VonChristiane Mühlbauerschließen
Für die Tölzer Orgelfesttage wird es vermutlich keine Zukunft geben. Gründer Sepp van Hüllen konnte bislang niemanden finden, der die Leitung übernehmen kann. Die bevorstehenden zwei Konzerte werden vermutlich die letzten sein.
Bad Tölz – Ausgerechnet das Festjahr zum zehnjähren Bestehen wird allem Anschein nach das letzte Veranstaltungsjahr der Tölzer Orgelfesttage sein. Es trägt den Titel „Mit Pauken und Trompeten“, und „mit Pauken und Trompeten wird es wohl zu Ende gehen“, sagt Gründer Sepp van Hüllen lakonisch. Es ist auch deshalb bitter, weil die Orgelfesttage heuer zwei Höhepunkte im Tölzer Konzertleben bieten: Zum Auftakt im April gastierte hier der Männerchor des Tölzer Knabenchors mit Hansjörg Albrecht, zum Abschluss im November holt Albrecht das renommierte Münchner Bach-Orchester nach Bad Tölz.
Lesen Sie auch: Nantesbuch: Stiftung hat sich etabliert
Weil sich Albrecht, der Künstlerische Leiter der Orgelfesttage, neuen beruflichen Verpflichtungen stellt (wir berichteten) und die Gesundheit von Sepp van Hüllen angeschlagen ist, bemühte sich das Vorstandsteam des Vereins um einen Nachfolger. In den vergangenen Wochen hat van Hüllen zwei Gespräche geführt, doch der erhoffte Erfolg blieb aus. „Ich bedauere das sehr“, sagt der Gaißacher. Mit wem er gesprochen hat, möchte van Hüllen nicht sagen, es seien aber Organisten aus der Region gewesen. Die Gründe, warum sie absagen, kann er nachvollziehen: „Die beruflichen Verpflichtungen, die schon bestehen, sind einfach zu groß.“
Lesen Sie auch: Andreas Martin Hofmeir im Interview: Für Tubisten gibt’s zwei Essen im Flieger
Zwar bieten die leitenden Vereinsvorstände jedem Interessenten an, dem neuen Leiter unter die Arme zu greifen und sämtliches Knowhow, inklusive Internetseite, zur Verfügung zu stellen. Doch van Hüllen ist auch klar, dass die Orgelfesttage inhaltlich neu aufgestellt werden müssen, um mehr Zuhörer aus der Region zu gewinnen.
Der Verein hatte in den vergangenen Jahren international renommierte Organisten aus fast allen Ländern Europas zu Gast, doch die Konzerte besuchten durchschnittlich nur rund 60 Musikliebhaber. „Das war immer sehr schade“, sagt van Hüllen. Zwar kam auch der Bayerische Rundfunk für Konzertübertragungen, doch der Kreis jener, die anspruchsvolle Orgelmusik lieben, ist im Oberland überschaubar. Zudem konnte die Reihe nur mit privaten Spendengeldern überhaupt am Leben gehalten werden.
Lesen Sie auch: Schriftsteller Christopher Kloeble berichtet über seine Zeit beim Tölzer Knabenchor: „Es wurden Grenzen überschritten“
Auch aus Kreisen des Vereins sieht sich niemand in der Lage, die Organisation zu übernehmen. Van Hüllen will den Mitgliedern in Kürze mitteilen, dass man die Suche eingestellt habe und die Vereinsauflösung in Angriff nehme. Obwohl es van Hüllen gesundheitlich wieder besser geht, möchte der 79-Jährige kein weiteres Jahr dranhängen. „Alles hat seine Zeit“, sagt der Gaißacher. Mit halber Kraft könne man diese Arbeit auch nicht machen. Er weiß, dass auch andere Veranstalter von Orgelkonzerten, etwa im benachbarten Österreich, vor Nachwuchs-Problemen stehen. „Überall, wo man hinschaut, sieht man die gleichen Probleme.“ Die seit Monaten geplanten Konzerte werden jedoch stattfinden: In zwei Wochen, am Freitag, 28. September, ist der Kölner Domorganist Winfried Bönig in der Tölzer Stadtpfarrkirche, und am Freitag, 30. November, dirigiert Hansjörg Albrecht wahrscheinlich letztmals das Münchner Bach-Orchester in der Kirche. Beide Konzerte beginnen um 19.30 Uhr. Karten gibt es bei der Tourist-Info, in der Buchhandlung Winzerer und an der Abendkasse.
