VonSebastian Grauvoglschließen
Den ganzen Sommer wird ein Teil eines beliebten Wanderwegs in Fischbachau gesperrt bleiben. Die Schäden allerdings werfen Rätsel auf. Die Gemeinde hat einen Verdacht.
Fischbachau – Mit jedem Hindernis weniger hatte die Leitzach ein bisschen mehr Spielraum. Und den wusste sie zu nutzen. „Der Fluss mäandert“, erklärte Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner (CSU) nun im Gemeinderat. Die Folgen sind bereits sichtbar. Weil das Wasser das Ufer zwischen der Heißenbrücke und Mühlkreit unterspült hat, ist der dort befindliche Wanderweg teilweise eingebrochen und auf einer Länge von gut einem Kilometer nicht mehr sicher begehbar. Spaziergänger müssen auf die Wiese eines Landwirts ausweichen. Weil das die Vegetation beeinträchtigt, wird der Abschnitt im Sommer gesperrt, wie Lechner angekündigt hat. „Das ist nicht schön, aber es muss sein. Sonst sind wir in der Haftung.“
Dass der Weg überhaupt Thema im Gemeinderat wurde, lag an Hans Seemüller (FWG). Der wollte wissen, wie die Schäden behoben werden können und wer die Kosten dafür trägt. Die Antwort darauf ist kompliziert, teilte Lechner mit. Grundsätzlich habe das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim dazu eine klare Meinung: „Der Fluss nimmt und der Fluss gibt“, zitierte der Bürgermeister. Heißt: Durch Wildwasser verursachte Schäden sind eine Naturerscheinung und auch als solche hinzunehmen.
Bei einem Ortstermin habe er der Behörde aber erläutert, so Lechner, dass die Leitzach nicht immer so ungebremst unterwegs war wie heute. Seines Wissens habe das Wasserwirtschaftsamt einst eine Geschiebesperre an der Gemeindegrenze zu Bayrischzell entfernt und auch das eine oder andere Wehr ausgebaut. „All das hat die Fließgeschwindigkeit des Wassers erhöht“, ist der Bürgermeister überzeugt. Die Folge seien die beobachteten Schäden an der Böschung des Flussbetts. Mit einer Reparatur rechne er erst im Oktober.
Wanderer müssen in der Zwischenzeit einen Umweg von rund einem bis eineinhalb Kilometer in Kauf nehmen. Sobald die Sperrung des Uferwegs in Kraft tritt, werde man zwei Alternativrouten ausschildern, kündigt der Bürgermeister auf Nachfrage an. Den geplanten Weitwanderweg von Fischbachau über Bayrischzell bis nach Thiersee werde die Einschränkung aber nicht betreffen. Der startet erst bei Mühlkreit und damit hinter der gesperrten Sektion.
Auch den schlechten Zustand der Heißenbrücke und der Brücke bei Trach führte Lechner – zumindest indirekt – auf das entfesselte Leitzachwasser zurück. Dieses habe die Brückenpfeiler freigespült und damit angegriffen. Wie berichtet, sollen die beiden Brücken im September saniert werden. Für die anfallenden Kosten hat der Bürgermeister mit dem Wasserwirtschaftsamt bekanntlich eine 50/50-Teilung ausgehandelt.
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Ob das auch für die Instandsetzung des Wegs gelingt (laut Lechner kommt hier entweder ein teilweiser Verbau oder ein Grunderwerb vom Landwirt in Frage), konnte der Rathauschef noch nicht sagen. Der zuständige Vertreter der Behörde habe aber versprochen, beim Ministerium nachzuhaken. Dennoch bereitete er die Gemeinderäte schon einmal darauf vor, dass auch die Gemeinde in die Tasche greifen müssen wird.
Martin Schmid (FWG) konnte das nicht nachvollziehen. Er sah die Verantwortung klar beim Wasserwirtschaftsamt. „Die haben doch das Flussbett begradigt“, sagte er. Und auch Andreas Estner (FWG) wollte wissen, ob hier nicht das Verursacherprinzip greife. Lechner verwies in dem Zusammenhang nochmals auf die freiwillige Kostenbeteiligung der Behörde an der Brückensanierung. „Damit zeigen sie auf jeden Fall Verantwortung.“
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