VonFelicitas Bognerschließen
Greta Thunberg versohlt Donald Trump den Hintern, eine Kuh wird vom TÜV auf Abgase geprüft und ein pink-farbener Krampus auf Pumps streichelt die Besucher mit seiner Route. Nun ja, im Fasching ist eben alles erlaubt. Erst recht, wenn es so bunt zugeht wie beim Umzug in Bichl.
Bichl – Trotz vorhergesagten Windböen und drohendem Regen ließen es sich am Sonntag die Bichler nicht nehmen, ihre Nachbargemeinden, die Tölzer und Garmischer bis hin zu Weltpolitikern narrisch aufs Korn zu nehmen. Das stürmische Wetter hatte dabei sogar einen Vorteil: Konfetti und Bonbons flogen umso weiter den Besuchern entgegen, die sich links und rechts am Straßenrand platzierten, um die Polit-Satire bei Sekt und Bratwurst zu genießen.
Pünktlich um 13.33 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung – traditionell angeführt von einer fahrenden Riesen-Sektflasche, von der die gesamte Bichler Prinzengarde – begleitet von Trommlern und einer wehender Maschkera-Fahne – dem Publikum zuwinkte.
Um 13.33 Uhr ging es los - angeführt von der Bichler Faschings-Garde
Dann folgten zwölf Themenwägen, sechs Fußgruppen, zwei Musikwägen und freilich auch die Bichler Kindergarde. Die g’scherten Themen gingen den Narren dabei – wie jedes Jahr – nicht aus.
So bekamen gleich zu Beginn die Tölzer ihr Fett weg. Grundlage waren die Beschwerden über den Krampuslauf in der Marktstraße, bei der einige Besucher sich zu hart von den Kramperl herangenommen fühlten. Die Gabel eines Bulldog hielt ein Schild: „De Doiza Krambal san zu wild, jetzt werns vom TÜV auf Bravheit gedrillt“. Auf dem Wagen wurden Szenen nachgespielt, wie ein verweichlichter Krampus nach dem nächsten durch den „TÜV“ fliegt. Der Gutachter kommentierte dabei alles mit sächsischem Dialekt. Daneben rannte ein pink-farbener, fröhlicher Krampus in Stöckelschuhen, schwang munter sein Handtäschchen und streichelte kichernd die Zuschauer – die Menge tobte.
Nationale und internationale Polit-Themen wurden auf die Schippe genommen
Auch die Nachbargemeinde Benediktbeuern musste einstecken. Dass das Kloster Parkgebühren einführen möchte, erfreute wenige. Für die Bichler Narren war’s jedoch ein gefundenes Fressen. Schwaden an Weihrauch kamen von dem als Kloster geschmückten Wagen herunter, und die „Ministranten“ hielten aufdringlich Klingelbeutel in die Menge. Kein Wunder, schließlich nannten sie den Wagen auch: „Klösterliche Parkplatzabzocke“.
Auch das Thema „Walchenseeranger“ wurde auf die Schippe genommen. Ein Wagen war voll besetzt mit Auswüchsen an Touristen, die jedes gute Benehmen zu Hause gelassen haben. So waren Szenen zu sehen, wie die von einem Pärchen, das sich öffentlich auf einer Sonnenliege vergnügt oder einem betrunkenen Mann, der demonstrativ neben dem Toilettenhäuschen sein Geschäft verrichtet. Geziert wurde der Wagen von einer Preisliste: „Preißen 25 Euro, Einheimischen 4 Euro, schene Fraun: eina geh“. Daneben tänzelte ein unbeholfener Ranger herum.
Besonders Greta und die Klimapolitik bekamen ihr Fett weg
Aber nicht nur die unmittelbaren Nachbarn boten für das Bichler Faschingstreiben jede Menge Stoff für Spott und Häme. Das internationale Polit-Parkett rund um den Klimawandel schien heuer Vater aller Bichler Satiregedanken zu sein. So blieb es nicht nur bei einem Wagen zum Thema CO2-Ausstoß, Greta und Co.: Eine Fußgruppe parodierte „Fridays for Future“ mit Plakaten, wie „Ich bin so sauer, ich hab sogar ein Schild gebastelt“. Dahinter folgte ein Flugzeug, mit der Aufschrift: „Die Kuh macht unser Klima hin, wir fliegen lieber mit Kerosin“. Das alles wurde zur Krönung noch übertönt mit dem lauten sich immer wiederholenden Schrei „How dare you?!“ („Wie könnt ihr es wagen?!“). Dieser Ausruf wurde nach einer Rede zum Aushängeschild von Greta Thunberg, und da wunderte es auch niemanden, dass – zumindest die Bichler Greta – währenddessen dem amerikanischen Präsidenten ordentlich den Hintern versohlte.
Riesen-Gaudi beim Faschingszug in Bichl






