Damit Turnhallen frei bleiben können

Bis zu 300 Asylbewerber und Kriegsgeflüchtete sollen in ehemalige Firmengebäude einziehen

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Blick aufs Gewerbegebiet Trifthof am Südrand von Weilheim: Die ehemaligen Gebäude der ins benachbarte Achalaich umgezogenen Firma Xylem (links im Bild) sollen bald als Unterkunft für Asylbewerber dienen.
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Die ehemaligen Betriebsgebäude der Firma Xylem im Weilheimer Gewerbegebiet Trifthof werden zur Flüchtlings-Unterkunft: Bis zu 300 Asylbewerber und Kriegsgeflüchtete will der Landkreis dort unterbringen. Im Bauausschuss der Stadt gab es dazu eine kontroverse Diskussion.

Weilheim – Der Landkreis steht unter Druck. Die seit 2015 geschaffenen Unterkünfte für Geflüchtete sind voll belegt (wir berichteten), und es kommen weiter zahlreiche Schutzsuchende an: Laut Landratsamt werden dem Kreis Weilheim-Schongau derzeit pro Woche 25 bis 35 Personen zugeteilt. Deshalb soll nun eine neue große Unterkunft am Stadtrand von Weilheim entstehen – im Gewerbegebiet Trifthof: Der Landkreis mietet das frühere WTW/Xylem-Domizil an der Dr.-Karl-Slevogt-Straße 6-8 an, um dort bis zu 300 Asylbewerbern und Kriegsgeflüchteten ein Obdach zu geben.

Es handelt es sich dabei um eine zusätzliche und wohl längerfristige Unterkunft. Daneben hat der Landkreis weiterhin vor, die bestehende, aber marode Containeranlage am Leprosenweg in Weilheim durch einen größeren Neubau für rund 120 Personen zu ersetzen. Diesem Projekt hat der Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates diese Woche endgültig zugestimmt und die dafür nötige Erweiterung des Bebauungsplans auf den Weg gebracht.

„Soziale Begleitung eher mangelhaft“

Gegen das neue Vorhaben im Trifthof gab es in der gleichen Sitzung indes Vorbehalte. Drei der neun Ausschussmitglieder stimmten dagegen. Luise Nowak (Grüne) sah diese Unterbringung „ausgesprochen kritisch“, weil dort „sehr viele Flüchtlinge aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturen“ zusammenleben müssten – „ohne Anbindung“. 3. Bürgermeister Alfred Honisch (Grüne) rügte, dass der Landkreis seinen Erfahrungen nach zwar froh um Unterkünfte sei, „aber die soziale Begleitung, dass keine Brennpunkte entstehen, ist eher mangelhaft“. Zudem beklagte Honisch, dass einige Kommunen im Kreis „überhaupt keine Flüchtlingsunterkünfte vorhalten“. Klaus Gast (CSU) nannte es „sehr bedenklich“, wenn sich die Unterbringung dauerhaft „in Weilheim massieren würde“. Deshalb brauche es für die neue Anlage eine zeitliche Beschränkung.

Mehrheitlich stimmte der Bauausschuss der neuen Unterkunft jedoch zu und segnete die dafür nötige Nutzungsänderung ab. „Ich glaube, glücklich sind wir alle nicht damit“, sagte BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek, „aber wir müssen Lösungen anbieten“. Das sei „eine humanitäre Aufgabe“, so Bürgermeister Markus Loth (BfW). Und am Stadtrand, so ergänzte er, sei die Unterkunft wohl „am verträglichsten“: „In der Innenstadt haben wir nichts anzubieten. Und ich glaube auch, dass der Aufschrei da noch größer wäre.“

Zusätzliches Domizil verhindert Belegung einer Turnhalle

Als „Riesenvorteil“ der zusätzlichen großen Unterkunft nannte der Rathaus-Chef, dass diese eine Belegung von Turnhallen vermeiden würde – etwa der Sporthalle der FOS/BOS in Weilheim, deren Nutzung für Asylbewerber zuletzt im Gespräch war. Nach Auskunft des Landratsamtes sollen „200 Personen und temporär weitere 100 Personen“ in den früheren Xylem-Gebäuden untergebracht werden: „Temporär deshalb, weil dies eine Turnhalle ersetzen soll und zwar für eine übergangsweise Unterbringung, bis anderweitiger Wohnraum zur Verfügung steht.“

Wann der bisherige Gewerbekomplex im Trifthof für Geflüchtete zur Verfügung steht, welche Baumaßnahmen dafür nötig sind und wie viel Geld dafür ausgegeben wird, all diese Fragen bleiben seitens des Landkreises vorerst unbeantwortet – mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen mit dem Eigentümer. Von den neuen Plänen ist auch das Corona-Testzentrum betroffen, das sich derzeit auf dem Xylem-Grundstück befindet. „Auch hier werden wir einen Lösungsansatz finden“, heißt es dazu aus der Kreis-Behörde.

Die Nutzung der genannten Gewerbegrundstücke für „soziale Zwecke“ – worunter eine Unterkunft für Asylbewerber zu rechnen ist – begrenzt die Stadt gemäß Beschluss des Bauausschusses bis Ende 2049. Man müsse „das Heft des Handelns in der Hand behalten“, hieß es in der Sitzung, keinesfalls dürfe aus der Änderung ein späteres Wohnbaurecht ableitbar sein. Für die nächsten Jahre müsse dringend der Entstehung eines „Brennpunkts“ vorgebeugt werden. „Der Staat muss auch dafür sorgen, dass die Versorgung vor Ort gewährleistet ist“, forderte Honisch. Zur geplanten Betreuung heißt es aus dem Landratsamt, diese werde durch hauptamtliche Mitarbeiter abdeckt – „und wir hoffen, dass wir ehrenamtliche Personen finden, welche die Integration unterstützen“.

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