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Nach der Rückkehr von Ludwig Scheiel bereitet sich der Pfarrverband Gaißach-Reichersbeuern dennoch auf eine Zukunft ohne Pfarrer vor. Zumindest für die Verwaltungsaufgaben gibt es künftig eine Entlastung
Gaißach – Pfarrer Ludwig Scheiel ist gesund und wieder zurück in seiner Gemeinde. Der 66-Jährige hatte Anfang Oktober einen Herzinfarkt (wir haben berichtet). Doch jetzt nach seiner Reha sagt er: „Ich bin gesundheitlich wieder voll hergestellt. Aber so weitermachen wie bisher geht nicht.“ Er habe schließlich nicht erst zum Zeitpunkt seines Herzinfarkts gemerkt, dass es zu viel werde.
Es werde versucht, über Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung für Entlastung zu sorgen. Eine wichtige Personalie hier: Ab dem 1. April 2019 bekommt der Pfarrverband eine Verwaltungsleitung. „Dazu hat es vergangene Woche Vorstellungsgespräche gegeben.“ Das bedeutet für Scheiel, dass er die Verwaltungsaufgaben abgeben kann. „Diese Person ist dann bei der Erzdiözese angestellt.“ Sie müsse mit dem Pfarrer noch alles abstimmen, „ich bleibe der Chef“. Aber es werden ihm dennoch Finanz-, Bau- und Personalverwaltungsaufgaben abgenommen. „In einer Einzelpfarrei kann das ein Pfarrer gerade noch leisten“, sagt Scheiel. Im Pfarrverband sei das schwieriger. „Ich habe 18 Angestellte. Mit Personalführung hatte ich aber nie etwas zu tun.“ Da gebe es inzwischen so viele undurchsichtige Vorschriften. „Der Stress, den die meisten Pfarrer empfinden, kommt nicht von der Seelsorge, von der Arbeit mit den Menschen. Die Verwaltung macht die Probleme.“ Wenn er das jetzt abgeben könne, sei das ein „großer Brocken“. Dann könne er gut sein Ziel erreichen. Dieses heißt nach wie vor: Ruhestand zum 31. August 2020. Daran habe sich nichts geändert.
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Gerade auch im Hinblick darauf habe er bereits vor dem Herzinfarkt angefangen, alles Überzählige abzugeben. „Wir arbeiten zukunftsorientiert.“ Die Häufigkeit der Eucharistie-Feiern werde zurückgehen, dafür gebe es mehr Wortgottesdienste. „Jetzt können das die Leute auch verstehen, wenn sie wissen, dass ihr Pfarrer gesundheitlich angeschlagen ist.“
Daher sei es leichter, jetzt zu kürzen. „Bis 2030 verlieren wir 70 Prozent der Pfarrer in der Erzdiözese München-Freising“, sagt Scheiel. Daher sei es nicht klar, wie es im Pfarrverband weitergehe, wenn er aufhöre. „Ich gehe davon aus, dass meine Stelle nicht wiederbesetzt wird“, sagt Scheiel. „Daher müssen wir dann so weit sein, dass die Menschen vor Ort in Eigenregie alles übernehmen können. Oder es zumindest versuchen.“
Dass Laien die Aufgaben eines Pfarrers übernehmen sei eine Grauzone. „Die Diözesanleitung ist da meistens restriktiv. Daher müssen wir ihr unser Zukunftsbild aufzeigen.“
An diesem Freitag, 30. November, lädt die Pfarrei Gaißach zum Pfarrfamilienabend ein. Los geht es um 19.45 Uhr im Gasthaus Isarwinkel am Golfplatz. Neben Pfarrer Scheiel, der sich zur aktuellen Situation vor Ort und im Allgemeinen äußert, ist auch Schwester Oxana aus der Ukraine zu Gast.
