhelferinnen. Sie erlebe des Öfteren Fälle, so Stöckl, in denen bereits bei relativ jungen Elternteilen mit noch kleinen Kindern schon Pflegegrade vorlägen. Oder auch, dass Altenteiler, die während der Berufstätigkeit der Jungen auf dem Hof noch manche Arbeiten verrichten, keinen Anspruch mehr auf Unterstützung hätten und so in einer schwierigen Lage seien.
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Im Landkreis sind aktuell drei angestellte Dorfhelferinnen tätig, davon eine in Vollzeit, zwei in Teilzeit. Dazu kommen drei selbstständige Dorfhelferinnen und zwei selbstständige Betriebshelfer, wie Ernst Huber vom Maschinenring Wolfratshausen die personelle Situation schilderte. Nachdem die Kriterien für die Zulassung als Betriebshelfer verschärft worden seien, gebe es bei den männlichen Hilfskräften verstärkt Engpässe.
Momentan koordiniere der Maschinenring insgesamt 40 Einsätze mit jeweils unterschiedlich bewilligter Stundenzahl. Als zusätzliche Hürde bei der Abwicklung sei heuer die neue Datenschutzverordnung dazugekommen.
Die Dorfhelferinnen, betonte Stationsvorsitzende Margret Gerold, würden nicht nur in Bauernfamilien, sondern auch allgemein „in Familien im ländlichen Raum“ ihre Dienste verrichten. Ein grundsätzliches Problem sei jedoch, dass die Krankenkassen die Kosten dafür nie vollständig übernehmen. „Wir sind deshalb auf Spenden angewiesen.“ (Rosi Bauer)