Restwasserableitung wird vorbereitet

Die Dürrach soll wieder ein Fluss werden

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Durch die Wasserableitung zum Achensee-Kraftwerk ist die Dürrach auf österreichischer Seite streckenweise nicht mehr als ein Rinnsal.
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Für den Verein „Rettet die Isar“ wäre es die Erfüllung einer seit Jahren erhobenen Forderung: Der österreichische Kraftwerks-Betreiber TIWAG hat angekündigt, mehr Restwasser in die Dürrach fließen zu lassen. Dadurch könnte der Isar-Zufluss wieder zum Lebensraum für mehr Fische werden.

Fall – Die Dürrach, ein Zufluss der Isar, der durchs Bächental bis zum Sylvensteinspeicher führt, hat streckenweise die Bezeichnung Fluss kaum noch verdient. Der Oberlauf auf österreichischer Seite ist teils nur ein kleines Rinnsal. Der Grund dafür ist, dass ein Großteil des Wassers zur Energiegwinnung ins Achensee-Kraftwerk in Jenbach abgeleitet wird. Von einem Treffen mit dem Betreiber, der Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) ist der Verein „Rettet die Isar“ mit guten Neuigkeiten zurückgekehrt: Demzufolge laufen aktuell Vorbereitungen für eine Restwasserabgabe spätestens ab dem Jahr 2021.

Die anstehenden Veränderungen für die Dürrach besprachen nun in Jenbach (v. li.) Bernhard Hofer (Abteilungsleiter Wasserkraftplanung TIWAG), Othmar Obrist (Leiter Kraftwerk Jenbach), Thomas Höckner (Bereichsleiter Erzeugung) sowie Karl Probst und Franz Speer vom Verein „Rettet die Isar“

„Das sind erfreuliche Nachrichten“, sagt der Vereinsvorsitzende Karl Probst. „Rettet die Isar“ hatte dieses Ziel schon seit Jahren angestrebt. Ersten Ankündigungen, die schon 2014 in diese Richtung wiesen, waren bislang keine Taten gefolgt. Nun aber sind die Ankündigungen konkreter geworden. In Jenbach wurden Probst und sein Stellvertreter Franz Speer von Bernhard Hofer, Abteilungsleiter Wasserkraftplanung, sowie Thomas Höckner und Othmar Obrist vom Bereich Stromerzeugung der TIWAG, empfangen. Dabei erklärte Höckner auch, dass, nachdem die Restwasserabgabe angelaufen ist, ein Monitoring den Erfolg der Maßnahme sicherstellen soll.

Wie viel Wasser aber ist nötig, damit die Dürrach wieder zu einem Lebensraum in einem ökologisch guten Zustand wird? „Das müssen Wissenschaftler beurteilen“, antwortet Karl Probst. Im Moment sei es so, dass bis zu zwölf Kubikmeter Wasser pro Sekunde ins Achenseekraftwerk umgeleitet werden. Nur was darüber hinaus gehe, fließe in der Dürrach weiter – in der Regel nicht viel. „Wenn man die Dürrach am Sylvenstienspeicher sieht, sagt man vielleicht, dass sie ja noch einiges an Wasser hat“, erklärt Probst. „Aber das kommt alles aus Bächen, wie dem Grottenbach, die hinter dem Kraftwerk hineinfließen.“

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Als Lebensraum für Fische sei die Dürrach in ihrem Ist-Zustand „ganz schlecht“, sagt Probst – obwohl es erstaunlich sei, wie vereinzelte Fische doch in Gumpen überleben. Von einer gewünschten Durchgängigkeit für die Fischwanderung flussauf- und -abwärts kann aber keine Rede sein. Etwas günstiger sind die Lebensbedingungen für das Makrozoobenthos, also tierische Kleinorganismen, denen zum Beispiel ein Plätzchen unter feuchten Steinen zum Überleben reicht.

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„Rettet die Isar“ hofft nun durch das künftige Restwasser auf ökologische Verbesserungen und Durchgängigkeit. Auf der anderen Seite ist den Vereinsaktiven auch die Bedeutung des Flusses für die Wasserkaft bewusst. In Jenbach erklärten Vertreter der TIWAG, dass 25 Prozent der Energieerzeugung des Achsenseekraftwerks aus dem Einzugsbereich der Dürrach kommen und diese wertvolle Energie für den wirtschaftlichen Betrieb des Achenseekraftwerkes deswegen unabdingbar sei. „Es geht uns ja auch gar nicht darum, die Wasserkraft wegzubringen“, sagt Probst. „Wir wollen die Realität nicht auf die Zeit vor dem Bau des Walchenseekraftwerks zurückdrehen.“ Der Verein wünsche sich lediglich ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen notwendiger wirtschaftlicher Nutzung und Erhalt eines ökologisch wertvollen Lebensraums.

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Eine weitere Veränderung kündigte TIWAG-Vertreter Hofer in Bezug auf die Geschiebebewirtschaftung an der Bächentalsperre an. Hier werde der Kies in Zukunft nicht mehr per Bagger umgesetzt, sondern man setze auf den Geschiebetransport durch Hochwasser. Dazu würden bauliche Adaptierungen an der Staumauer Bächental ergriffen. „Auch das hört sich in der Theorie schon einmal gut an“, sagt Probst.

„Leider nichts Neues“ gebe es hingegen zur Walchen (Seeache). Da diese nicht in der aktuellen Periode des österreichischen Gewässerentwicklungsplanes enthalten sei, sehe die TIWAG derzeit keinen Handlungsbedarf. „Rettet die Isar“ hofft, dass dies allerdings in der nächsten Periode 2022-2027 der Fall sein werde. Dann würde sich die TIWAG – so Hofer – Verbesserungen als Folge des 3. österreichischen nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans auch an der Walchen nicht verschließen.

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