Großereignis im Dorf

Faschingszug in Arzbach: Maschkera treiben’s bunt - vor rund 10.000 Zuschauern

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Überirdisch: Die Besatzung des „Raumschiff Entergries“ setzte farbliche Akzente und brachte dank Metallic-Look sichtlich Glanz in den Arzbacher Faschingszug.
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Riesig war der Besucherandrang beim Arzbacher Faschingszug am Sonntag. Kein Wunder – hat das Ereignis doch Seltenheitswert. Noch dazu war das Wetter ideal. Geschätzt kamen an die 10.000 Besucher. Sie wurden von den fantasievoll, gewitzt und durchaus auch mal bissig gestalteten Wägen mit vielen aktuellen Bezügen nicht enttäuscht.

Arzbach – Die Jachenauer dienten wieder mal als reiche Inspirationsquelle. Die Notversorgung des Sonnentals während des Schneechaos im Januar war eines der beliebtesten Themen beim Arzbacher Faschingzug. Mehr als eine Gruppe der Maskierten führte Klopapier mit sich, das in den Zeiten der Isolation angeblich so knapp geworden war – und die Idee, mit einer eigenen Geburtsstation auf die Folgen des Eingeschneitseins zu reagieren, durfte auch nicht fehlen. Motto: „In der Jachenau herrscht reges Treiben, der Schnee geht weg, die Kinder bleiben.“

Insgesamt war das Themenspektrum sehr breit. Äußerst einfallsreich griffen die über 40 Gruppen – davon 32 mit aufwendig gebauten Wägen – das lokale und überörtliche Geschehen auf. Da gehörte manche Zote dazu, vieles war aber auch durchaus hintergründig und bissig.

Zwar in frivolem Gewand, aber eben auch mit unverhohlener Kritik präsentierte der Grausamverein Arzbach seinen Wagen mit der Parole: „Die Sparkasse war uns zu leer, deswegen muss ein Stripclub her.“ Damit nahmen die Maschkera Bezug auf den Abbau des Geldautomaten in Arzbach. „Das ist eine Frechhheit und nicht hinnehmbar“, kommentierte einer der Teilnehmer. „Sonst haben’s a Pulver – und da werden die Leute verarscht.“ Mit dem Faschingszug hatten die Arzbacher den idealen Rahmen gefunden, nun selbiges mit den Sparkassen-Verantwortlichen zu tun.

Ein weiteres Arzbacher Thema war der Ärger des Unternehmers Kilian Willibald mit der Telekom. Seine Baufirma war zeitweise nicht erreichbar. Die Maschkera zogen zur Musik der Telekom-Warteschleife mit toten Telefonhörern durchs Dorf.

Auf einem anderen Wagen war Arzbachs neues Skigebiet dargestellt: Die „Längentalstreif“ mit der „Bürgermeister-Bauer-Kante“ – in Anspielung auf das Gefälle der Längentalstraße, an der die Gemeinde eine viel diskutierte Wohnbebauung plant und durch die übrigens auch der Faschingszug in Richtung Hauptstraße zog.

Als kleine Hommage an den Abschied von Mike Raphelt – zudem Präsident der Arzacher Maschkera – als Pächter der Dorfwirtschaft hieß es auf einem Wagen: „Dem oidn Kramerwirt zu Ehr, fahrn mia aufm Floß daher.“

Ihr Fett weg bekam die Musikkapelle Wackersberg, in der Frauen nicht zugelassen sind, mit der Darstellung der „weltweit ersten Blaskapelle, die keine Männer braucht“, wie die Dirigentin verkündete, um dem – männlichen – Reporter Bescheid zu stoßen: „Und jetzt schleich di, bei uns kimmst net rein. Aber die Goaßara haben vielleicht noch ein paar Plätze frei.“

Die angesprochene Musikkapelle Gaißach hatte ihrerseits einen der größten und aufwendigsten Wagen aufgeboten, ein Piratenschiff, auf dem sie musizierend durchs Dorf zogen. Mit dabei: Tapfere Gallier, ein in Tragegurten an einem Galgen baumelnder Troubadix und eine Horde Römer, die sich zum Gaudium der Zuschauer Schlägereien lieferten. Wie waren die Gaißacher bloß auf diese Idee gekommen? „Wir haben in unseren Reihen gut gebaute Musiker, die keine große Verkleidung brauchen, um den Obelix darzustellen“, erklärte Anführer „Gaius Bonus“. Fast drei Wochen habe die Truppe an dem Wagen gewerkelt. „Wenn ein Faschingszug nur alle zehn Jahre ist, gibt man sich schon richtig Mühe“ – und das, obwohl „Gaius“ bis vor Kurzem noch als Mitglied des Gaißacher Schnabler-Komitäs alle Hände voll zu tun hatte.

Beim Arzbacher Faschingszug wird über Ampelchaos und Over Tourism gespottet

Spektakulär wären zudem eine riesige Darstellung der geplanten Schrödelstein-Sechser-Sesselbahn am Brauneck, ein geräumiges Bassin, in dem die „Grillpool-Challenge“ karikiert wurde, oder eine Rakete, die den Ministerpräsidenten zum Mond schicken sollte.

Mit reiner Frauen-Power hatte der Arzbacher „Chor für alle Fälle“ liebevoll die Klosterkirche Reutberg nachgebaut. „Einige von uns sind eher künstlerisch begabt, wir haben aber auch eine Gartenbauerin, die geflext hat“, erzählte „Schwester Petra“, eine der Frauen in Nonnentracht, die als Gospelchor für die Klosterrettung sangen. Mit an Bord hatten sie ein eigens für den Anlass gebranntes „Klosterelixier“.

Ein weiterer kirchlicher Hingucker war die nachgebaute Tölzer Leonhardikapelle. Sehr ausgelassene „Jungfrauen“ auf dem dazugehörigen, motorisiert gezogenen Wagen und wild Weihwasser spritzende Geistliche fuhren folgende Parole spazieren: „Für d’Roß is de Lehards-Belastung z’schwar, drum fahr ma unsan gstingaden Diesel-Tank laar.“

Die Diesel-Krise war noch auf weiteren Wägen ein Thema, die teils giftig gelben Rauch ausstießen. Deutlich höher als die Feinstaubbelastung war an diesem Tag in Arzbach freilich die Konzentration von Konfetti in der Luft, das kiloweise in die Menge geschleudert wurde.

Wiederholt drehte sich die närrische Satire um das Bienen-Volksbegehren – wobei die Maschkera sich mehr um das Anliegen „Rettet das Bier“ sorgten – und natürlich die Geburtshilfe. Eine Gruppe von klappernden Störchen stolzierte vor einer höchst eigenwilligen Geburtsstation einher, in der einige unsanfter Geburten zu beobachten waren, wobei nicht wenige der Mütter Bartträgerinnen waren. Zielscheiben des Spotts waren ferner das Ampelchaos auf der Tölzer Flinthöhe und der „Over Tourism“ am Walchensee.

Bei Arzbacher Faschingszug herrscht Besucherstau bis Obergries – da wird die Kasse aufgelöst

Diese und viele weitere Attraktionen hatten großes Publikum angelockt. Die Polizei sprach von 7500 Zuschauern, anderen Schätzungen zufolge waren es an die 10 000. Der Andrang war so groß, dass sich Kreisbrandrat Alfred Schmeide an einer Stelle zum Einschreiten veranlasst sah. Der Lenggrieser war eigentlich privat – im Bienenkostüm – unterwegs. Auf dem Weg vom Bahnhof Obergries durch die Unterführung unter die B 13 und über den Isarsteg Richtung Arzbach stauten sich die Menschenmassen gegen 12.45 Uhr bis zum Bahnhof zurück. „Weil die Unterführung proppenvoll war, sind einige über die B 13 gelaufen, teils mit Kindern. Da konnte ich nicht länger zusehen“, sagt Schmeide. Der Kreisbrandrat bahnte sich einen Weg bis zum Arzbacher Ortseingang, wo das Eintrittsgeld zu entrichten war, und ordnete an, die Kasse aufzulösen.

Allgemein aber spricht Schmeide den Veranstaltern und den Feuerwehren Arzbach und Wackersberg ein großes Lob aus. Die Absicherung habe „hervorragend“ funktioniert. „Es wurde an viele Dinge gedacht, die nicht selbstverständlich sind.“

Von frivol bis hintersinnig: Der Arzbacher Faschingszug in Bildern

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