Wolfratshausen - Seit 1982 ist Möbel Mahler in Wolfratshausen. Stadt und Möbelriese profitierten gegenseitig voneinander, zeigt ein Blick in die Firmengeschichte.
Am Mittwoch ist bekannt geworden, dass das Einrichtungshaus Möbel Mahler seine Standorte in Wolfratshausen und Bopfingen schließt. In Wolfratshausen sind etwa 260 Mitarbeiter betroffen, der Gebäudekomplex des Einrichtungsgiganten im Wolfratshauser Gewerbegebiet ist riesig. Das Unternehmen Möbel Mahler hat eine lange Geschichte - und ist eng mit Wolfratshausen verbunden.
Keimzelle von Möbel Mahler ist eine kleine Schreinerei
Keimzelle des Einrichtungsgiganten Möbel Mahler ist eine kleine Schreinerei, die Georg K. Mahler im Jahr 1900 im Nördlinger Ries gründet. Dort fertigt der Meister ab 1909 eigene Möbel. 1936 übergibt er die Werkstatt an seinen Sohn Georg junior. Der baut den Betrieb aus. In den Wirtschaftswunderjahren nach dem Krieg steigt die Nachfrage nach praktischem wie ansprechendem Mobiliar. Mahler erkennt das, gründet einen Möbelhandel.
1959 lässt er seine Schreinerei um eine Ladenfront erweitern. 1974 geht Nachfolger Gerhard Mahler den nächsten Schritt: Er errichtet in Bopfingen ein modernes Möbelhaus – bis heute die Firmenzentrale –, das er später um ein Palmencafé erweitert und so für die immer anspruchsvollere Kundschaft attraktiver macht.
zweites Haus. Mitte der 1990er Jahre firmiert es einige Zeit unter dem Namen des Möbelfilialisten Unger. Die Immobilie bleibt jedoch in der Hand der Familie Mahler. Die übernimmt das Haus nach einigen Jahren wieder und passt es zu Beginn des neuen Jahrtausends – in der Branche kämpfen mittlerweile mehrere Riesen um Gunst und Geld der Kunden – den neuen Herausforderungen an.
2000 und 2002 erweitert Mahler die Verkaufsfläche in Bopfingen und Wolfratshausen auf jeweils rund 40 000 Quadratmeter. Und das Familienunternehmen expandiert weiter: Im Juni 2009 erschließt Mahler ein großes Einzugsgebiet in den neuen Bundesländern, indem er in Siebenlehn nahe Dresden das dritte Möbel-Erlebnisland eröffnet.
Ist die Möbel-Mahler-Filiale in Neu-Ulm der Sargnagel?
Vor gut zwei Jahren gesellt sich Filiale Nummer vier hinzu – das Haus in Neu-Ulm. Es ist das größte des Mahler-Imperiums – und offenbar einer der Sargnägel der Wolfratshauser und Bopfinger Filialen: Warum die Familie Mahler – neben Seniorchef Gerhard arbeitet mittlerweile auch Sohn Michael in der Firmenleitung – für beide Häuser keine Nachfolge-Unternehmen gefunden hat, erklärt Mahlers PR-Frau Sylvia Härtle nämlich mit einem „immer stärker werdenden Kannibalisierungseffekt durch den Standort Neu-Ulm“.
Möbel Mahler und Wolfratshausen – das ist eine weitgehend funktionierende Symbiose. Das Einrichtungshaus lockt seit seiner Eröffnung zehntausende von Menschen aus dem Münchner Ballungsraum an die Loisach, macht den Namen der Stadt publik. Münchner Taxis und S-Bahnen fahren auf ihren Türen Werbebanner des Wolfratshauser Möbelgiganten spazieren.
Selbst Fritz Schnaller, Einzelhändler und Stadtrat, räumte einmal ein: Mahler mache eine „für unsere Stadt unbezahlbare Imagewerbung“. Sportvereine profitierten ebenfalls: Mahler sponsert die Kicker des TSV und des BCF, der 1. FC Weidach erhält 2010 einen Zuschuss für seinen Trainingsplatz. Im Gegenzug kommt die Stadt dem Einrichtungshaus entgegen, wenn das mal wieder erweitern will. Meistens jedenfalls.
Es gab auch Zwistigkeiten mit Möbel Mahler in Wolfratshausen
die Stadtoberen in Sachen Sortimentsbeschränkung aus, weil der Möbelriese im Gewerbegebiet auch Haushalts- und Kleinwaren verkauft, was den Einzelhändlern in der Stadtmitte vorbehalten bleiben sollte. Mahler wird zum „Sondergebiet“, in dem „Beleuchtungskörper, Boutique-Glaswaren und Geschenkartikel“ über den Ladentisch gehen dürfen. Zwistigkeiten kommen auf, als Mahler sonntags unerlaubterweise öffnet und weil er das Parkdeck nicht baut, das der Stadtrat schon Mitte der 2000er Jahre als Mittel gegen das nicht seltene Verkehrchaos forderte.
Als Mahler im Frühjahr 2013 einen Antrag auf Erweiterung um 25 000 auf dann 55 000 Quadratmeter stellt, lehnt der Stadtrat zunächst ab. Er fürchtet erneut die Aufweichung der Sortimentsbeschränkung und noch mehr Verkehr. Am ">9. Juli 2013 sagt das Gremium aber doch Ja zu den Plänen, weil Mahler unter anderem den Bau des Parkdecks zusichert. Die Planungen für den Ausbau laufen – bis Anfang Oktober dieses Jahres erste Gerüchte die Runde machen, wonachch ">Branchenprimus XXXLutz das Haus in Wolfratshausen übernehmen soll.