Kultur

Emotionales Abschlusskonzert der Tölzer Orgelfesttage

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Zum Schluss eine Dankesrede: Hansjörg Albrecht erinnerte an „zehn wundervolle, erfüllte Jahre“.

So viele Besucher wie zum Abschlusskonzert kamen in den vergangenen zehn Jahren selten zu den Tölzer Orgelfesttagen. Initiator Sepp van Hüllen bemühte sich um Sachlichkeit. Einen Hauch Bitterkeit konnte er aber nicht verbergen.

Bad TölzDer Gedanke drängte sich jedem auf, der die voll besetzte Stadtpfarrkirche zum Abschlusskonzert der Tölzer Orgelfesttage betrat. Und Initiator und Organisator Sepp van Hüllen konnte nicht umhin, ihn auszusprechen: „Ich freue mich sehr, dass so viele gekommen sind. Doch warum war das in den vergangenen Jahren nicht öfter so?“

Da klang ein wenig Bitterkeit mit, obwohl van Hüllen sich um eine sachliche Abschiedsrede bemühte. Die Enttäuschung darüber, dass die Reihe, in die er so viel Engagement und Herzblut gesteckt hat, keine Zukunft hat, war ihm gleichwohl anzumerken.

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„Wege führen manchmal auseinander, aber davor wird heute noch gefeiert“, sagte Hansjörg Albrecht zur Einführung. Van Hüllen hatte den Münchner Organisten, Dirigenten und Bach-Spezialisten als Künstlerischen Leiter gewinnen können. Passend zur Adventszeit und dem 10. Jubiläum stand festliche Barockmusik mit Pauken und Trompetenglanz auf dem Programm. Und natürlich die Orgel. Und zwar „nicht in Trauer, sondern in allergrößter Freude“.

Ein einziges großes Hörvergnügen

Damit hatte Albrecht keineswegs zu viel versprochen. Telemanns Konzert D-Dur für gleich drei Trompeten, Pauken und Orchester eröffnete fulminant: mit perfekt intonierenden Trompeten, einem ebenso virtuos aufspielenden wie subtil ausgestaltenden Münchener Bach-Orchester und dem engagiert vom Cembalo aus dirigierenden Albrecht. Diese Praxis entspricht den Gepflogenheiten der Zeit. Der Dirigent, den wir heute kennen, kam erst zur Zeit Mendelssohns auf, zuvor leitete man das Orchester vom 1. Geigenpult oder eben dem Cembalo aus. Solistisch besetzt, was ebenfalls historisch belegt ist, agierte das Ensemble quasi kammermusikalisch, mit transparentem Klang und großer Flexibilität. 

Bachs Orchestersuite Nr. 1 für 2 Oboen, Fagott, Streicher und Basso continuo folgte. Ein einziges großes Hörvergnügen mit Sätzen gravitätischer Erhabenheit bis zu weit ausschwingender, gleichwohl stets die Form wahrender, freudiger Bewegung.

Im direkten Kontrast zeigte ein weiteres Telemann-Konzert, dass dieser, obwohl zu Lebzeiten der weitaus bekanntere Musiker, doch nicht ganz die emotionale wie intellektuelle Tiefe Bachs erreicht; gleichwohl bot es wiederum prachtvolle Musik, im langsamen Satz von zarter Wehmut durchzogen, im Schlusssatz alle klanglichen Register ziehend. Dann zog sich das Orchester zurück und Albrecht eilte auf die Orgelempore.

Interpretation ließ keine Wünsche offen

Bachs Präludium und Fuge C-Dur überflutete den Kirchenraum mit majestätisch-erhabenen Klängen, gleichsam die Herzen erhebend. Solche Musik ist reinster Gottesdienst. Bachs Orchestersuite Nr. 3 D-Dur brachte darauf absolute Erfüllung. Die Interpretation ließ keine Wünsche offen; der Hörer durfte sämtliche Gefühlswelten durchleben. Großartig!

Dann griff Albrecht zum Mikrofon, um dem Weggefährten zu danken für „zehn wundervolle, erfüllte Jahre“. Er zeichnete den gemeinsam zurückgelegten Weg nach. Der sichtlich gerührte Van Hüllen bekam einen großen Blumenstrauß und langen Applaus. Darauf ließ Albrecht die Air aus der Bach-Suite nochmals erklingen. Dann ging er ab; die Musiker spielten weiter. Und das war ein schönes, tröstendes Bild: Die Musik lebt weiter, auch wenn einer abtritt. Sie ist unendlich. Und unsterblich.

Sabine Näher

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