VonAnton Rennerschließen
Wird Kindern von Flüchtlingen verwehrt, was für deutsche Kinder selbstverständlich ist? Ja, sagt Franz Leutner, Sprecher der Flüchtlingshilfe Dorfen. Denn in der Flüchtlingsunterkunft Lindum gibt es keinen Spielplatz mehr.
Dorfen – Die Spielgeräte wurden Leutner zufolge im Herbst vergangenen Jahres aufgrund einer angeblichen TÜV-Überprüfung abmontiert und bisher nicht wieder aufgebaut.
Was für Leutner unfassbar ist: Nicht einmal einen Sandkasten für die Kleinsten gibt es. „Das Spiel unserer Kinder an frischer Luft, das Schaufeln, Formen und Backen im Sandkasten ist für alle Eltern und Pädagogen selbstverständlich. Unbestritten ist der Wert der Sandkästen und Spielplätze für die geistige, psychische und motorische Entwicklung unsere Kinder“, sagt Leutner. Aus diesem Grund seien in den deutschen Bauverordnungen Spielplätze auch vorgeschrieben. „Das sind gute, sinnvolle Verordnungen. Aber leider halten sich selbst die Regierungsbehörden nicht immer daran und speziell dann nicht, wenn es um Kinder der Geflüchteten geht“, klagt der Dorfener an.
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Für die in Lindum untergebrachten fast 30 Kinder sind Spielplätze unerreichbar. Denn diese sind in Dorfen und damit gut vier Kilometer von der Unterkunft in Lindum entfernt. Nicht nur Leutner fragt sich: „Warum wurden die Sicherheitsmängel nicht einfach behoben und warum wurde nicht wenigstens ein Sandkasten für die Kleinkinder aufgestellt?“
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Die Frage der Flüchtlingshilfe nach der Zuständigkeit für einen Kinderspielplatz gleicht einem Dialog mit Buchbinder-Wandinger. Die Regierung von Oberbayern verweist auf das Landratsamt und den Immobilienbesitzer – von dort wird wieder zurück auf die Regierung verwiesen, da diese die Unterkunft betreibt. Eine erneute Nachfrage an die Regierung blieb laut Leutner unbeantwortet. Der sieht das jetzt bitterböse und sarkastisch: „Sicher, Regierungsmittel sind Steuergelder und die Beamten sind zum sorgfältigem und sparsamen Umgang verpflichtet. Insofern handelt es um eine vorbildliche Mitteleinsparung im Sinne einer Politik, die Flüchtlingen gegenüber im rauer, ablehnender und verletzender wird.“ Doch wenn es an Menschlichkeit hapere, helfe manchmal eine Überlegung im eigenen Interesse, so Leutner: „Viele dieser Kinder, die unter den diskriminierenden Bedingungen in den Unterkünften aufwachsen, werden noch lange bei uns leben. Ausgrenzung und Benachteiligung sind explosiver sozialer Konfliktstoff. Auch diese, von der Politik verursachten Probleme werden künftig unsere eigenen Kinder ausbaden müssen.“
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