Zum dritten Mal in fünf Jahren

Heiliggeistgasse wieder überflutet, Betroffener fordert mehr Schutz für Häuser

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Zum dritten Mal binnen fünf Jahren reichte das Kanalsystem in der Heiliggeistgasse nicht aus, um Anwohner vor nassen Wohnungen zu schützen.
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Wieder nasse Wohnungen: Zum dritten Mal in fünf Jahren wurden die Bewohner der Heiliggeistgasse in Freising Opfer von Starkregen. Die Reaktion der Stadt ist für sie unbefriedigend.

Freising – Die erste Flut ereignete sich 2014, bevor die Gasse im Rahmen der Innenstadtsanierung erneuert wurde. „Schon damals hatten wir vollgelaufene Keller und Erdgeschoßwohnungen“, berichtet Michael Pohla, der dort wohnt. „Von den Verantwortlichen der Stadt wurde das als einmaliges ,Jahrhundertereignis’ bagatellisiert.“ Hinweise der Betroffenen, bei der Sanierung die Kapazitäten des Kanals zu erweitern, um künftige Überschwemmungen zu vermeiden, seien im Rathaus nicht berücksichtigt worden.

„Das zweite ,Jahrhundertereignis’ fand dann 2017 statt“, berichtet Pohla. Der Kanal war bereits erweitert. Trotzdem trat nach kurzem Starkregen das Wasser aus dem Kanal und flutete die Straße. „Interventionen von unserer Seite an die Stadt, Abhilfe zu schaffen, zogen sich zäh.“

Video: Heiliggeistgasse in Freising wieder überflutet

Starkregen: Stadt setzt Maßnahmen um - die fruchten nicht

Immerhin: Michael Schulze, Koordinator der Innenstadtsanierung, besuchte die Anwohner acht Wochen später. Im Februar 2018 kündigte er Verbesserungen an, wie in einem Schreiben an Pohla hervorgeht: eine verbesserte Ausstattung des Pumpwerks an der Knabenschule und die Ertüchtigung des Regennotauslasses für die Gasse.

Wie Rathaussprecherin Christl Steinhart dem FT bestätigt, ist beides umgesetzt worden. „Im Pumpwerk im Bereich Christopher-Paudiß-Platz sind noch leistungsstärkere Pumpen eingebaut“, erläutert sie. „Der Überlauf in die Moosach, also die Ertüchtigung des Regennotauslasses, ist ebenfalls erfolgt.“

Stadt Freising spricht von „Extremwitterung“

Umso schlimmer, findet Pohla, dass es am 21. Juni 2019 wieder zu einem Hochwasser-Vorfall kam. Wieder überflutete Kanäle, erneut nasse Wohnungen. „Schön, dass die Maßnahmen umgesetzt wurden. Das bestätigt mich in meiner Kritik“, betont Pohla. „Aber die Vorsorge ist nicht ausreichend.“

Für Steinhart ist der Fall klar: Dass auch dieses Update der Extremwitterung nicht habe gewachsen sein können, zeige ein Blick auf die Niederschlagsmessungen: 36,2 Millimeter binnen 20 Minuten – „ein Starkregenereignis, mit dem in dieser Intensität alle 100 Jahre zu rechnen ist“, betonte Steinhart. Auf derartige Witterungsereignisse sei die Straßenentwässerung nicht ausgelegt. Im Stadtzentrum liege der Schutz meist in der Größenordnung von zwei- bis fünfjährlichen Hochwassern.

Betroffene vermissen Mitgefühl der Stadt - und Lösungen

„Dass diese Niederschlagsmengen in Freising gut abgeleitet werden, zeigen die Regenereignisse am Tag zuvor und danach. In beiden Fällen lag der Niederschlag im Bereich von zwei- bis fünfjährlichen Ereignissen“, berichtet Steinhart. „Da hier keine Schäden auftraten, ist die Funktionsfähigkeit der Straßenentwässerung nach unserem Ermessen in der Innenstadt nachgewiesen, dem Bevölkerungsschutz im Rahmen der aktuellen technischen Möglichkeiten also Rechnung getragen.“

Pohla indes vermisst von der Stadt Empathie für die Betroffenen – „und Vorschläge, wie man uns zukünftig schützen möchte. Es entsteht der Eindruck, die Stadt habe alles getan, und nun müssen wir mit dieser Situation leben.“ Damit zufriedengeben wird er sich nicht. Die technischen Richtlinien müssten dem Klimawandel angepasst werden. „Ob 100-jährliches oder zweijährliches Ereignis ist uns egal – wir möchten kein Wasser in den Häusern.“

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