VonManuel Eserschließen
Sie haben Masken getragen, aber kein Blatt vor den Mund genommen: Naturschützer haben in Freising gegen eine Abwrackprämie demonstriert. Der Initiator fand drastische Worte.
Freising – Es war die erste öffentliche Demonstration in Freising seit dem Corona-Lockdown Mitte März: Am Montag protestierten zwölf Umweltschützer gegen eine mögliche Abwrackprämie. Die wird derzeit von der Politik im Rahmen eines geplanten Konjunkturprogramms für die Autowirtschaft diskutiert. „Bei der Abwrackprämie geht es ja nicht darum, Fahrzeuge zu verschrotten, sondern Kaufanreize für neue Autos zu schaffen, sodass global am Ende noch mehr Benzinfresser unterwegs sind als jetzt“, erklärt Ernst Hörmann, Gründer der Initiative „Klimagerechtigkeit“. Wenn jetzt im Zuge der Corona-Krise viel Geld in die Wirtschaft gepumpt werde, müsse das Geld im Sinne der kommenden Generationen investiert werden. „Denn ansonsten zahlen die Kinder – überspitzt formuliert – ihren eigenen Henker.“
„Corona hat gezeigt, was wir zu leisten imstande sind“
Hörmann zeigte sich beeindruckt, welche gesellschaftlichen Kräfte in der Pandemie entfacht wurden. „Corona hat gezeigt, was wir zu leisten imstande sind.“ Diese Energie müsse jetzt auch genutzt werden, um das noch größere Problem des Klimawandels zu lösen. „Was hingegen nicht passieren darf, ist, dass vermeintliche Lösungen für die Corona-Krise zu noch größeren Problemen bei der Klimakrise führen.“
Auch Clara Wrusch, Sprecherin der Ortsgruppe Fridays for Future, betonte: „Die Klimakrise darf wegen der Coronakrise nicht hintangestellt werden.“ Mit der Anmeldung der ersten Demo in Freising seit Beginn der Pandemie gab es keine Probleme, berichtet Hörmann. „Wir haben unsere Aktion gleich am Montagmorgen um 9 Uhr angemeldet und hatten am Mittag die Genehmigung.“ Da fand die Demo auch bereits vor dem Sparkassen-Gebäude an der Unteren Hauptstraße statt. Bei gerade einmal zwölf Teilnehmern fiel es den nicht schwer, Abstand zu halten. Zudem trugen die Umweltschützer Mundschutz. Hörmann betont: „Wir wissen selbst, wie wir uns verantwortlich verhalten müssen.“
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