Vize-Bürgermeisterin aufs Korn genommen

Faschingszug Olching: Rathaus-Drache stiehlt allen die Show

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Ein Drache mit dem Gesicht der Vize-Bürgermeisterin: Der MSC Olching ist für seinen Einfallsreichtum beim Gaudiwurm bekannt – heuer bildeten sie Maria Hartl (CSU) als rotes Ungetüm ab – und landeten damit wieder einmal auf dem ersten Platz.
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Der Olchinger Faschingszug gehört zu den größten der Region und auch heuer lockte er wieder 25 000 Zuschauer an. Die konnten ein ganz besonderes Spektakel begutachten: den Wagen des MSC Olching.

Olching – Wer Spaß, Gaudi und ein paar Stunden gute Laune suchte, fand dies bei Oberbayerns längstem Faschingszug. Auch der Wettergott half mit, weil es für die laut Veranstalter etwa 25 000 Zuschauer zumindest während des Zuges trocken blieb. Nach Stoff für Themen brauchten die Wagenbauer auch heuer nicht lange zu suchen: Das Rathaus lieferte, manchmal unfreiwillig, dafür allerdings jedes Jahr reichlich Stoff.

Recht deutlich landete der MSC Olching mit seinem „Rathaus-Drachen Hartl“ auf Platz eins. Der MSC ist so eine Art FC Bayern München unter den Olchinger Wagenbauern, Seriensieger der letzten Jahre und allemal für Gesprächsstoff gut. Da war zu lesen: „Oh Magg, du hast nichts zu lachen mit Olchings neuem Rathaus-Drachen.“ Magg ist damit der amtierende Bürgermeister Andreas Magg (SPD). Eine Art Wahlkampfempfehlung wurde gleich hinterhergeschickt: „Im nächsten Jahr will’s der Gigl wagen, unsern Drachen zu verjagen.“ Maximilian Gigl ist der designierte CSU-Bürgermeisterkandidat.

Gut geschützt mit Kopfhörern: Die Kinder bekommen von dem Mann mit dem Stinktierkostüm Süßigkeiten aus der Mülltonne – passend zum Containering-Wagen.

Einige Zuschauer entlang der Wegstrecke fanden Motiv und Thema selbst für Fasching zu pikant. Für die fünfköpfige Wertungsjury war dagegen das Olchinger Motto entscheidend. Außerdem halte sich der MSC seit Jahren zuverlässig an die Benimm-Regeln, hieß es.

Gewissermaßen zum Überraschungsverfolger stieg die Faschingsgilde Olching (FGO) mit ihrem Motto „Der große Schulden-Berg“ auf, der unter anderem auf ein Wohnbauprojekt an der Münchner Straße anspielte. Sprüche wie „Am Nöscherplatz gibt’s Kaffee und Kuchen, jetzt muss die Stadt nur noch ihren Geldbeutel suchen“ befand die Jury pfiffig genug für den zweiten Platz. Die Volksbühne Olching war als Fußgruppe unterwegs und spottete auf ähnliche Weise: „Beim nächsten Olchinger Stadtdebakel fragt’s liaba unser Regenwurm-Orakel.“ Die Kritik ging in Richtung Stadtratsentscheidungen zu Fernwärme, Rathaus oder Stadtumgehung. Lohn der Mühen war der erste Platz bei den Fugruppen knapp vor den Ampernixen, die sich die Zeitumstellung vorgeknöpft hatten.

Fröhlich: Bürgermeister Andreas Magg, Pfarrer Josef Steindlmüller und Vize-Landrätin Martina Drechsler.

Insgesamt trugen die 35 Wagen und neun Fußgruppen fast ausnahmslos zu einem reibungslosen Ablauf bei. „Man hat wohl verstanden, dass man sich trotz Fasching einbremsen muss“, sagte Luca Mair vom Organisationsteam. Warnungen und Mahnungen im Vorfeld hätten doch Wirkung gezeigt. So blieben Glasflaschen auf den Wagen tabu. Lediglich die Musik war an einigen Stellen grenzwertig laut beziehungsweise von wummernden Bässen geprägt.

Auch die Besucher hatten sich bei aller ausgelassenen Stimmung zurückgenommen. Gefährliche Situationen, bei denen Besucher zu nahe an die Wagen gerieten, waren weniger oft zu beobachten als noch im Vorjahr.

Entspannt: Die Feuerwehrfrauen ließen sich beim Faschingsumzug durch nichts aus der Ruhe bringen.

Trotzdem musste sich Olchings Feuerwehrkommandant Josef Gigl ärgern: Während des Aufstellens des Zuges vor 14 Uhr hatten Mitglieder eines Wagens ein Feuerwehr-Fahrzeug mit Füßen getreten. Zwar entstand nur leichter Sachschaden, doch Gigl zeigte für den Vorgang kein Verständnis. „Bei aller Gaudi, da hört der Spaß auf.“ Es blieb ungeklärt, welcher Wagen beteiligt war. Gigl merkte noch an, dass der Vorgang keine Konsequenzen gehabt habe.

Alles zum Faschingszug Olching lesen Sie hier. 

Hans Kürzl

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