VonChristina Jachert-Maierschließen
Das Josefheim hat als Pfarrheim endgültig ausgedient. Der Mietvertrag ist schon seit Ende Juni gekündigt, jetzt wird entrümpelt. Am Freitag findet dort ein Flohmarkt statt. Er ist ein Abschied.
Bad Wiessee – Teller und Tassen sind noch da, Tische, ein paar Stühle, allerlei Utensilien. Wer etwas davon haben will, kommt am morgigen Freitagnachmittag zum Josefheim. Von 14.30 bis 17 Uhr lädt die Pfarrgemeinde zum Flohmarkt ein. Zu haben ist das gesamte Inventar des einstigen Pfarrheims. Dazu gibt’s Kaffee und Kuchen. „Es ist ja auch ein Abschied“, sagt Kirchenpfleger Herbert Stadler. Beim Beisammensein könne man noch einmal in Erinnerungen schwelgen.
Am Samstag heißt es dann: Alles muss raus. Was keinen Abnehmer gefunden hat, landet im Container. Für die Entrümpelung braucht die Pfarrei Helfer. Jeder, der mit anpacken kann, wird gebeten, am Samstag, 28. September, um 9 Uhr zum Josefheim zu kommen. „Wir haben auch Schränke, die raus müssen“, berichtet Stadler. Von dem Inventar etwas aufzubewahren, mache keinen Sinn. „Das passt am Ende sowieso nicht“, meint Stadler. Und die Pfarrei müsste es sehr lange lagern. Denn noch immer ist nicht abzusehen, wann die Wiesseer Katholiken endlich ihr Pfarrheim bekommen.
Pfarrheim Bad Wiessee: Zweimal sind Pläne geplatzt
Zweimal sind Pläne schon geplatzt. Aktuell ist die Integration eines Pfarrheims in die Kirche St. Anton im Gespräch. Wie berichtet, soll das rechte Seitenschiff des Gotteshauses erweitert und zum Pfarrheim umgebaut werden. Noch ist allerdings nicht klar, ob diese Idee realisierbar ist. Stadler hofft, dass eine für den heutigen Donnerstag angesetzte Sitzung des Vergabeausschusses im Erzbischöflichen Ordinariat mehr Klarheit bringen wird. In der Pfarrei selbst neige sich inzwischen die Mehrheit dem Gedanken zu, das Pfarrheim in St. Anton zu integrieren, meint Stadler.
Es gilt, eine Enttäuschung zu verwinden. Denn eigentlich sollte das neue Pfarrheim längst stehen. 2015 wurde ein Neubau anstelle des alten Pfarrhauses neben der Kirche Maria Himmelfahrt diskutiert, was am Denkmalschutz scheiterte. Als die Kirche 2016 ein 3000 Quadratmeter großes Grundstück an der Dr.Scheid-Straße für ein Pfarrheim erwerben konnte, schien die ideale Lösung gefunden. Doch die von der Pfarrei eingereichten Pläne wies das Erzbischöfliche Ordinariat zurück. Das Wunsch-Pfarrheim der Wiesseer sei zu groß und mit Kosten in Höhe von drei Millionen Euro zu teuer. Die Empfehlung, kleiner zu bauen, sorgte in Bad Wiessee für Kopfschütteln. Die Pfarrei wünscht sich einen Saal, in dem 100 Menschen Platz finden.
Umbau von Kirche St.Anton für neues Pfarrheim Bad Wiessee
Der könnte mit dem Umbau von St. Anton entstehen. Zugleich würde die Umnutzung eines Seitenschiffs auch die Nutzung als Kirche auf Dauer sichern. Denn eigentlich braucht Bad Wiessee mit seinen 2200 Katholiken keine zwei Gotteshäuser. „St. Anton wurde damals nur als Sommerkirche gebaut, wenn die Gäste da sind“, erinnert sich Stadler.
In St. Anton hat die Pfarrei inzwischen einen über der Sakristei gelegenen Konferenzraum. Um ihn für Treffen nutzen zu können, wurde ein zweiter Fluchtweg geschaffen. „Da haben maximal 20 Leute Platz“, sagt Stadler.
Die Entscheidung, das Josefheim als Pfarrheim aufzugeben, hat die Pfarrei selbst getroffen. Seit Jahren schon wollen die Dominikanerinnen zur hl. Maria Magdalena in Speyer als Eigentümerinnen das ehemalige Wohnhaus verkaufen. Das erweist sich als schwierig, weshalb die Schwesternschaft den ursprünglich Ende 2015 gekündigten Pachtvertrag immer wieder für ein halbes Jahr verlängerte. Es sei Zeit gewesen, einen Schlussstrich zu ziehen, meint Stadler. Für größere Veranstaltungen ist das Josefheim nicht geeignet, für kleine Treffs gibt’s jetzt den Raum in St. Anton. Zuletzt fanden im Josefheim nur mehr die montäglichen Proben des Kirchenchors statt. Somit lohnte die Pacht nicht mehr. Die ganze Hoffnung ruht nun auf den Neubauplänen, wie Stadler durchblicken lässt: „Ich hoffe, dass wir einen vernünftigen Saal kriegen.“
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