Der Möbelgigant in Wolfratshausen

So profitierten Vereine und die Stadt von Möbel Mahler

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Werbung auf der Brust: Auch die Kicker des BCF Wolfratshausen profitierten von Möbel Mahler.

Wolfratshausen - Seit 1982 ist Möbel Mahler in Wolfratshausen. Stadt und Möbelriese profitierten gegenseitig voneinander, zeigt ein Blick in die Firmengeschichte.

Am Mittwoch ist bekannt geworden, dass das Einrichtungshaus Möbel Mahler seine Standorte in Wolfratshausen und Bopfingen schließt. In Wolfratshausen sind etwa 260 Mitarbeiter betroffen, der Gebäudekomplex des Einrichtungsgiganten im Wolfratshauser Gewerbegebiet ist riesig. Das Unternehmen Möbel Mahler hat eine lange Geschichte - und ist eng mit Wolfratshausen verbunden.


">Die Schließung von Möbel Mahler in Wolfratshausen
ist ein herber Verlust, findet unser Redakteur
">Frederik Lang in seinem Kommentar
. Die Stimmung im Möbelhaus war am Mittwoch verständlicherweise sehr angespannt,
">Mitarbeiter und Kunden waren verunsichert
.

Keimzelle von Möbel Mahler ist eine kleine Schreinerei

Keimzelle des Einrichtungsgiganten Möbel Mahler ist eine kleine Schreinerei, die Georg K. Mahler im Jahr 1900 im Nördlinger Ries gründet. Dort fertigt der Meister ab 1909 eigene Möbel. 1936 übergibt er die Werkstatt an seinen Sohn Georg junior. Der baut den Betrieb aus. In den Wirtschaftswunderjahren nach dem Krieg steigt die Nachfrage nach praktischem wie ansprechendem Mobiliar. Mahler erkennt das, gründet einen Möbelhandel.

1959 lässt er seine Schreinerei um eine Ladenfront erweitern. 1974 geht Nachfolger Gerhard Mahler den nächsten Schritt: Er errichtet in Bopfingen ein modernes Möbelhaus – bis heute die Firmenzentrale –, das er später um ein Palmencafé erweitert und so für die immer anspruchsvollere Kundschaft attraktiver macht.

1982 eröffnet Möbel Mahler in Wolfratshausen

1982 eröffnet Mahler in Wolfratshausen sein

Das Möbelhaus Mahler schließt in Wolfratshausen.

zweites Haus. Mitte der 1990er Jahre firmiert es einige Zeit unter dem Namen des Möbelfilialisten Unger. Die Immobilie bleibt jedoch in der Hand der Familie Mahler. Die übernimmt das Haus nach einigen Jahren wieder und passt es zu Beginn des neuen Jahrtausends – in der Branche kämpfen mittlerweile mehrere Riesen um Gunst und Geld der Kunden – den neuen Herausforderungen an.

2000 und 2002 erweitert Mahler die Verkaufsfläche in Bopfingen und Wolfratshausen auf jeweils rund 40 000 Quadratmeter. Und das Familienunternehmen expandiert weiter: Im Juni 2009 erschließt Mahler ein großes Einzugsgebiet in den neuen Bundesländern, indem er in Siebenlehn nahe Dresden das dritte Möbel-Erlebnisland eröffnet.

Ist die Möbel-Mahler-Filiale in Neu-Ulm der Sargnagel?

Vor gut zwei Jahren gesellt sich Filiale Nummer vier hinzu – das Haus in Neu-Ulm. Es ist das größte des Mahler-Imperiums – und offenbar einer der Sargnägel der Wolfratshauser und Bopfinger Filialen: Warum die Familie Mahler – neben Seniorchef Gerhard arbeitet mittlerweile auch Sohn Michael in der Firmenleitung – für beide Häuser keine Nachfolge-Unternehmen gefunden hat, erklärt Mahlers PR-Frau Sylvia Härtle nämlich mit einem „immer stärker werdenden Kannibalisierungseffekt durch den Standort Neu-Ulm“.

Möbel Mahler und Wolfratshausen – das ist eine weitgehend funktionierende Symbiose. Das Einrichtungshaus lockt seit seiner Eröffnung zehntausende von Menschen aus dem Münchner Ballungsraum an die Loisach, macht den Namen der Stadt publik. Münchner Taxis und S-Bahnen fahren auf ihren Türen Werbebanner des Wolfratshauser Möbelgiganten spazieren.

Selbst Fritz Schnaller, Einzelhändler und Stadtrat, räumte einmal ein: Mahler mache eine „für unsere Stadt unbezahlbare Imagewerbung“. Sportvereine profitierten ebenfalls: Mahler sponsert die Kicker des TSV und des BCF, der 1. FC Weidach erhält 2010 einen Zuschuss für seinen Trainingsplatz. Im Gegenzug kommt die Stadt dem Einrichtungshaus entgegen, wenn das mal wieder erweitern will. Meistens jedenfalls.

Es gab auch Zwistigkeiten mit Möbel Mahler in Wolfratshausen

Einige Kämpfe fechten Mahler und

Der Haupteingang von Möbel Mahler in Wolfratshausen

die Stadtoberen in Sachen Sortimentsbeschränkung aus, weil der Möbelriese im Gewerbegebiet auch Haushalts- und Kleinwaren verkauft, was den Einzelhändlern in der Stadtmitte vorbehalten bleiben sollte. Mahler wird zum „Sondergebiet“, in dem „Beleuchtungskörper, Boutique-Glaswaren und Geschenkartikel“ über den Ladentisch gehen dürfen. Zwistigkeiten kommen auf, als Mahler sonntags unerlaubterweise öffnet und weil er das Parkdeck nicht baut, das der Stadtrat schon Mitte der 2000er Jahre als Mittel gegen das nicht seltene Verkehrchaos forderte.

Als Mahler im Frühjahr 2013 einen Antrag auf Erweiterung um 25 000 auf dann 55 000 Quadratmeter stellt, lehnt der Stadtrat zunächst ab. Er fürchtet erneut die Aufweichung der Sortimentsbeschränkung und noch mehr Verkehr. Am
">9. Juli 2013 sagt das Gremium aber doch Ja zu den Plänen
, weil Mahler unter anderem den Bau des Parkdecks zusichert. Die Planungen für den Ausbau laufen – bis Anfang Oktober dieses Jahres erste Gerüchte die Runde machen, wonachch
">Branchenprimus XXXLutz das Haus in Wolfratshausen übernehmen
soll.

von Peter Borchers

Alle Infos zur
">Schließung von Möbel Mahler haben wir für Sie zusammengefasst
.

Die Reaktionen auf die Schließung von Möbel Mahler

Gerald Syska (67), Rentner aus Geretsried: "Ich habe es gerade im Radio gehört. Deshalb ist unter den Mitarbeitern so eine gedrückte Stimmung. Und für Wolfratshausen ist die Schließung ein sehr großer Verlust. Wie konnte das eigentlich passieren? Waren die Bücher denn so schlecht?"
Gerald Syska (67), Rentner aus Geretsried: "Ich habe es gerade im Radio gehört. Deshalb ist unter den Mitarbeitern so eine gedrückte Stimmung. Und für Wolfratshausen ist die Schließung ein sehr großer Verlust. Wie konnte das eigentlich passieren? Waren die Bücher denn so schlecht?" © sh
Sigrid Riedmann (71), Angestellte aus Wolfratshausen: "Möbel Mahler und Wolfratshausen gehören doch zusammen. Ich hielt es zuerst für einen schlechten Scherz, als ich davon gehört habe.. Vielleicht war der Konkurrenzkampf schuld. Niederschmetternd ist es aber in erster Linie für die Mitarbeiter."
Sigrid Riedmann (71), Angestellte aus Wolfratshausen: "Möbel Mahler und Wolfratshausen gehören doch zusammen. Ich hielt es zuerst für einen schlechten Scherz, als ich davon gehört habe.. Vielleicht war der Konkurrenzkampf schuld. Niederschmetternd ist es aber in erster Linie für die Mitarbeiter." © sh
Thomas Freiburger (49), Offsetdrucker aus Schongau: "Das ist doch der Wahnsinn. Ein Verkauf an ein anders Möbelhaus wäre auf alle Fälle die bessere Lösung gewesen – auch für die Mitarbeiter, egal ob schon länger hier oder Azubis. Vor Weihnachten so eine Hiobsbotschaft zu bekommen, ist mehr als hart."
Thomas Freiburger (49), Offsetdrucker aus Schongau: "Das ist doch der Wahnsinn. Ein Verkauf an ein anders Möbelhaus wäre auf alle Fälle die bessere Lösung gewesen – auch für die Mitarbeiter, egal ob schon länger hier oder Azubis. Vor Weihnachten so eine Hiobsbotschaft zu bekommen, ist mehr als hart." © sh
Kurt Volkmann (46), Angestellter aus Penzberg: "Das kann ich nicht glauben! Jetzt wird mir klar, warum das Penzberger Möbelhaus erweitert hat. Die haben bestimmt etwas geahnt. Ich halte die Schließung für fragwürdig. Wollte denn wirklich niemand aus der Familie das Unternehmen weiterführen? "
Kurt Volkmann (46), Angestellter aus Penzberg: "Das kann ich nicht glauben! Jetzt wird mir klar, warum das Penzberger Möbelhaus erweitert hat. Die haben bestimmt etwas geahnt. Ich halte die Schließung für fragwürdig. Wollte denn wirklich niemand aus der Familie das Unternehmen weiterführen? " © sh
Jörg Singert (51), Soldat aus Ohlstadt: "Ich bin entsetzt. Wir sind seit gut 20 Jahren Kunde hier. Ganz klar, dass ich meine ersten Möbel hier gekauft habe. Wo sollen wir denn jetzt hin? Bleiben nur München und Penzberg. Was den Kundendienst betrifft, habe ich keine Bedenken. Der wird weiter laufen."
Jörg Singert (51), Soldat aus Ohlstadt: "Ich bin entsetzt. Wir sind seit gut 20 Jahren Kunde hier. Ganz klar, dass ich meine ersten Möbel hier gekauft habe. Wo sollen wir denn jetzt hin? Bleiben nur München und Penzberg. Was den Kundendienst betrifft, habe ich keine Bedenken. Der wird weiter laufen." © sh
Marcus Herbrik (41), Angestellter aus Geretsried: "Das ist einfach nur schade. Möbel Mahler hatte einfach alles, was man zum Wohnen braucht, vom Handtuch bis zum Möbelstück. Wie soll das Gebäude denn eigentlich weiter genutzt werden? Als Indoorspielplatz mit Rollschuhbahn?"
Marcus Herbrik (41), Angestellter aus Geretsried: "Das ist einfach nur schade. Möbel Mahler hatte einfach alles, was man zum Wohnen braucht, vom Handtuch bis zum Möbelstück. Wie soll das Gebäude denn eigentlich weiter genutzt werden? Als Indoorspielplatz mit Rollschuhbahn?" © sh
klaus heilinglechner - bürgermeister wolfratshausen - No Model-Release! No Property-Release! Foto Sabine Hermsdorf
Klaus Heilinglechner, Bürgermeister in Wolfratshausen: "Wenn ich könnte, würde ich Gerhard Mahler umstimmen. Aber seine Entscheidung steht - leider. Ich habe heute früh eine halbe Stunde mit ihm telefoniert und man hat deutlich gemerkt, wie nahe ihm das geht. Für Wolfratshausen war Möbel Mahler unheimlich wertvoll. Jede Rundfunkwerbung, jede Taxiwerbung war gut für das Image der Stadt. Überrascht hat mich die Entscheidung nur insofern, als Mahler 2013 noch einen Antrag auf Erweiterung um 20000 Quadratmeter gestellt hatte und auf Wunsch des Stadtrats auch ein Parkdeck gebaut hätte. Nach den jüngsten Entwicklungen und den Gesprächen mit XXXLutz konnte man sich aber nicht mehr so sicher sein, in welche Richtung es geht." © archiv
Martin Ziegler, Hausleiter in Wolfratshausen: "Anfragen beantwortet unsere Firmenzentrale in Bopfingen. Ich kann nur so viel sagen, dass unsere Kunden zeitnah über die anstehende Schließung informiert werden. Wie genau, werden wir sehen. Das ist in Arbeit."
Martin Ziegler, Hausleiter in Wolfratshausen: "Anfragen beantwortet unsere Firmenzentrale in Bopfingen. Ich kann nur so viel sagen, dass unsere Kunden zeitnah über die anstehende Schließung informiert werden. Wie genau, werden wir sehen. Das ist in Arbeit." © archiv
Peter Fischer, ehemaliger Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen: "Ich war Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen, als Möbel Mahler sich 1996 bei uns Mitglied wurde. Es gab viele Bedenken, vor allem wegen der Auswirkungen auf die Innenstadt. Im Werbekreis hat man das pragmatisch gesehen und eine Vernunftentscheidung getroffen, nach dem Motto: Jetzt ist er da, dann nehmen wir ihn auch mit ins Boot. Die Zusammenarbeit war insgesamt gut. Ich glaube aber nicht, dass die Schließung eine große Lücke reißt. Für dieses Filetstück zwischen zwei Städten an der Autobahn wird sich jemand finden."
Peter Fischer, ehemaliger Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen: "Ich war Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen, als Möbel Mahler sich 1996 bei uns Mitglied wurde. Es gab viele Bedenken, vor allem wegen der Auswirkungen auf die Innenstadt. Im Werbekreis hat man das pragmatisch gesehen und eine Vernunftentscheidung getroffen, nach dem Motto: Jetzt ist er da, dann nehmen wir ihn auch mit ins Boot. Die Zusammenarbeit war insgesamt gut. Ich glaube aber nicht, dass die Schließung eine große Lücke reißt. Für dieses Filetstück zwischen zwei Städten an der Autobahn wird sich jemand finden." © archiv
Möbel-Mahler Firmeninhaber Gerhard Mahler: Er möchte sich diese Woche nicht mehr persönlich zu der angekündigten Schließung äußern. Laut einer Mitarbeiterin aus der Unternehmenskommunikation ist er sehr beschäftigt. Außerdem gehe ihm die Entscheidung sehr nahe.
Möbel-Mahler Firmeninhaber Gerhard Mahler: Er möchte sich diese Woche nicht mehr persönlich zu der angekündigten Schließung äußern. Laut einer Mitarbeiterin aus der Unternehmenskommunikation ist er sehr beschäftigt. Außerdem gehe ihm die Entscheidung sehr nahe. © archiv
Ingrid Schnaller, Vorsitzende Werbekreis Wolfratshausen: "Der Werbekreis verliert einen finanziell und logistisch wichtigen Partner, ein sehr zuverlässiges Mitglied. Die Stadt ist jetzt gefordert, in Richtung Wirtschaftsförderung deutlich aktiver zu werden. Schließlich gilt es, für das riesige Areal mit den großen Gebäuden möglichst bald einen Nachfolger zu finden."
Ingrid Schnaller, Vorsitzende Werbekreis Wolfratshausen: "Der Werbekreis verliert einen finanziell und logistisch wichtigen Partner, ein sehr zuverlässiges Mitglied. Die Stadt ist jetzt gefordert, in Richtung Wirtschaftsförderung deutlich aktiver zu werden. Schließlich gilt es, für das riesige Areal mit den großen Gebäuden möglichst bald einen Nachfolger zu finden." © archiv
Christian von Stülpnagel, Vorsitzender der UWW: "Wir bedauern das sehr. Wolfratshausen verliert einen seiner "Namensgeber". Gerhard Mahler hat sich die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Allerdings verwundert uns die Entscheidung auch ein bisschen, weil immer wieder von Erweiterung und dem Bau eines Parkhauses die Rede war. Man muss allerdings auch sagen, dass die Anbindung an die Innenstadt nicht so richtig geklappt hat. Vielleicht wäre die Entscheidung anders ausgefallen, wenn er ein größeres Randsortiment hätte anbieten dürfen."
Christian von Stülpnagel, Vorsitzender der UWW: "Wir bedauern das sehr. Wolfratshausen verliert einen seiner "Namensgeber". Gerhard Mahler hat sich die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Allerdings verwundert uns die Entscheidung auch ein bisschen, weil immer wieder von Erweiterung und dem Bau eines Parkhauses die Rede war. Man muss allerdings auch sagen, dass die Anbindung an die Innenstadt nicht so richtig geklappt hat. Vielleicht wäre die Entscheidung anders ausgefallen, wenn er ein größeres Randsortiment hätte anbieten dürfen." © archiv

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