Benediktbeurer Firma

Feuertaufe für neue Donnerbalken: Mobiltoiletten am Walchensee getestet

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Die neuartigen „Holz-Häuschen“ haben beim Wikingermarkt am Walchensee ihre Feuertaufe bestanden – zur Freude von (v. li.) „Urbedürfnis“-Firmengründer Nils Beck und Kamil Schweda, Bürgermeister Thomas Holz und Kochels Tourismus-Chef Daniel Weickel.
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Keine Chemie, kein Gestank, keine Fliegen: Die neuen Mobiltoiletten einer jungen Benediktbeurer Firma scheinen sich zu bewähren, wie ein Praxistest am Wochenende unter Beweis gestellt hat.

Walchensee/Benediktbeuern Den ersten Härtetest haben die neuartigen mobilen hölzernen Toilettenhäuschen am Wochenende beim Wikingermarkt am Walchensee bestanden. Da diese „Häuschen“ absolut ohne Chemie auskommen, gab es vor allem zwei spannende Fragen: „Wie ist es mit der Geruchsbildung? Werden sie Fliegen anziehen? Doch die zahlreichen Benutzer unter den rund 3500 Marktbesuchern sind durchaus zufrieden: „Die stinken tatsächlich nicht.“ Auch der Kochler Bürgermeister Thomas Holz stellte fest: „Obwohl die Toiletten bei fast 30 Grad in der Sonne stehen, gibt’s kaum Fliegen.“

„Wir suchen nach Möglichkeiten, die hygienischen Zustände am Walchensee zu verbessern. Was passt da besser als Häuschen aus heimischem Holz und ohne chemische Zusätze“, erklärte der Rathauschef. Da kamen für ihn die neuartigen Toiletten, die ihm Kamil Schweda und Nils Beck mit ihrer Benediktbeurer Firma „Urbedürfnis“ angeboten haben, gerade recht. Ökonomisch sinnvoll, ökologisch und sozial, das sind die drei Attribute, die für die neuen „Häuschen“ sprechen. Die passen laut Holz auch viel besser in die Landschaft als die bekannten mobilen Plastik-Toiletten.

Feuertaufe am Walchensee bestanden

„Die Feuertaufe am Walchensee fiel durchwegs positiv aus“, freute sich auch Schweda, der seit geraumer Zeit daran herumtüftelt, wie vor allem ohne Chemie eine Geruchsminimierung erreicht werden kann. Dazu hat er das Trocken-Trennsystem entwickelt, in das in erster Linie eine Mischung aus Urgesteins-Mehl, Dolomitkalk, Backsoda (Natronkarbonat) und Gips eingestreut wird. Dabei werden die menschlichen Ausscheidungen in einem 130-Liter Tank aufgefangen, der für rund 500 Toilettengänge reicht. Zum Vergleich: Die bekannten Dixie-Klos haben einen 250-Liter-Tank, wobei aber 80 Liter Chemie enthalten sind. Darüber hinaus kann der Tankinhalt der neuartigen „Häuschen“ in jeder Kläranlage problemlos entsorgt werden, anders als bei „Dixie“.

Bislang ist in Benediktbeuern lediglich das Büro der Firma „Urbedürfnis“. Lager, Werkstatt und Produktion befinden sich derzeit noch in der ehemaligen Lenggrieser Prinz-Heinrich-Kaserne. Dort sind auch die neuen Fichtenholz-Prototypen aus heimischen Wäldern entstanden. „Zudem haben wir ausschließlich ungiftigen Holzleim und ebenso ungiftige Lasuren verwendet“, erklärt Schweda.

Der Preis für die Klos kann derzeit noch nicht beziffert werden

Größtes Problem ist noch der Preis. Logisch, dass der weit höher liegen wird als die rund 1000 Euro, die man für ein „Dixie“ berappen muss, so die „Donnerbalken“-Tüftler. Freilich räumte Schweda ein, dass eine exakte Kostenbestimmung in der Kürze der Zeit noch gar nicht möglich gewesen sei. „Doch hier geht es in erster Linie um Nachhaltigkeit“, erklärt Bürgermeister Holz. Wären hier die Grundmaterialien und auch die Ansprechpartner nicht aus der Region, hätte sich die Gemeinde dafür gar nicht interessiert. So aber ist der Rathauschef zuversichtlich: „Wenn wir uns mit dem Preis noch einigen können, dann sind die Holz-Häuschen eine gute Möglichkeit, zur Lösung der menschlichen Bedürfnisse der vielen Gäste am Walchensee.“

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