- VonMax-Joseph Kronenbitterschließen
Grausames Schauspiel an einem Olchinger Spielplatz: Ein freilaufender Hund hat einen jungen Rehbock gehetzt und ihn dann mit einem gezielten Biss getötet. Der Jäger hat einen schlimmen Verdacht.
Olching – Zwischen Gänseblümchen und Löwenzahn lag der einjährige Rehbock mit überstrecktem Kopf, als ihn Ludwig Haderecker fand. Der Jäger war entsetzt. Inmitten des blutverschmierten Felles unterhalb des Kopfes klaffte eine dunkelrote Wunde. Eine eindeutige Spur, was geschehen war.
„Es ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass das Tier von einem Hund zu Tode gebissen wurde“, berichtet Haderecker dem Tagblatt noch am selben Tag. Von dem Hund oder gar dem Halter gab es aber weit und breit keine Spur.
Hund reißt Rehbock in Olching: Zaun am Spielplatz wird zur Todesfalle
Die Nachricht über das verendete Tier hatte Ludwig Hadereckers Vater Rudolf als einer der drei Jäger der Gemeinschaftsjagd Olching am vergangenen Donnerstag vom Landratsamt erhalten. Er schickte seinen Sohn – ebenfalls Jäger – los. Der Rehbock lag in einem Eck des eingezäunten Spielplatzes westlich der Sommerstraße. Dieser ist wegen der Corona-Pandemie gerade gesperrt. Ein Hinweis auf das junge Alter des Tieres gibt das Gehörn, das die so genannte Bastphase fast abgeschlossen hatte, es war also fast vollständig ausgebildet.
„Spuren am Zaun deuten darauf hin, dass sich der Bock darunter durchgezwängt hat und er auf der zur Zeit verwaisten Spielplatzwiese äsen wollte“, vermutet Haderecker. Das wurde dem Tier allerdings zum Verhängnis.
Dort dürfte ihn nämlich ein Hund gesichtet und anschließend gehetzt haben. Durch den Zaun hatte der Bock aber keine Chance, zu fliehen. Zum Darüberspringen ist die Absperrung nämlich auch zu hoch. Das Tier war gefangen.
Hund reißt Rehbock in Olching: Das spricht für einen Wiederholungstäter
Was den Hund angeht, hat Haderecker auch einen schlimmen Verdacht: „Ich bin mir sicher, dass der Hund ein Wiederholungstäter ist. Denn der hat ganz gezielt mit einem Kehlbiss den Drosselknopf zugedrückt, bis das Tier erstickt ist.“ Hunde, die zum ersten Mal ein Stück Wild hetzen, würden irgendwo in die Keule beißen oder ein Stück Fleisch rausreißen. Dieser Rehbock war bis auf den Biss am Hals unverletzt.
Wann sich die blutigen Szenen ereignet haben, darauf will sich Haderecker lieber nicht festlegen. Gefunden wurde der Rehbock am Donnerstag. Einen halben Tag sei er da mindestens schon gelegen, es können aber auch zwei gewesen sein. Zum Verzehr war dieser nicht mehr geeignet. Sein Kadaver landete in der Tierkörperbeseitigungsanlage.
Es ist kein Einzelfall. Mindestens einmal in der Woche könne Haderecker in seinem Revier beobachten, wie ein Hund Wild hetzt. Zwei bis drei gerissene und verendete Rehe findet er pro Jahr. Die Anzahl der nicht entdeckten sei sicher deutlich höher.
Hund reißt Rehbock in Olching: Ständiger Appell an Hundebesitzer
Immer wieder appellieren Jäger an Hundebesitzer, ihre Lieblinge anzuleinen – gerne auch mit langer Feldleine – und die Wege nicht zu verlassen. „Es geht uns nicht nur um den Schutz von jagbarem Wild, sondern auch um viele Bodenbrüter
wie Kiebitz und Feldlerchen, die gerade in der jetzigen Brut- und Setzzeit nicht gestört werden dürfen“, erklärt Haderecker. Der Olchinger sieht sich nicht nur als Hüter des Wildes, sondern auch als Artenschützer. Nach einem gerissenen Reh in Maisach sei dies heuer der zweite, bekanntgewordene Fall.
„Das geht einfach nicht und ist sehr ärgerlich“, sagt Gerhard von Hößlin, Vorsitzender der Brucker Jäger im Bayerischen Jagdverband. „Es gibt viele vernünftige Leute, aber ein paar wenige sehen das leider nicht ein.“ Problematisch sei vor allem, weil derzeit hochläufige, kräftige Hunde sehr angesagt sind. Und die können ein flüchtendes Wild leicht einholen.
Hund reißt Rehbock in Olching: Jäger erstattet Anzeige
Ludwig Haderecker hat Anzeige bei der Polizei gestellt. Sachdienliche Hinweise und Beobachtung gehen an den Jagdverband per E-Mail an bjv-ffb@t-online. Diese werden an die Polizei weitergeleitet.
In Olching musste bereits ein Hund (von einem anderen Jäger)erschossen werden. Was der Jäger damals sagte.
