VonTamara Scheidschließen
300 Unterschriften hat die zehnjährige Fabienne für einen sogenannten Pumptrack gesammelt. Der Einsatz wird auch belohnt, kündigt der Bürgermeister an.
Fischbachau – Der Wunsch der zehnjährigen Fabienne Nadjar nach einer Attraktion für sie und die anderen Jugendlichen in der Gemeinde Fischbachau ist groß. Ihre Idee: ein Pumptrack, sozusagen eine Buckelpiste für Radfahrer. Dafür hat die Schülerin nun sogar Unterschriften gesammelt – und bei Bürgermeister Josef Lechner direkt offene Türen eingerannt. „So etwas hatte ich schon in Planung“, sagt der Rathauschef.
Inspiriert wurde Lechner durch seinen Enkel. In Raubling waren die beiden beim Fahrrad-Shoppen in einem Sportgeschäft, das eine Pumptrack-Teststrecke hat. Zur Erklärung: Ein Pumptrack ist eine Strecke mit Bodenwellen und Steilwandkurven, in der die Sportler ohne zu treten, also nur durch Hochdrücken des Körpers aus der Tiefe, im Rad Geschwindigkeit aufbauen. „Da ist dann sogar der Opa auf dem Versuchsgelände gefahren“, erzählt Lechner.
Und da kam es dem Bürgermeister freilich ganz gelegen, als er von der Unterschriftenaktion der zehnjährigen Fabienne erfahren hat. Bei einem Besuch in Füssen habe sie einen Pumptrack in einem neu eröffneten Bikepark gesehen, erzählt Mama Derya Nadjar. „Sie hat gesagt, sie würde sich so was auch für unsere Gemeinde wünschen“, sagt die Fischbachauerin. Sie riet ihrer Tochter, einen Brief an den Bürgermeister zu schreiben und Unterschriften zu sammeln.
Gesagt, getan. Zusammen mit Freunden hat sich die Zehnjährige an die Leitzach gestellt, Passanten gestoppt und für ihr Vorhaben gewonnen. 300 Unterschriften kamen zusammen. Eine Freundin von Fabienne, die ebenfalls bei der Aktion dabei war, ist wiederum Klassenkameradin vom Enkel des Bürgermeisters. Und so hieß es im Hause Lechner: „Opa, jetzt können wir wirklich einen Pumptrack bauen.“
Auf die Aktion ist mittlerweile auch Andi Wittmann aufmerksam geworden. Zur Arbeit des ehemaligen Mountainbike-Freeride-Profis und E-Mountainbike-Botschafters gehört es, Pumptracks zu konzipieren – er würde sich um die Umsetzung des Projekts in Fischbachau kümmern. „Das ist auf jeden Fall eine coole Sache, wenn es klappt“, sagt er.
Dass das Vorhaben in die Tat umgesetzt wird, daran hat Lechner so gut wie keine Zweifel. Auch den passenden Ort gebe es schon: In der Siedlung Lehenpoint gegenüber dem Fußballplatz gibt es Lechner zufolge eine Fläche, die ohnehin als Platz für Kinder vorgesehen ist. Von der rund 5300 Quadratmeter großen Fläche sollen 1000 bis 1500 Quadratmeter für die Buckelpiste abgetrennt werden. Die Bahn soll dann asphaltiert werden, damit auch mit Skateboards und Rollschuhen gefahren werden kann. Nach Absprache mit dem Bauamt geht Lechner davon aus, dass der Bau „problemlos“ umgesetzt werden könne. Auch zu möglichen Sponsoren gab es schon Kontakt.
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Nichtsdestotrotz braucht es laut dem Rathauschef noch ein bisschen Vorarbeit, ehe das Projekt angegangen werden kann. „Wenn wir das machen, muss das Hand und Fuß haben.“ Zunächst müsse geprüft werden, ob ein Bauantrag nötig ist, wie viel Fläche es braucht, und auch die Kosten müssten geklärt werden. Bis Ende Juni sollen über die Alpenmodellregion und das LEADER-Programm Fördermittel beantragt werden.
Bereits informiert hat Lechner am Montagabend den Gemeinderat. Das Gremium und die Zuhörer im Raum spendeten Fabienne, die selbst zur Sitzung gekommen war, gleich zweimal Applaus für ihr Engagement.
Lechner hat sich jedenfalls zum Ziel gesetzt, den Pumptrack noch heuer zu bauen. Für ihn ist das eine Herzensangelegenheit. „Da ist der Bürgermeister wohl der größte Kindskopf“, gibt er zu. Kein Wunder, bei sieben Enkeln.
tas
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