VonAndreas Steppanschließen
Ellbach steht aktuell ohne Dorfwirtschaft und damit ohne den Dreh- und Angelpunkt seines sozialen Lebens da: Für den „Schützenwirt“ wird ein neuer Pächter gesucht.
Ellbach – Im Tölzer Land heißt es aktuell einmal mehr: „Wirt gesucht“. Denn vor mittlerweile zwei Monaten sind im Ellbacher „Schützenhaus“ die Lichter ausgegangen. Fast genau ein Jahr nach Schließung des Gaißacher „Jägerwirts“ ist damit ein weiterer großer Saal weggebrochen. Und den Ellbachern fehlt vorläufig ein wichtiger sozialer Treffpunkt im Dorf.
Das Haus gehört der GSK Ellbach. Laut ihrem Vorsitzenden Volker Melichar hat der Wirt überraschend den Pachtvertrag gekündigt. Björn Kuschan hatte den „Schützenwirt“ im Dezember 2009 übernommen, Mitte Dezember 2018 schloss er nun zu. Zu den Gründen möchte sich der Wirt auf Anfrage des Tölzer Kurier nicht äußern. Melichar und sein Vorstandskollege, Schriftführer Thomas Schallhammer, bedauern das Ende der „guten Zusammenarbeit“.
Bleibt die Wirtschaft länger geschlossen, „wäre das ein Einschnitt für Ellbach und den Zusammenhalt im Dorf“, stellt Schallhammer fest. Ob nun für den Stammtisch, für Hochzeiten, Maimusi, Schützenball oder als Treffpunkt für Wallfahrer an Leonhardi: Der „Schützenwirt“ erfüllt eine wichtige Funktion im sozialen Leben, ist der wichtigste Treffpunkt für die örtlichen Vereine, bietet zum Beispiel dem Trachtenverein Platz zum Proben.
Als Landgasthof mit Saalbetrieb hat der „Schützenwirt“ in Ellbach Potenzial
Die Sportschützensparte der GSK Ellbach nutzt aktuell weiter den Schießstand im Keller – doch der gesellige Teil ist eingeschränkt. „Sonst ist man nach dem Schießen noch nach oben gegangen und hat bei einer Halben Bier die Leistungen diskutiert“, sagt Melichar. Er betont aber, dass der „Schützenwirt“ kein Vereinslokal sei, sondern ein „öffentlicher Landgasthof mit Saalbetrieb“.
Und als solcher habe der „Schützenwirt“ auf alle Fälle „Potenzial“, ist sich Melichar sicher. Gerade der Saal mit Platz für knapp 200 Gäste suche – zumal nach der Schließung des „Jägerwirts“ – im weiten Umkreis seinesgleichen. Im Biergarten mit schönem Blick aufs Vorkarwendel könne man Berg- und Radtouren ausklingen lassen. Im Winter ist der „Schützenwirt“ auch ein Fixpunkt für die Langläufer, unter anderem des Tölzer Skiclubs – gerade jetzt, da die Schützenhaus-Loipe um eine Skatingspur ergänzt wurde. Für den künftigen Wirt stehe übrigens auch eine 80-Quadratmeter-Wohnung im Haus zur Verfügung.
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Die GSK Ellbach hat aber noch eine weitere Motivation, das Schützenhaus bald wieder mit Leben zu füllen. Vereinsmitglieder haben das Gebäude vor rund 45 Jahren in Eigenleistung errichtet. „Da haben die Beteiligten im Schweiße ihres Angesichts wirklich was bewerkstelligt“, sagt Schallhammer. „Wir als nachfolgende Generation sehen uns in der Pflicht, das zu erhalten.“
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Ganz einfach ist das für den Verein nicht – schon in finanzieller Hinsicht. „Mit mit den Beiträgen unserer 250 Mitglieder und der Pacht allein kommen wir nicht hin“, sagt Melichar. Aktuell stünden am Gebäude an manchen Stellen Modernisierungsmaßnahmen an. In welchem Umfang genau, werde im Vorstand noch besprochen.
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Die Gunst der Stunde nutzte Melichar kürzlich zusammen mit GSK-Hauptmann Josef Sappl, als der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger zu Gast in Bad Heilbrunn war. Immerhin hätten er und Ministerpräsident Markus Söder erklärt, dass ihnen der Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur am Herzen liege, so Melichar. „Da haben wir angeklopft, ob es für uns Unterstützung von Regierungsseite gibt.“
