VonAndreas Beschornerschließen
Über 18 Jahre lang war Andreas Lübke Chorleiter und Organist der Evangelischen Kirchengemeinde Oberallershausen. Nun wurde er entlassen – „aus heiterem Himmel“. Jetzt schaltet sich Dekan Christian Weigl ein.
Allershausen – Seit über 18 Jahren ist Andreas Lübke aus Erding Chorleiter und Organist in der Evangelischen Kirchengemeinde Oberallershausen. 18 Jahre lang war er also für Harmonie, Wohlklang und den guten Ton zuständig. Doch jetzt wurde ihm gekündigt. „Aus heiterem Himmel“ und ohne Angabe von Gründen. Ein Ende voller Dissonanzen.Und eine überraschende Zugabe.
Er war als Dirigent am Gärtnerplatztheater tätig, arbeitete mit den Hamburger Symphonikern. In Allershausen jedoch hat Lübke wirklich etwas aufgebaut: Als er vor über 18 Jahren begann, habe es einen kleinen Kirchenchor gegeben, „der gerade mal ein paar vierstimmige Choräle aus dem Gesangbuch hinbekam“, erzählt er. Jetzt, 18 Jahre später, darf der Konzertchor sogar einmal im Jahr mit dem Bayerischen Rundfunkorchester musizieren, und es gibt einen über die Dekanatsgrenzen hinaus bekannten Gospelchor. Selbstbewusst spricht Lübke deshalb von „meinen Chören“. Doch jetzt ist Schluss damit: Am 30. April erhielt Lübke per E-Mail die Kündigung seines Honorarvertrags zum 31. Mai. Begründung? Fehlanzeige.
Das Ende begann mit der Corona-Krise
Begonnen habe das alles mit der Corona-Krise, schildert Lübke. Pfarrerin Karin Volke-Klink habe ihm mitgeteilt, dass Chorproben nicht mehr erlaubt seien. Lübke: „Das war Gesetzeslage“, das sei selbstverständlich gewesen. Dass ihm damit die finanzielle Grundlage entzogen werde, war bekannt.
Doch erst auf seine Nachfrage hin habe es zögerliche Angebote gegeben: Er könne ein Orgelkonzert aufnehmen, das zu Ostern auf der Homepage erscheine, er könne die einzelnen Stimmen des Gospelchors aufnehmen, dann zu einem Chor vereinen, er könne einen Festvertrag unterzeichnen – auch wenn ihn der finanziell schlechter stelle als der Honorarvertrag. Schweren Herzens, so Lübke, habe er die Angebote angenommen. Einem Chormitglied gegenüber habe er dann aber in einem privaten Brief die Enttäuschung über die Behandlung seiner Person geschildert, seinen Ärger „deutlich mitgeteilt“, so Lübke.
„Dummerweise“ und wohl ohne böse Absicht habe die Sängerin, die zugleich Mitglied des Kirchenvorstands sei, den Brief an Pfarrerin Volke-Klink weitergeleitet. Die Pfarrerin war „not amused“, schildert Lübke. Und noch etwas ist Volke-Klink sauer aufgestoßen: Lübke hat, so berichtet er, regelmäßig Briefe an die Chormitglieder geschrieben, darin auch immer wieder seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass die Proben bald wieder aufgenommen werden könnten. „Ungeschickterweise“, so Lübke, habe er dabei auch einmal den 11. Mai als angepeiltes Datum erwähnt. Daraufhin habe ihm die Pfarrerin in einer E-Mail „unterstellt“, er fordere die Chöre zu etwas auf, „ohne vorher den Kirchenvorstand davon zu informieren“. Dann habe er einen letzten Brief geschrieben, in dem er den Sängern erklärt habe, dass und warum keine Briefe mehr von ihm kämen.
Auf den ihm eigentlich versprochenen Festvertrag hat Lübke vergebens gewartet. Am 30. April hat er bei der zuständigen Stelle in Landshut noch einmal nachgefragt. Und am Abend desselben Tages erhielt Lübke die Kündigung – ohne Angabe von Gründen. Auch mehrmalige Nachfragen hätten keine Aufklärung ergeben. Lübkes Fazit: Ohne ihn anzuhören, ohne Gründe zu nennen, habe man ihm „den Boden unter den Füßen weggezogen“.
Gründe für die Entlassung will Pfarrerin Volke-Klink auch auf FT-Nachfrage nicht nennen: Bei der Auflösung eines Honorarvertrags für freie Mitarbeiter sei es „unüblich“, Gründe anzuführen. Grundsätzlich seien Personalangelegenheiten vertraulich, weshalb sie zu der Causa Lübke eigentlich nichts sagen dürfe. Nur so viel: Zwei Projekte habe man ihm angeboten – das Orgelkonzert und die Stimmaufnahmen mit dem Gospelchor –, um den Verdienstausfall zu kompensieren. Dass das mit dem Festvertrag nicht geklappt habe, sei auf „verschiedene Gründe“ zurückzuführen, so die Pfarrerin.
Außerdem betont Volke-Klink, dass Lübke bereits im Dezember den Vertrag über die Leitung des Gospelchores zum 31. März selbst gekündigt habe. Stimmt, sagt Lübke. Gekündigt habe er, weil es mit einigen Chormitgliedern Differenzen gegeben habe. In den folgenden Wochen seien die Proben aber hervorragend gewesen, eine Umfrage unter den Sängern des Gospelchors habe ergeben, dass sich rund 90 Prozent wünschten, er solle weitermachen. Daraufhin, so Lübke, habe er seine Kündigung zurückgenommen, was Volke-Klink sehr gefreut habe. Das war einmal.
Die Existenz des Musikers ist bedroht
Jetzt flatterte Lübke die Kündigung ins Haus. Selbst wenn es Verfehlungen von seiner Seite gegeben habe: Hätte man nicht bis nach der Krise warten können, um ihm den nahtlosen Übergang zu einer anderen Stelle zu ermöglichen?, fragt er. Denn momentan habe er keine Chance auf eine Anstellung. „Meine Existenz ist bedroht, weil ein sich christlich nennender Verein unchristlich handelt.“ Vielleicht doch nicht ganz unchristlich? Gestern, einen Tag nach dem Anruf des FT bei Lübke und Volke-Klink, die Andeutung einer Wende: Lübke erhielt von Dekan Christian Weigl eine E-Mail, in der ihm angekündigt wurde, die Kirchengemeinde werde Mitte der Woche mit einem „Angebot“ auf ihn zukommen, er möge bis dahin keine weiteren Schritte veranlassen. Übrigens: Die Abschlussrechnung für das Orgelkonzert und die Stimmaufnahmen des Gospelchors, die er jetzt gestellt habe, habe Volke-Klink nicht akzeptiert, berichtete Lübke. Seine Forderungen seien zu hoch.
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