Immer mehr Menschen wollen ihren Plastikmüll reduzieren. In Metzgereien steigen viele von Plastiktüte auf Tupperdose um. Das ist jedoch nicht so einfach – aus mehreren Gründen.
Landkreis – Die Vermeidung von Plastikmüll wird zu einem immer größeren Thema. Auch in Metzgereien ist der Trend angekommen, zunehmend mehr Menschen verzichten auf die Plastiktüte und nehmen stattdessen eine Tupperdose mit. Wie gehen die Metzger im Landkreis Freising damit um?
„Können Sie mir die Wurst in die Tupperdose packen?“ Diese Frage bekommen Metzger immer häufiger zu hören. Auch viele Freisinger wollen umweltbewusster leben, ein Verzicht auf Kunststoff und Plastik ist hier einer der Hauptaspekte. Doch aufgrund der strengen Hygienevorschriften ist es für Metzgereien meist nicht ohne Weiteres möglich, diesem Kundenwunsch nachzugehen. Einige haben aber Lösungen für das Problem gefunden.
Thomas Märkl, Inhaber der Metzgerei Pförrer in Lerchenfeld, ist im Zwiespalt. „Wir haben in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg der Kunden verzeichnen können, die auf die Plastiktüte verzichten. Diesen Trend begrüße ich. Einerseits möchten wir den Kunden die Möglichkeit geben, die Ware so zu verpacken, wie sie es wünschen“, sagt Märkl. Er betont allerdings auch: „Andererseits haben wir die strikte Anweisung, die Wurst einwandfrei verpackt zu verkaufen. Zudem darf der Kunde nichts über die Theke zu uns reichen.“ Die Tupperdose dort abzustellen, sodass die Wurst hineingelegt werden kann, sei ein guter Mittelweg.
Ganz anders sieht das Augustin Keller, Inhaber der Metzgerei Keller in Langenbach. Zwar hat auch er Kunden, die mit Tupperdose einkaufen, jedoch rät er stark davon ab, die Wurst auf diese Weise zu lagern. Fleisch- und Wurstwaren müssen „atmen“, daher greift man in der Metzgerei Keller zu der altbekannten atmungsaktiven Verpackung. Was der Inhaber jedoch sehr begrüßt, ist das Mitbringen der eigenen Tasche, die als Ersatz für die Plastiktüte dient.
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Während des Umbaus seiner Metzgerei beschäftigte sich Augustin Keller bereits mit recycelbaren Materialien, wie beispielsweise Tüten aus Zuckerrohr anstelle von Plastik. Diese haben den Ruf, kompostierfähig und somit umweltfreundlich zu sein. „Das hört sich im ersten Moment natürlich schön an, allerdings weiß ich nicht, ob das Ganze so sinnvoll ist. Woher weiß ich, dass das Zuckerrohr nicht von Kinderhand angebaut ist, und wie helfe ich der Umwelt damit, wenn der Rohstoff vorher erst um die halbe Welt schippert?“, gibt Keller zu Bedenken. „Daher halte ich es für sinnvoller, wie bisher Plastiktüten anzubieten.“
Klaus Häuslmeir von der gleichnamigen Metzgerei in Kirchdorf sieht keine Alternative zu den herkömmlichen Plastiktüten. „Fleisch und Papier? Das geht nicht, sonst ist der Fleischsaft ja überall.“ Er betont: „Hochwertige Produkte sollen anständig verpackt sein.“ Immer wieder kämen zwar Kunden mit einer eigenen Dose. „Aber die darf ja nicht hinter die Theke. Die Hygiene-Auflagen sind viel zu streng. Das Ganze ist nicht praktikabel“, betont der Metzgermeister.
Was ihn besonders ärgert: „Die großen Supermarktketten sind plötzlich alle super, wenn es an der Kasse nur noch Papiertüten gibt. Die ganzen Plastikverpackungen und die Transportwege von tausenden Kilometern sind dann egal. Dabei sollte man dort viel eher ansetzen.“
Lena Stumpe
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