- VonTobias Lillschließen
Ein 26-Jähriger aus Geretsried muss sich vor dem Landgericht verantworten. Er hatte seine Drogensucht mit Falschgeld aus dem Darknet finanziert.
Geretsried/München – Wie ein brutaler Mafia-Schläger sieht der Angeklagte auf den ersten Blick nicht aus. In Hemd und Pullover steht der junge Mann am Freitag dem Münchner Landgericht höflich Rede und Antwort zu den gegen ihn vorgetragenen Vorwürfen. Doch die bayerische Justiz scheint den Account-Manager aus Geretsried oder zumindest dessen Umfeld offenbar für äußerst gefährlich zu halten.
Für das Strafverfahren gegen den Mann sperrt das Gericht weite Teile eines Gebäudeflügels komplett ab. Besucher müssen durch eine weitere Sicherheitsschleuse, ihre Ausweise werden kopiert. Eigentlich sind solche Sicherheitsmaßnahmen nur bei Mafia-, Extremismus- oder Rockerprozessen üblich. Warum auch in diesem Fall strengere Kontrollen gelten als etwa bei einem gleichzeitig laufenden Raubmordprozess, war zunächst nicht ganz klar. Sicher ist: Das Verfahren gegen den Geretsrieder berührt zumindest am Rande Strukturen der Organisierten Kriminalität. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Opiumsüchtigen den unerlaubten Besitz und Verkauf einer halbautomatischen Waffe sowie Drogenhandel vor. Der 26-Jährige muss sich außerdem wegen Geld- und Urkundenfälschung sowie wegen des Widerstands gegen einen Vollstreckungsbeamten samt gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten.
Der junge Mann gestand, vor Jahren über einen Mittelsmann im Darknet Drogen gekauft zu haben. Der Name der Internetseite „Crimenetwork“, auf der der Stoff gehandelt wurde, lässt erahnen, dass dort auch organisierte Banden involviert gewesen sein könnten. Sicher ist, dass sich der Geretsrieder ab 2016 auf der Nachfolgeseite „Crimenet“ selbst anmeldete. Dabei griff er auf seinen zuvor bestehenden Account zurück. „Die machen nicht mit jedem Geschäfte“, sagt der junge Mann. Er räumt ein, dort 200 falsche 50-Euro-Scheine gekauft zu haben. Mit einigen davon habe er Opium bei einem Dealer gekauft, was jedoch wegen der schlechten Qualität der Blüten zu massivem Ärger führte. Anschließend habe er die restlichen Scheine die Toilette heruntergespült. Weil sein Gehalt nicht gereicht habe, um die Drogensucht zu finanzieren, habe er auch versucht, eine Pistole samt Munition im Darknet zu verkaufen. Der Käufer der Waffe war jedoch ein verdeckter Ermittler. Bei der Festnahme in Geretsried im März 2017 trat der ehemalige Kampfsportler, wie er einräumte, einem Polizisten in den Bauch. Er habe Drogenschulden gehabt und gedacht, der Zivilbeamte sei ein Geldeintreiber. Zu einzelnen Punkten schwieg der 26-Jährige aus Angst vor Repressalien, wie er sagt: „Sie wollen wohl nicht, dass es Ihnen ergeht, wie den Leuten, die gegen Sie aussagten“, so der Richter. Der Prozess wird fortgesetzt.
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