VonChristiane Mühlbauerschließen
„Ein heißer Sommer kommt selten allein“ heißt das Buch von Kai Zorn, das der Meteorologe im Frühjahr 2019 auf den Markt bringen wird. Einen kleinen Einblick in seine Studien gewährte der in Ellbach lebende Meteorologe nun bei einem Vortrag auf Einladung der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen.
Bad Tölz – „Es ist das Buch, das ich in meiner Kindheit immer gesucht habe“, begründete der 44-Jährige eingangs schmunzelnd, warum er nun auch unter die Autoren gegangen sei. Das Buch beschäftigt sich mit der Entwicklung von Großwetterlagen.
Zorn hat sich schon immer für Wetterextreme interessiert und hat bis weit zurück ins Mittelalter aufgelistet, wann es besonders heiße Sommer beziehungsweise kalte Winter gegeben hat. Ein Thema dabei war das Schmelzen der Gletscher. Zorn berichtete vom Zustand des Großglockners jetzt, vor 200 Jahren (mit großer Eisbedeckung) und vor 7000 Jahren, „Da war es dort nämlich grün“.
Zudem ging er die einzelnen Monate und ihre Besonderheiten durch und nahm Bezug auf Bauernregeln, zum Beispiel: „Ist der September lind, bleibt der Winter ein Kind“, sprich: Kalt wird’s dann nicht.
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Generell, so Zorn, habe es im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende immer Klimaschwankungen gegeben. Derzeit befinde sich die Welt von einem Übergang von der Warmphase in eine Kaltphase. „Die wärmsten Jahre haben wir wohl hinter uns“, sagte Zorn und berichtete über Studien von russischen Forschern, die davon ausgehen, dass es künftig wieder kälter wird. Es sei der Mensch, so Zorn, der sich mit seinem Eingriff in die Natur – etwa Bebauung von Flächen, die Flüssen als Rückzugsraum dienen – verletzbar mache.
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Die Kritik eines Zuhörers in der anschließenden Diskussion, er würde den Klimawandel verharmlosen, wies der Meteorologe zurück. „Im Gegenteil: Wir müssen etwas machen.“ Man müsse sich aber viel mehr Bereiche anschauen als nur den Kohlendioxidausstoß, eine Bedrohung für die Natur seien zum Beispiel auch die vielen Monokulturen weltweit. „Die Großkonzerne haben die Politik in der Hand“, sagte Zorn mit Blick auf den Ausbau von regenerativen Energie-Möglichkeiten. Die Menschheit müsse wieder „mehr mit der Natur leben“.
Zorn ist sich sicher, dass Skilaufen in der Region noch weiterhin möglich sein wird, und er geht davon aus, dass in den kommenden Jahren die Sommer wieder kälter werden. „Die Natur hat schon ihre Mechanismen, den Mensch in die Schranken zu weisen.“
