Interview

Ein Jahr im Amt: Moorenweiser Bürgermeister zieht erste Bilanz

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Ein Jahr im Amt: Christoph Gasteiger, Bürgermeister von Moorenweis, an seinem Schreibtisch im Rathaus.
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Christoph Gasteiger ist seit einem Jahr Bürgermeister von Moorenweis. Im Interview zieht er eine erste Bilanz – und spricht auch über Probleme.

Vor einem Jahr wurde Christoph Gasteiger mit großer Mehrheit zum Moorenweiser Bürgermeister gewählt. Über die Kommunalwahl im kommenden Monat muss er sich keine Gedanken machen – seine Amtszeit läuft bis 2032. Warum sein Alltag trotzdem alles andere als entspannt ist, schildert der 48-Jährige – der auch Kreisbrandrat ist – im Tagblatt-Interview.

Die meisten Ihrer Bürgermeisterkollegen stecken im Wahlkampf, Sie dagegen können ganz in Ruhe arbeiten. Was ist das für ein Gefühl?
(lacht) Ich will es mal so sagen: Ich verstehe die Frage nicht. Die Brandsanierung der Mehrzweckhalle hat extrem viele Kapazitäten gebunden. Dazu kommen weitere Großprojekte: die Erschließung und Vermarktung der neuen Gewerbeflächen, der Kindergartenneubau, der Bau einer Abwasserdruckleitung, diverse Straßen- und Kanalbauprojekte und die Schaffung von Bauland in Dünzelbach und Steinbach. Bei der Fülle der Aufgaben ist an ruhiges Arbeiten überhaupt nicht zu denken.
Wie war das erste Jahr im Amt?
Ich wusste ja aus der Zeit der Vertretung (seines damals erkrankten Vorgängers Joseph Schäffler, d.Red.), worauf ich mich einlasse. Früher hätte ich mir das Amt ganz sicher nicht so vorgestellt. Der durchschnittliche Arbeitstag hat zwölf Stunden, und da sind die Abendtermine noch nicht mitgerechnet. Aber es macht nach wie vor großen Spaß, und der Kontakt zu den Bürgern ist fast ausschließlich positiv.
Im Gemeinderat sprechen Sie öfter von Ärger auf den gemeindlichen Baustellen. Was sind die Probleme?
Arbeiten, ob im Hochbau oder Tiefbau, werden häufig oberflächlich ausgeführt und sind stark fehlerbehaftet, wenn man nicht täglich kontrolliert. Das bedeutet eine hohe zeitliche Belastung für die beiden Bauamt-Mitarbeiterinnen und für mich, zumal uns momentan ein Bauhofleiter fehlt. Deswegen bin ich immer sehr glücklich, wenn wir mit lokalen Firmen arbeiten können. Da bekommen wir eine ganz andere Qualität, weil diese Betriebe offensichtlich mehr Verantwortungsbewusstsein haben.
Die Mehrzweckhalle ist wiedereröffnet, doch es können noch keine Veranstaltungen mit Publikum stattfinden. Woran liegt das?
Es fehlt noch ein Notausgang für den Zuschauerbereich. Die Ausschreibung sollte seit Monaten draußen sein, aber wir werden von unserem Planer immer wieder vertröstet. Das ist sehr ärgerlich, zumal das Ende noch nicht absehbar ist. Wenn die Ausschreibung fertig ist, müssen wir die Angebote abwarten. Dann muss die Versicherung ihr Okay geben, und dann kommt es noch darauf an, wann die ausgewählte Firma Zeit hat, die Arbeiten auszuführen. Stand heute kann ich nicht sagen, wann wir wieder Publikum in die Halle lassen können.
Wie hoch ist der Anteil der Sanierungskosten, auf denen die Kommune trotz Brandversicherung sitzen bleibt?
Der finale Kassensturz ist noch nicht gemacht, aber ich gehe von einem mittleren fünfstelligen Betrag aus. Das sind Kosten für Arbeiten, die nicht unmittelbar durch den Brandschaden verursacht sind. So haben wir etwa größere Vorkehrungen zum Schutz der Halle getroffen. Dazu gehört die Einhausung von Notausgängen und Müllcontainern sowie die Installation einer Videoüberwachung.
Es hat sich ja herausgestellt, dass ein strafunmündiger Jugendlicher den Brand verursacht hatte. Gab es von Seiten der Gemeindeverwaltung Kontakt mit der betreffenden Familie?
Nein. Ich sehe nicht uns in der Rolle, auf die Familie zuzugehen, sondern ich hätte erwartet, dass die Familie auf uns zukommt. Das würde meinem Verständnis von Anstand entsprechen. Unabhängig davon müssen wir prüfen, inwieweit wir die Eltern auf zivilrechtlichem Weg für die Kosten, die an der Gemeinde hängenbleiben, in Regress nehmen können. Alles andere wäre ein katastrophales Zeichen und den Bürgern nicht zu vermitteln.
Angesichts des hohen Arbeitspensums, wann und wie finden Sie Zeit für Entspannung?
Im Winter gelingt mir das schlechter. Im Sommer fahre ich am Wochenende gerne Fahrrad – am liebsten irgendwohin, wo es etwas Süßes gibt. Außerdem verschafft mir meine Arbeit bei der Feuerwehr mentale Freiräume. Und natürlich genieße ich es, Zeit mit meiner Familie zu verbringen, wobei es mit älter werdenden Kindern schwieriger wird, alle an einen Tisch zu bekommen.

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