Bahnausbau Mühldorf-Freilassing

Diskussion um Lärmschutzwände in Freilassing: „Braucht's die überhaupt?“

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Bereits vor der Veranstaltung ließ sich Bürgermeister Markus Hiebl Details der verschiedenen Lärmschutz-Varianten von der DB-Vertreterin erklären.
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Die Aufregung beim Bau der ersten Lärmschutzwände 2017 zwischen dem Bahnhof und der Saalach-Bahnbrücke im Rahmen des dritten Gleises nach Salzburg war groß, im Nachhinein: „zu hoch“, „zu grün“, „zu klobig“. Jetzt kommen wieder Lärmschutzwände beim Ausbau der Strecke Mühldorf-Freilassing, doch das Interesse, jetzt mitzureden und mitzuentscheiden, war am Mittwochabend mehr als bescheiden.

Freilassing – Die anwesenden Besucher des Info-Abends zu Lärmschutzwänden an der Strecke Mühldorf-Freilassing waren sich nicht einig, ob es überhaupt Lärmschutzwände braucht, modernes Zugmaterials „ist so leise, da hört man fast nichts“. Vertreter der Deutschen Bahn verwiesen auf die Rechtslage, wonach Anwohner vor Lärm zu schützen sind. 

Die Pläne für den Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing – ABS38 – schreiten voran, im Herbst oder im Frühjahr nächsten Jahres wird die Stadt beim Planfeststellungsverfahren beteiligt sein. „Freilassing hat schon Erfahrung mit den bis zu sechs Meter hohen, grell-grünen Lärmschutzwänden, die sieht man sogar vom Staufen aus“, so Bürgermeister Markus Hiebl einleitend. Er sei froh, dass sich die Deutsche Bahn jetzt mehr Gedanken mache und die Stadt in die Entscheidung miteinbeziehe. 

Mögliches Motiv für die Lärmschutzwände auf der Strecke Mühldorf-Freilassing.

„So sieht Freilassing hinter der Wand aus“

Laura Del Guercio, bei der DB-Infra zuständig für die technische Planung und Jonathan Lanz von einer Designfirma, die sich mit der Gestaltung von Lärmschutzwänden beschäftigt, stellten die verschiedenen Formen von Lärmschutzwänden vor. „Die Frage des Schallschutzes ist im Grunde eine sehr technische Angelegenheit, der Gesetzgeber schreibt vor, dass Anwohner nur mit einem bestimmten Ausmaß von Lärm belastet werden dürften“, so die DB-Vertreterin.

Da der Ausbau der Bahnstrecke technisch gesehen einem Neubau entspricht – wenn auch auf der vorhandenen Strecke – spielen nun auch der Lärmschutz und damit Lärmschutzwände eine Rolle. Alle am Abend vorgestellten Wände, ob Beton, Aluminium oder Plexiglas, sind auf speziellen Teststrecken erprobt und vom Eisenbahn-Bundesamt zugelassen. „Alles, war wir ihnen heute vorstellen wird von der Deutschen Bahn finanziert, also die Stadt Freilassing muss nichts zuzahlen“. Markus Hiebl setzte ein breites Grinsen auf, wann bekommt eine Stadt schon etwas, ohne dafür bezahlen zu müssen. 

Der Designer stellte den Besuchern die verschiedenen Möglichkeiten der Gestaltung vor, vom einfachen grau oder grün bis hin zu transparenten Teilen, also Wände aus Plexiglas, oder eben beklebt mit Bildern oder dem Logo der Stadt Freilassing. Am Beispiel der geplanten Haltestelle Freilassing-Nord (Sägewerkstraße) präsentierten die Vertreter der Bahn und der Designfirma, wie eine Lärmschutzwand auf der Innenseite gestaltet werden kann, „zum Beispiel mit einem Bild: ‚So sieht Freilassing hinter der Wand aus‘“, möglich sind aber auch Bergmotive oder Pflanzen. Die geplante Wand an der Rupertusstraße könnte zum Beispiel eine Werbefläche für die Lokwelt in unmittelbarer Nähe werden. 

Wohin mit der historischen E-Lok?

Der letzte Betriebsleiter in Freilassing und späterer Mitbegründer der Lokwelt, Walter Schramm, war trotz seines hochbetagten Alters gekommen, um für „seine“ E-Lok zu kämpfen, gemeint ist eine E-Lok mit dem Baujahr 1933, die speziell für die Steilstrecke Bad Reichenhall-Berchtesgaden umgebaut wurde und seit 1998 an der Rupertusstraße ausgestellt ist. Sie könnte hinter der Lärmschutzwand verschwinden, befürchtet Schramm. „Wir wären sehr enttäuscht, wenn die Lok nicht mehr gesehen wird“. In der Lokwelt hat sie übrigens keinen Platz gefunden, da dort eine ähnliche Lok ausgestellt ist. Eindringlich bat er die Verantwortlichen, die Wand hinter die Lok zu bauen, „denn sonst wären unsere Anstrengungen zum Erhalt der Lok umsonst gewesen“. Auch der Bürgermeister will, dass die Lok gut sichtbar bleibt, ob die Lärmschutzwand tatsächlich hinter der Lok, also in Richtung Bahnhof, gebaut werden kann, muss die DB entscheiden, ein Ortswechsel zum Beispiel an den Salzburger Platz ist ebenfalls noch möglich. 

Wie hoch werden die Wände?

Viele praktische Fragen beschäftigen die Besucher, meist Anwohner der Bahnstrecke, zum Beispiel „Wie hoch werden die Wände?“ Die DB-Vertreterin wollte sich dabei auf keine Zahl festlegen, „die erforderliche Höhe errechnet ein Schallschutzgutachter mithilfe von Messpunkten am Haus“. Fakt sei nur, dass die Wand so nah wie möglich am Gleis stehen müsse, um möglichst viel Schall abzufangen. Tatsächlich können die Wände bis zu sechs Meter hoch werden, wie zum Beispiel zwischen dem Bahnhof und der Saalach-Bahnbrücke. 

„Mehr Lärm von oben als von den Zügen“

Ein Besucher stellte die Notwendigkeit von Lärmschutzwänden generell infrage, das Bahnmaterial sei viel leiser geworden, wenn er am Bahnhof stehe, würde er die Züge kaum hören. „Wir in Freilassing haben sicherlich mehr Lärm von oben als von den Zügen“, gemeint war natürlich der Fluglärm. Auch im Norden des Bahnhofs – Rupertusstraße – sei es sehr leise, „brauchen wir da überhaupt eine Lärmschutzwand?“. Zum ersten Mal war dann auch von einem „Verschandeln“ von Freilassing die Rede. Die DB-Vertreterin entgegnete, dass mit der ausgebauten, dann durchgehend zweigleisigen Strecke auch mehr Bahnverkehr stattfinden würde, „und wir sind verpflichtet, die Richtlinien zum Lärmschutz einzuhalten“. Sie rechnet damit, dass Mitte nächsten Jahres die Genehmigungsplanung vorliegt und dann feststeht, wo welche Lärmschutzwände gebraucht werden. 

„Wände werden Stadt zerschneiden“

Das Wort „verschandeln“ wollte Hiebl nicht in den Mund nehmen, aber auch er räumte ein, dass die neuen Lärmschutzwände die Stadt „zerschneiden werden, es wir im wahrsten Sinne des Wortes ein einschneidendes Erlebnis“. Fakt sei aber, dass die Stadt sich nicht dagegen wehren, aber die Wände „erträglich“ machen könne.

Doch einzelne Besucher blieben hartnäckig, „auf der Fahrt nach München sind auch kaum Lärmschutzwände zu sehen, warum dann bei uns in Freilassing?“. Die Vertreterin der Deutschen Bahn wiederholte, dass die Generalsanierung der Strecke rechtlich wie ein Neubau ist und dann alle Lärmschutzgesetze einzuhalten sind, anders als bei Bestandstrecken. Auf der ausgebauten Strecke würden die Züge dann statt bisher 120 km/h bis zu 160 km/h fahren können. Der Baubeginn könnte 2029 sein, „in welchem der drei Abschnitte wir beginnen werden, steht noch nicht fest. Ein Besucher meinte daraufhin trocken: „Dann fangens in Garching an, weil dann ist bis Freilassing das Geld längst ausgegangen“.

Am Ende der Präsentation konnten die wenigen Besucher auf den ausgelegten Bildern entscheiden, welche Farbe und welche Motive ihnen am meisten gefallen. Dabei zeigte sich eindeutig, dass Wände bevorzugt werden, die mit Motiven beklebt sind. Dieser Wunsch der Besucher wird auch bei der endgültigen Entscheidung des Stadtrates noch in diesem Monat eine Rolle spielen. (hud)

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