Auf dem Olchinger Volksfest können nun auch Väter ihre Kinder auf der Toilette wickeln. Dafür wurde extra ein ausklappbarer Tisch in einer der Herrenkabinen installiert. Die Stadt verfolgt damit ein klares Ziel: weniger Betrunkene, mehr Familien.
Olching – Volksfestreferent Andreas Hörl ist selbst vor kurzem wieder Vater geworden. Ab der Eröffnung am Freitag ist er jeden Tag viele Stunden auf dem Volksfest. Der Polizist hat sich dafür extra Urlaub genommen. Möglicherweise ist auch sein Töchterchen dann mit dabei. Da lag die Idee recht nahe, auf dem Festplatz die Möglichkeit anzubieten, den Nachwuchs zu wickeln. „Eine richtig guade Sache“, findet Hörl.
Für Eltern ist es oft eine Herausforderung, an öffentlichen Plätzen überhaupt eine Gelegenheit zum Windelwechseln zu finden. In Olching auf dem Volksfest gibt es jetzt im Sanitärbereich für Frauen und in dem für Männer einen.
So soll der Wickeltisch beim Volksfest Olching funktionieren
Konkret sieht das bei den Herren so aus: In einer der hinteren Kabinen der Herrentoiletten ist ein Plastiktisch befestigt, den man auf- und zuklappen kann und der recht resistent gegen Vandalismus sein soll. „Wenn natürlich jetzt ein Betrunkener auf die Idee kommt, seinen 80-Kilo-Spezl zu wickeln, geht das schon schief“, scherzt Hörl. Er nimmt die Sache mit Humor. Ihm ist klar, dass es durchwachsene Reaktionen geben könnte. Er kontert auf seine Art: „Nein, das bedeutet jetzt nicht, dass es bald auch noch ein WC für Divers geben wird.“ Mit „Divers“ sind Menschen gemeint, die sich weder männlich noch weiblich fühlen.
Wickeltisch am Volksfest Olching erstmal ein Test
Der Wickeltisch für die Herren sei erst einmal ein Test. 300 Euro hat die Stadt dafür in die Hand genommen. „Wir versuchen das jetzt und wenn er nur kaputtgemacht wird, kommt er halt wieder weg“, erklärt der Familienvater und CSU-Stadtrat. Trotzdem würde es ihn sehr freuen, wenn die Männer diese Möglichkeit annehmen. Denn zum Beispiel für alleinerziehende Papas werde der Volksfestbesuch so erst möglich gemacht.
Volksfest Olching beschreitet neuen Weg
Die Idee ist bislang ziemlich einmalig im Landkreis. „So weit ich weiß, gibt es das weder in Maisach, Mammendorf oder in Puchheim“, sagt Hörl. Aus Puchheim gibt es schon Vorab-Lorbeeren von der Volksfest-Organisatorin: „Eine gute Idee, das merken wir uns für das nächste Mal.“ In Bruck ist es bislang so gelöst: Mütter und Väter können während der Bierzelt-Gaudi das Behindertenklo zum Wickeln nutzen. Dies ist aber auch nur bei Veranstaltungen geöffnet.
Olching beschreitet also einen neuen Pfad, der ins Gesamtkonzept passt. Das Volksfest 2019 soll familienfreundlicher werden. Laut Hörl hat eine Umfrage ergeben, dass es vor allem Familien mit Kindern sind, die das meiste Geld auf dem Festgelände ausgeben. Denen will man entgegen kommen.
Karibikbar am Volksfest Olching
Statt Weißbierkarussell gibt es eine Karibikbar, an der auch Jugendliche alkoholfreie Cocktails schlürfen können. Pommes und Limo werden vergünstigt angeboten, außerdem stehen Kinderschminken, Bastelecke und kostenlose Malbücher auf dem Programm. Ganz klar: Man hat sich für die Kleinen so einiges einfallen lassen.
Auch auf dem Damen-WC wird es übrigens einen Wickeltisch geben – im festen Haus, nicht in dem zusätzlichen Container, der bei Bedarf geöffnet wird. Der soll lediglich die langen Schlangen bei den Frauen verhindern.
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Kommentare der Redaktion
Pro
Als Mutter kann ich nur sagen: geniale Idee. Das Baby wartet schließlich nicht mit dem Geschäft, bis es wieder daheim ist. Und ein provisorischer Wickeltisch ist tausendmal besser, als mal schnell im Stehen die Windel zu wechseln, den Zwerg auf den Klodeckel zu legen oder die Bierbank umzufunktionieren – was wiederum die Menschen am Nachbartisch mit Naserümpfen und Kopfschütteln quittieren. Alle rufen nach Gleichberechtigung, und die hört am Wickeltisch nicht auf. Schließlich sind auch Opas und alleinerziehende Väter am Volksfest unterwegs. Endlich kann auch die Mama mal gemütlich im Zelt sitzen bleiben, während der Papa dem Kleinen den Popo putzt. (Ingrid Zeilinger)
Kontra
Nach der Toilette fürs Dritte Geschlecht der nächste Klo-Kopfschüttler. Es widerspricht jeglicher Hygiene-Vernunft, ein noch zart besaitetes Baby inmitten des volksfestüblichen Stinker-Saustalls zwischen Pinkelrinne und Kloschüssel trocken zu legen. Diese Männerwickel-Aktion hat sich wohl im vorauseilenden Gehorsam zur trendigen Gleichmacherei entwickelt. Mann/Frau stelle sich eine Horde junger Burschen vor, die (schon ziemlich abgefüllt) mit offenem Kuhstall und voller Blase am Urinal steht. Da kommt ein junger Vater rein... Die Wenn-schon-denn-schon-Lösung wäre ein Extra-Anbau, in dem Papas und Mamas einträchtig nebeneinander ihr Windelgeschäft erledigen. (Peter Loder)