VonSusanne Weißschließen
Der Antrag der Grünen im Stadtrat wurde angenommen: Die Stadt Geretsried wird ein Förderprogramm für Balkonkraftwerke aufsetzen.
Geretsried – Wer mit dem Gedanken spielt, eine Anlage für Photovoltaik (PV) für seinen Balkon anzuschaffen, kann auf eine Förderung hoffen. Der Stadtrat in Geretsried hat in seiner Sitzung am Dienstag mehrheitlich einem entsprechenden Antrag von den Grünen zugestimmt. Es soll ein Förderprogramm aufgelegt werden, das die Investition in solch ein Kleinkraftwerk zu 25 Prozent mit maximal 200 Euro bezuschusst.
Energiewende: Stadt Geretsried erarbeitet Förderprogramm für Balkonkraftwerke
„Zur dringend notwendigen Umsetzung der Energiewende stellt die Photovoltaik neben der Windenergie die wichtigste Stromerzeugungstechnik dar“, argumentierte Fraktionsvorsitzender Peter Curtius. Balkonanlagen würden auch Mietern und Bewohnern von Eigentumswohnungen die Möglichkeit geben, umweltfreundlich Strom zu erzeugen. „Sie können damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende in Geretsried leisten“, so Curtius.
Fraktionskollege Dr. Detlev Ringer erinnerte daran, dass er bereits 2019 einen Antrag auf ein Förderprogramm für PV-Anlagen auf Dächern gestellt habe – vergeblich. Nun seien die Zeiten anders. „Auch wenn es nur ein kleiner Schritt ist, sollten wir ein Angebot an die Bürger machen“, warb Ringer für den Vorstoß.
Förderung für Photovoltaik-Kleinanlagen an Balkonen in Geretsried beschlossen
Ann-Kathrin Güner (Freie Wähler) gab zu bedenken, dass Mieter und Eigentümer in Wohneigentümergemeinschaften (WEGs) nicht so leicht Geräte an ihren Balkonen montieren dürften. Auch bei Baugenossenschaften gebe es Vorgaben. „Wenn wir das machen, müssen wir proaktiv auf Genossenschaften und WEGs zugehen, damit sie sich auf den Weg machen und Beschlüsse dazu fassen“, sagte Güner. „Sonst kommen nur Eigenheimbesitzer in den Genuss der Förderung.“
Das könne man jederzeit über Spezialprogramme in den Förderrichtlinien umgehen, warf Martina Raschke (Grüne) ein. Es gilt das Prinzip: „Die Schnellsten werden die Ersten sein“, fasste Volker Reeh (Geretsrieder Liste) zusammen. „Dann ist der Fördertopf leer.“ Dennoch plädierte er dafür, dem Antrag zuzustimmen. „Alle reden über die Energiewende. Damit machen wir etwas.“
Geretsrieder Stadtrat will weitere Förderungen zugunsten der Energiewende
Auch die CSU-Fraktion konnte mit dem Vorschlag gehen. Allerdings nur ohne einen Passus, den die Grünen in ihren Antrag eingefügt hatten. Für dieses Jahr sollte eine vorhandene Haushaltsstelle in Höhe von 5000 Euro verwendet werden. Ab dem Jahr 2024 sollen die Fördermittel auf 10 000 Euro erhöht werden. Letzteres missfiel Fraktionsvorsitzendem Ewald Kailberth. „Vielleicht gibt es in zwei Jahren etwas anderes, das besser zu fördern wäre“, mahnte er. Das solle im Zuge der Haushaltsberatungen entschieden werden. Dafür setzte sich auch Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl (CSU) ein, und der Stadtrat einigte sich auf den allgemeinen Zusatz, dass Förderungen 2024 fortgesetzt werden sollen. „Ich stimme zu, wohl ist es mir nicht dabei“, bilanzierte Meinl dennoch. Schließlich seien Balkonkraftwerke in diesem Jahr schon von der Mehrwertsteuer befreit. „Wir können nicht jedes eigenverantwortliche Handeln bezuschussen, schon gar nicht durch die Kommune in einem bundesrelevanten Entscheidungsbereich“, so der Dritte Bürgermeister.
Als einziger im Gremium votierte Arthur Wolfseher (SPD) gegen den Antrag. Ein Balkonkraftwerk amortisiere sich bereits nach drei bis fünf Jahren. „Eine Förderung muss einen tiefer gehenden Sinn machen“, argumentierte Wolfseher. Er sähe es lieber, Beratungen und Informationsveranstaltungen zu fördern. „Wir brauchen eine Strategie für Energie und Wärme“, forderte der SPD-Stadtrat. Bürgermeister Michael Müller schlug vor, darüber im Arbeitskreis Klima und Verkehr zu diskutieren. Außerdem verwies er auf das bereits bestehende Beratungsangebot im Rathaus und vergangene Aktionen.
sw
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