- VonJoshua Eiblschließen
Die Stadtbibliothek München veranstaltet am heutigen Dienstag eine Draglesung. Im Vorfeld finden mehrere Demonstrationen statt. Das KVR hat entschieden, das umstrittene AfD-Plakat nicht zu verbieten.
München - Die Draglesung, bei der zwei Drag-Künstler und eine Transfrau vor Kindern ab vier Jahren vorlesen, schlug in den vergangenen Wochen in München hohe Wellen. Zuletzt warb ein Plakat der bayerischen Alternative für Deutschland (AfD) für eine Protestveranstaltung. Auf dem Plakat steht „Hände weg von unseren Kindern! Genderpropaganda verbieten!“ und zudem waren ein Bub und ein Mann mit roten Haaren, Bart und Make-up abgebildet. Der Mann greift augenscheinlich nach dem Kind.
Das Plakat wurde nicht nur in den sozialen Medien heftig kritisiert, sondern hatte auch eine Strafanzeige zur Folge. Sowohl die Linke Bayern als auch ein Münchner Priester zeigten die AfD wegen Volksverhetzung an. Die Karten für die Pride-Week-Lesung „Wir lesen euch die Welt, wie sie euch gefällt“ sind bereits vergriffen. Im Interview mit tz hat einer der Künstler, Eric BigClit, erklärt, dass er sich auf die Veranstaltung freue und nie an eine Absage gedacht habe.
KVR verbietet AfD-Plakat nicht
Laut einem Bericht der AZ kann das KVR die Plakate allerdings nicht verhindern. „Nach sorgfältiger rechtlicher Prüfung kann das KVR keine eindeutige Erfüllung eines Straftatbestandes feststellen. Nur dann aber wäre es dem KVR rechtlich möglich, diese Plakatierung zu untersagen“, heißt es im Bericht. Nun werden wohl Gerichte entscheiden, ob der Straftatbestand der Volksverhetzung vorliegt.
Es fällt mir schon manchmal schwer, zu akzeptieren, dass wir sowas nicht einfach verbieten können. pic.twitter.com/yqeeJa0Ul7
— Korbinian Rüger (@KorbinianRueger) June 9, 2023
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Stadtbibliothek beschmiert – Anwohnerin: „Hätte mich nicht getraut, die Gruppe anzusprechen“
Gestern Abend wurde dann auch noch gegen 21 Uhr die Stadtbibliothek von Unbekannten beschmiert. Ein Pressesprecher der Münchner Stadtbibliothek bestätigte den Vorfall auf Nachfrage von tz.de: „Wir haben auch rund 100 E-Mails und Briefe mit Beschwerden und Bedrohungen bekommen.“
Auch eine Anwohnerin schilderte unserer Redaktion die verstörenden Vorfälle. „Es fühlt sich alles recht eskalativ an. Ich habe eine Gruppe von sieben bis acht Leuten mit Eimern und Pinseln weglaufen sehen.“ Diese haben mutmaßlich die Fensterscheiben der Bibliothek zugekleistert. „Ich hätte mich gestern Abend wahrscheinlich nicht getraut, diese Kleister-Gruppe anzusprechen.“
Demos auf beiden Seiten - Lesung von Polizei begleitet
Die Stimmung rund um die Drag-Lesung in der Bogenhauser Stadtbibliothek ist aufgeheizt. Sowohl eine Demonstration für die Veranstaltung als auch mehrere Gegenproteste sind bereits angemeldet. Insgesamt vier Gegendemonstrationen sind geplant, eine davon von der AfD. Rund 450 Drag-Gegner wollen protestieren. Doch auch die Queer-Fürsprecher von „München ist bunt“ kündigen eine Demo mit 50 Teilnehmern an. Darüber hinaus hat die Antifa zum Widerstand gegen „rechte Attacken“ gegen die Drags aufgerufen. Sowohl die Demonstrationen als auch die Lesung selbst werden von der Polizei begleitet.
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