Wirt weiter im Hauptrestaurant tätig

Aus nach 30 Jahren: Lokal am Marienplatz macht dicht – „Gäste sind entsetzt“

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Das Verhalten der Besucher habe sich nach Corona verändert, sagt der Betreiber der Weinwirtschaft im Ratskeller. Nach 30 Jahren kommt es zur Schließung.

München – Vor allem ältere Stammgäste schätzen die Verbindung aus Geselligkeit, moderaten Weinpreisen und zünftiger Live-Musik im Zentrum von München. Doch jetzt folgt nach 30 Jahren das Aus für die Weinwirtschaft im Ratskeller. Betreiber Peter Wieser macht mit Ablauf des Jahres 2023 Schluss.

Aus in München: Weinwirtschaft im Ratskeller schließt nach 30 Jahren

Zuletzt seien viele der fast 400 Plätze im Lokal am Marienplatz frei geblieben, berichtet der Wirt. Die Pandemie habe entscheidend dazu beigetragen, dass sich das Ausgehverhalten der älteren Kundschaft geändert habe, sagt Wieser gegenüber der Abendzeitung: „Vor Corona haben sich die Leute dort gestritten, weil kein Platz frei war, und jetzt gehen sie nicht mehr außer Haus.“ Auch den in der Gastronomie vielfach beklagten Personalmangel bekomme er zu spüren.

Peter Wieser schließt die Weinwirtschaft im Ratskeller.

Wieser hatte die Weinwirtschaft 1993 übernommen, erlebte im Januar dieses Jahres noch den 30. Geburtstag des Lokals. Der Gastronom bleibt zunächst Betreiber der Fläche, will sie künftig etwa für Bankette nutzen.

Dehoga-Geschäftsführer prognostiziert Gastro-Sterben in München

Als Wirt wirkt Wieser weiterhin im unmittelbaren angrenzenden Ratskeller-Hauptrestaurant, wo bayerische Küche serviert wird. Dorthin will er nun auch seine langjährigen Weinwirtschafts-Weggefährten eingeladen. Die Weinwirtschaft zu schließen, falle ihm nicht leicht, erklärte Wieser gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Schließlich habe er sie immer als sein „Baby“ betrachtet.

Ist die Schließung der Weinwirtschaft Vorbote des großen Münchner Gastro-Sterbens? Ein dramatisches Bild zeichnete Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Gespräch mit unserer Redaktion: „Selbst hier müssten etwa 300 Betriebe schließen. Das ist nicht übertrieben, sondern ein realistisches Szenario.“ Was Geppert derart düster prognostizieren ließ, ist die inzwischen beschlossene Rückkehr zu 19 Prozent Mehrwertsteuer in der Gastronomie.

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Rubriklistenbild: © Markus Götzfried

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