VonChristiane Mühlbauerschließen
Zu Leonhardi werden in Bad Tölz jedes Jahr tausende Besucher erwartet. Darauf muss auch das BRK vorbereitet sein. Neben den hauptamtlichen Mitarbeitern in der Zentrale sind am Wallfahrtstag zahlreiche ehrenamtliche Sanitäter in der Stadt unterwegs, um im Notfall Verletzten schnell helfen zu können.
Bad Tölz – 30 bis 35 ehrenamtliche Helfer erklären sich jedes Jahr bereit, am Leonharditag mitzuhelfen, berichtet Andrej Fedorenko, stellvertretender Kreisbereitschaftsleiter. Die Gruppe ist ein eingespieltes Team, einige der Helfer nehmen sich dafür sogar extra einen Tag Urlaub. „Schön, dass da auch die Arbeitgeber immer Verständnis haben“, sagt Fedorenko.
Für mögliche Notfälle am Leonharditag gibt es beim BRK bewährte Pläne. Während die Wallfahrer zum Kalvarienberg ziehen, dort einen Gottesdienst feiern und anschließend wieder hinunter in die Stadt fahren, verteilen sich die Helfer auf verschiedene Standorte. Zudem sind sieben Rettungsfahrzeuge in der Innenstadt abrufbereit.
Außerdem begleiten vier Fußtrupps mit jeweils zwei bis vier ehrenamtlichen Helfern den Zug. Sie betreuen immer einen bestimmten Abschnitt des Wallfahrtszugs. Am Kalvarienberg selbst befindet sich ein beheiztes Sanitätszelt, in dem sechs bis acht Helfer plus Notarzt, alle ehrenamtlich, Dienst tun. Als zum Beispiel 2014 der Wagen mit zwölf Schalkfrauen aus Hechenberg auf der Festwiese umkippte, konnte den Verletzten vom Zelt aus schnell geholfen werden.
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Doch schwere Unfälle sind am Wallfahrtstag Gott sei Dank selten. Während Zug und Gottesdienst sind es vor allem Herz-Kreislauf-Probleme, die Besuchern zu schaffen machen. Als „klassisches Beispiel“ nennt Fedorenko ältere Menschen, die früh aufstehen, wenig frühstücken, mit dem Bus anreisen, dann in der Stadt lange stehen müssen und wenig trinken. „Da kann es schon mal passieren, dass man schlapp macht“, sagt Fedorenko.
Im vergangenen Jahr wurden die Helfer zum ersten Einsatz gerufen, noch bevor sich der Zug überhaupt in Bewegung gesetzt hatte: Eine Zuschauerin war an der Bordsteinkante unglücklich mit dem Fuß umgeknickt und hatte eine offene Fraktur. Aber auch Wallfahrtsteilnehmer selbst werden manchmal vom Pech verfolgt: Fedorenko erinnert sich an einen Mann, der vom Pferd getreten wurde. Auch hier war rasche Hilfe erforderlich.
Jede BRK-Fußgruppe trägt einen Defibrillator sowie einen knapp 20 Kilogramm schweren Rucksack bei sich. Darin enthalten sind unter anderem Sauerstoffflasche, Verbandsmaterial, Brechtüten, Infusionslösung, Blutzuckermessgerät, eine Absaugpumpe und alles, was benötigt wird, um einen intravenösen Zugang zu legen.
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Wie werden die Helfer im Notfall verständigt? Fedorenko nennt zwei Wege: „Entweder, man sieht einen Sanitäter vor Ort und gibt ihm Bescheid, oder man wählt mit dem Handy den Notruf.“ In diesem Fall wird die Rettungsleitstelle verständigt, die wiederum die Helfer vor Ort informiert. Untereinander tauscht man sich per Funk aus. Die Ehrenamtlichen sind für die Erstversorgung zuständig. Muss jemand ins Krankenhaus gebracht werden, kommt der Sanka.
Das Sicherheitskonzept an Leonhardi erfolgt in Absprache mit Stadtverwaltung, Landratsamt, Feuerwehr und Polizei. An alles muss gedacht werden, auch an den so genannten „ManV“, einen „Massenunfall an verletzten oder erkrankten Personen“. In diesem Notfall-Plan sind zum Beispiel Anfahrtsskizzen für überörtliche Einsatzmittel, Bereitstellungsräume und Hubschrauberlandeplätze festgelegt.
Aber zurück zu den ehrenamtlichen Helfern. Für sie beginnt der Leonharditag morgens um 7.30 Uhr im BRK-Haus, traditionell gibt es Weißwürste. Dann erfolgt die Lageeinweisung, anschließend beginnt der Dienst. Für die Fußtrupps besonders schön: „Bei der Bäckerei Detter bekommen sie ein Gebäck geschenkt. Darüber freuen sich die Helfer immer sehr“, sagt Fedorenko.
Der Dienst dauert bis 15 Uhr, zum Abschluss gibt es für alle im BRK-Haus noch eine Brotzeit. „Die meisten Helfer sind schon seit vielen Jahren dabei und machen den Dienst an Leonhardi besonders gerne“, sagt Fedorenko. Das liege bestimmt auch daran, dass ihre Präsenz auch von den Zuschauern so positiv aufgenommen werde. „Probleme, dass man mal angepöbelt wird, gab’s noch nie.“
Weitere Infos
Die ehrenamtlichen Sanitätshelfer an Leonhardi sind Teil der Bereitschaften. Sie begleiten zum Beispiel auch Sport- und Kulturveranstaltungen. Zudem gibt es noch Jugendrotkreuz, Wasserwacht, Bergwacht und den Bereich „Wohlfahrt- und Sozialarbeit“. Wer auch Lust hat, beim Bayerischen Roten Kreuz mitzuhelfen, kann sich an den Kreisverband wenden, Telefon 0 80 41/ 7 65 50, oder im Internet unter www.brk-toel-wor.de. Willkommen sind Helfer jeden Alters.
