VonMagdalena Höcherlschließen
Die Mücken sind los: In einigen Gemeinden gehen die kleinen Plagegeister den Bürgern extrem auf die Nerven. Wie schlimm ist es wirklich? Ein Experte vom Bund Naturschutz klärt auf.
Landkreis – Die Mücken sind los: In einigen Gemeinden gehen die kleinen Plagegeister den Bürgern extrem auf die Nerven. Vielerorts ist an laue Sommerabende im Freien nicht zu denken. Entlang der Amper, etwa in Langenbach, Haag und Zolling, tummeln sich besonders viele Mücken. Von einer Plage könne man jedoch nicht sprechen, sagt Manfred Drobny, Geschäftsführer der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe in Freising. „Es ist alles im normalen Bereich.“
Mehr Mücken als 2018
Im FT-Gespräch sagt Drobny zwar, dass es heuer mehr Mücken gebe als im vergangenen Jahr. Gleichzeitig kämen in Deutschland zwar zwischen 50 und 100 Arten vor. „Davon sind aber nur etwa zwei Dutzend Stechmücken.“ Diese entwickeln sich in verschiedenen Gewässern wie Pfützen, Teiche und Seen. Das Aufkommen der Insekten sei jedoch lokal unterschiedlich und schwanke von Jahr zu Jahr.
Heuer scheint das Ampertal sehr beliebt. Der Grund leuchtet ein: „Das ist ein Tieflandflusssystem mit Überschwemmungsbecken“, erklärt Drobny. Diese seien aufgrund der mitunter extrem starken Regenfälle in den vergangenen Wochen und der nun folgenden Hitze ideale Brutstätten für die Tierchen. Trotzdem sei das teilweise erhöhte Aufkommen „kein außerordentliches Phänomen“. „Es ist nicht dramatisch“, betont der Experte. Und: Die subjektive Wahrnehmung könne oft eine andere sein.
Stiche weitestgehend harmlos
Um so wenig wie möglich belästigt zu werden, empfiehlt Drobny langärmelige Kleidung. „Und nicht schwitzen“, meint er mit einem Augenzwinkern. Denn Mücken würden sich vorrangig über Geruch und Wärme orientieren. Wer gestochen wurde, sollte die Stelle schnell kühlen. Die Stiche der „normalen Stechmücken“ seien jedoch weitestgehend harmlos. Problematischer seien eher die der sogenannten Kriebelmücken, die auch Rinder oder Pferde attackiert und deren Biss sehr schmerzhaft ist. „Die gibt es aber nicht jedes Jahr“, sagt Drobny.
In gewisser Weise sei das Mücken-Problem vom Menschen gemacht, weil er viele Nährstoffe in Boden und Gewässer einleitet. „Je nährstoffreicher das Wasser, desto wohler fühlen sich die Mücken.“ Bekämpft würden die Tiere häufig mit dem Wirkstoff Bti (Bacillus thuringiensis israelensis), einem Eiweißkristall, der tödlich wirkt. „Das ist ein ganz massiver Eingriff in unser Ökosystem“, sagt Drobny. „Vor allem, weil er nicht spezifisch nur für die Mücken wirkt, sondern auch andere Wasser- und Bodentiere angreift.“
Wichtige Rolle im Ökosystem
Denn was man nicht vergessen dürfe – Stichwort Insektensterben: „Die Menge an Mücken in Gewässern und in der Luft spielt eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem“, betont Drobny. Viele Gemeinden hätten sich daher gegen eine Bekämpfung der Tiere entschieden.
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Sein Tipp für Mücken-Geplagte: Orte zu meiden, an denen sich derzeit viele der Insekten tummeln. Wenn es nicht anders geht: „Die handelsüblichen chemischen Mittel funktionieren schon sehr gut.“ Hausmittel wie Zitrone oder Lavendel haben nach Drobnys Erfahrung eher eine begrenzte Wirkung.
Apothekensprecherin Ingrid Kaiser stellt fest, dass Mückenstiche zunehmend aggressiver würden. „Das größte Problem ist, dass die Vorsorge oft nicht ernst genommen wird.“ Dabei seien Hausmittel allerdings weniger hilfreich. „Ich persönlich schwöre auf Antibrumm“, sagt Kaiser. Da es verschiedene – unter anderem kindgerechte – Mittel gebe, sei die individuelle Beratung ausschlaggebend. Wer doch gestochen wurde, sollte den Stich beobachten und nicht kratzen. „Sonst kann es zu Infektionen kommen.“ Kühlen helfe außerdem. Der Tipp der Apothekensprecherin: Kühlpacks nicht im Gefrierfach, sondern im Kühlschrank lagern, um sich vor Erfrierungen zu schützen. Wenn Stiche extrem jucken, könne man über Antihistaminika nachdenken. „Ansonsten hilft das altbewährte Fenistil, das am besten im Kühlschrank aufbewahrt wird.“
Tipps bei Stichen: Auf diese Mittel schwören Facebook-User
Während BN-Geschäftsführer Manfred Drobny und Apothekensprecherin Ingrid Kaiser chemische Mückenabwehr bevorzugen, befürworten viele User Hausmittel – hier eine Auswahl:
- Ricarda S: „Im Schlafzimmer hilft eine halbe Zitrone mit Nelken gespickt.“ .
- Während Marcel P. Kokosfett nutzt, schwört Andrea S. auf Lavendelöl. .
- Michael G. stellt eine Schüssel mit Essig ins Zimmer. und Sandra L. platziert eine Schale mit Zitronensaft neben dem Bett.
- Melanie L. hat einen Tipp für Hobbygärtner: „Tomatenpflanzen ans Fenster stellen.“
- Eri K. empfiehlt Räucherspiralen. „Bonus: Riecht wie Urlaub...“
- Wen es trotzdem erwischt hat, dem empfiehlt Jutta B. Bite away: Der Stichheiler konzentriert Hitze auf der Haut und soll so Juckreiz verhindern.
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