Wirtschaftsforum und Energiewende

Energiekrise und drohender Blackout: Unternehmer und Umweltschützer schmieden Allianz

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Den Ernst der Lage bewusst machen und Wege aus der Energiekrise aufzeigen. Das wollen unter anderem (v. li.) Jan Dühring (Stadtwerke Geretsried), Andreas Roß (Wirtschaftsforum Oberland), Walter Huber (Tölzer Stadtwerke), Reinhold Krämmel (Wirtschaftsforum Oberland), Marinus Krämmel (Firma Isar-Transportbeton), Kilian Willibald (Tiefbauunternehmen Willibald) und Nicolas Holdschik (Firma ecobility).
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Gas und Öl sind teuer - und die Versorgung wackelt. Das Wirtschaftsforum und die Energiewende Oberland wollen Handlungsmöglichkeiten aufzeigen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es ist eine breite Allianz, die das Wirtschaftsforum Oberland mit den Stadtwerken und der Energiewende Oberland (EWO) geschmiedet hat. Ihr Ziel: ungeschönte Aufklärung über die Energiekrise, klare Handlungsoptionen für Betriebe und Privatleute, um den Super-Gau abzuwenden - einen Blackout.

Energiekrise und drohender Blackout: Unternehmer und Umweltschützer schmieden Allianz

Mit einer Pressekonferenz am Montag gab das Bündnis den Startschuss. Reinhold Krämmel, Aufsichtsratschef des Wirtschaftsforums, forderte Realitätsbewusstsein: „Unser heutiger Wohlstand basiert auf jahrzehntelanger billiger Energie.“ Ein fragiles Gebilde, das durch den Krieg in der Ukraine und damit einhergehende Lieferengpässe und enorm gestiegene Gaspreise massiv ins Wanken geraten sei. Für den Umstieg auf sichere, heimische Energien sind laut Krämmel „durchdachte Strategien“ nötig, andernfalls drohe der „Versorgungskollaps“. Bis dahin brauche es Übergangslösungen – frei von ideologischen Tabus, wie Krämmel forderte. Er nannte Pumpspeicherwerke als Beispiel, die in der Region realisierbar wären, wie auch eine Verlängerung des Betriebs der drei verbliebenen Atomkraftwerke in Deutschland.

Stadtwerke Geretsried: „Riesige Versorgungslücke mit explodierenden Energiepreisen“ bedroht den sozialen Frieden

Jan Dühring, Vorstand der Geretsrieder Stadtwerke, sieht die „akute Gefahr einer riesigen Versorgungslücke mit explodierenden Energiepreisen“, die den sozialen Frieden und den Wohlstand bedrohe. Die Krise müsse ein Impuls sein, „die lähmende Behäbigkeit“ abzuschütteln. Das sei dringend nötig, weil der Transformationsprozess eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen werde – bis dahin „müssen schnelle Lösungen her“ und Einsparungen von allen Akteuren.

Walter Huber, Geschäftsführer der Tölzer Stadtwerke, betonte: „Strompreise mit dem Faktor fünf oder sechs können Unternehmen umbringen – dann gibt es Arbeitslosigkeit und soziale Sprengkraft.“ Man müsse immer wieder betonen, dass es wichtig ist, Geld zurückzulegen, um die lauernden Kosten abzufangen.

Blackout ist eine reale Gefahr: Experten glauben, dass zu wenige Menschen das Risiko kennen

In der Expertenrunde gibt es Zweifel, ob das ganze Ausmaß der Krise und die reale Gefahr eines Blackouts überall in der Gesellschaft bewusst ist. Das soll sich ändern: Auf der Homepage der EWO gibt es Informationen zum Umstieg. In einer Podiumsdiskussion möchte die Allianz das Thema aufgreifen. Außerdem plant die Gruppe, im Internet zu werben und – zum Beispiel mit Videos – Aufklärung zu leisten. Stefan Drexlmeier, Chef der EWO, betonte: „Im Oberland können wir den Energiebedarf zu 100 Prozent mit Erneuerbaren decken.“

Immer mehr Unternehmen würden die Chancen eines Umstiegs erkennen, merkte Nicolas Holdschik an. Seine Firma ecobility erstellt für Betriebe Pläne zur Energieeffizienz. Er verzeichnet „einen regelrechten Boom“. Was er dabei immer wieder bemerkt: „Viele haben keine Ahnung, wie viel Potenzial in ihren Unternehmen steckt.“ Schon mit schnellen, einfachen Lösungen könne eine große Menge eingespart werden, was den Geldbeutel schone und dazu beitragen könne, die Versorgung aufrechtzuerhalten.

Kilian Willibald: LED-Lampen mit Bewegungsmelder, Hackschnitzel-Anlage - Unternehmer ist „Überzeugungstäter“

Diesen Schritt ging Kilian Willibald früh: Vor Jahren baute er eine Hackschnitzelanlage in seinem Straßen- und Tiefbaubetrieb ein, stellte auf LED-Lampen um, koppelte sie an Bewegungsmelder. Damals war er in der Minderheit: Frühzeitig umgerüstet hätten nur „Enthusiasten, Visionäre und Überzeugungstäter“, sagt Willibald, der sich selbst zu letzteren zählt. Was viele gehindert habe, sei die irrige Annahme, dass sich Umweltschutz finanziell sofort für die Betriebe lohnen müsse. Spätestens jetzt zeige sich jedoch, dass die Abhängigkeit von russischem Gas zu „massiven Schwierigkeiten führen kann“. Die Problematik, mit der sich die Politik auseinandersetze, sei hausgemacht: „Wir waren nicht bereit, etwas mehr Geld in unsere Zukunft zu investieren“.

Krämmel will bei Erzeugung von heimischer Energie und Einsparung mit gutem Beispiel vorangehen

Marinus Krämmel, Geschäftsführer von Isar-Transportbeton, ist davon überzeugt, „dass Unternehmen mit gutem Beispiel vorangehen sollten“, was sowohl Einsparung als auch die Erzeugung heimischer Energie betreffe. „Kurzfristige Maßnahmen sollten von jedem Immobilieneigentümer intensiv geprüft und möglichst schnell umgesetzt werden“, so wie es sein Unternehmen getan habe, zum Beispiel durch den Einbau von Wärmepumpen.

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