VonMagnus Reitingerschließen
Wenigstens zwei große Bäume mussten erhalten bleiben, als vor drei Jahren ein grünes Villengrundstück mitten in Weilheim mit Reihenhauszeilen bebaut wurde. Darum hatte die Stadt lange gekämpft. Doch eine der Schwarzkiefern fiel bereits dem Sturm zum Opfer. Und jetzt darf auch noch die letzte gefällt werden.
Weilheim – Es ist ein Baum, über den schon in zahlreichen Sitzungen im Weilheimer Rathaus gesprochen wurde: einer der letzten beiden Bäume, die nach der dichten Bebauung eines einst üppig begrünten Grundstücks an der Ecke Geistbühelstraße/Blütenstraße mit drei Dreispännern übrig geblieben waren. Nachdem sie der Bauausschuss des Stadtrates vor drei Jahren gegen alle Geschütze des Bauträgers verteidigt hatte, wurden im Bebauungsplan nach vielen Diskussionen zumindest diese zwei Bäume als „zu erhalten“ festgesetzt: zwei hoch gewachsene Schwarzkiefern an der Blütenstraße. Eine der beiden ist inzwischen allerdings „bei einem Sturm abgebrochen“, wie Manfred Stork, Leiter der Bauverwaltung im Weilheimer Rathaus, kürzlich im Klimaausschuss des Stadtrates erklärte. Und nun wird wohl auch noch die verbliebene Schwarzkiefer gefällt.
Einzelbäume kein Thema mehr für den Klimaausschuss
Über den Fällungs-Antrag des Grundeigentümers (der den Baum laut Stork für ein Sicherheitsrisiko hält) hat der Klimaausschuss kurz vor Ausrufung des Corona-Katastrophenfalls diskutiert – aber quasi nur auf Probe. Denn dieses Gremium war nach dem vielfach unterstützten Bürgerantrag zum „Klimanotstand“ zwar rasch im Januar aus der Taufe gehoben worden. Doch entscheiden kann es (noch) nichts, weil erst der neu gewählte Stadtrat ab Mai diesen Ausschuss offiziell konstituieren wird.
In einem „Meinungsbild“ hat sich das Gremium einstimmig gegen die Fällung der Schwarzkiefer ausgesprochen. „Dieser Baum ist als ,zu erhalten’ festgesetzt und es gibt keinen Grund für eine Fällung“, sagte CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder. Manuel Neulinger (Grüne), der als Vertreter des Bürgerantrags zum „Klimanotstand“ im Ausschuss saß, betonte, die Wirkung solcher Bäume fürs Stadtklima sei „nicht zu unterschätzen“. Zwar könne er solche Anträge persönlich verstehen, so Neulinger („auch bei mir stehen ums Haus mehrere große Bäume, die im Falle des Falles aufs Haus stürzen würden“), doch dürfe man keinen Präzedenzfall schaffen.
Stadt kann Haftung eingehen
Knut Neubeck vom AK „Natur“ der Weilheimer Agenda 21 rügte die „oft falsche Planung“ bei Bauprojekten: „Das Problem ist, dass oftmals falsche Bäume herausgenommen und andere dadurch anfällig werden.“ Und SPD-Stadträtin Petra Arneth-Mangano forderte dringend, man müsse „ein paar Jahrzehnte in die Zukunft denken“: Angesichts des Klimawandels brauche es bei Wohnhäusern unbedingt schattenspendende Bäume und Grünflächen – „das mindert im Sommer die Hitze in Häusern um mehrere Grad und erspart Klimaanlagen“.
Eigentlich sollte noch im März der Bauausschuss des Stadtrates über die Fällung der Schwarzkiefer abstimmen. Doch weil dessen Sitzungen wegen der Corona-Pandemie – wie die Treffen aller Stadtratsgremien – bis auf weiteres abgesagt sind, kam es nicht dazu. Laut Bauverwaltungsleiter Stork hat Bürgermeister Markus Loth (BfW) inzwischen verfügt, dass der Baum abgeschnitten werden darf. Die Stadt, so erklärt Stork auf „Tagblatt“-Anfrage, könne das Risiko der Haftung nicht eingehen.
Im Klimaausschuss soll über „einzelne Bäume“ übrigens nicht mehr diskutiert werden, wie es in der Sitzung hieß. Dafür sei die Zeit in dem Gremium „zu schade“, befand etwa Florian Lechner. Denn bezüglich des Klimaschutzes hätten Einzelbäume eine „relativ kleine Wirkung“, so der BfW-Stadtrat: „Der Harvester holt aus dem Stadtwald 40 solcher Bäume in der Stunde raus.“
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