VonManuel Eserschließen
Sanitäter des BRK sind bei einem medizinischen Einsatz von einem Patienten attackiert worden. Der Leiter des Rettungsdienstes macht dafür indirekt auch Corona verantwortlich.
Freising – Er kannte weder Freund noch Feind. Ein 36-Jähriger ist im Rahmen eines medizinischen Einsatzes ausgerastet. Der Mann, der im Norden von Freising lebt, attackierte zunächst Sanitäter, die ihm zu Hilfe geeilt waren. Und auch vor den hinzugerufenen Polizeibeamten machte der deutlich alkoholisierte Mann nicht Halt. Auch dem 31-jährigen Bruder des Patienten mussten die Einsatzkräfte Herr werden.
Der Vorfall ereignete sich am späten Montagabend kurz nach 22 Uhr. Von der Integrierten Leitstelle alarmiert hatte sich eine Besatzung des BRK-Rettungsdienstes auf dem Weg zu dem 36-Jährigen gemacht. Zunächst war der Mann noch friedlich und ließ sich in Anwesenheit seines Bruders (31) behandeln. Doch plötzlich schlug er mit dem Fuß nach einem der Sanitäter. Die BRK-Kräfte verließen umgehend die Wohnung und alarmierten die Polizei.
Nicht nur der Patient muss gefesselt werden
Als die Streifenbeamten die Wohnung betraten, lag der Mann am Boden. „Sein Gesundheitszustand war völlig unklar“, berichtet Polizeihauptkommissar Dieter Lerchl. Als die Beamten den Mann angesprochen hätten, habe der auch nach ihnen geschlagen und einen von ihnen am Oberschenkel getroffen. „Mit vereinten Kräften wurde der Mann letztendlich überwältigt, gefesselt und ins Klinikum Freising zur medizinischen Behandlung gebracht.“
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Wie Lerchl weiter schildert, wurde mit zunehmender Dauer auch der Bruder des 36-Jährigen immer ungehaltener und aggressiver. Als die Polizisten ihm daraufhin einen Platzverweis aussprachen, griff auch er sie an. „Er wurde ebenfalls gefesselt, um weitere Angriffe zu unterbinden.“
Rettungsdienst-Leiter macht auch Corona verantwortlich
Insgesamt waren mehrere Streifen der PI Freising am Einsatzort, um die Lage zu beruhigen. Beim 36-Jährigen wurde ein Alkoholwert von 2,4 Promille festgestellt. Verletzt wurde bei dem Vorfall nach bisherigem Kenntnisstand niemand. Die beiden Männer, deutsche Staatsangehörige, erwartet nun eine Strafanzeige wegen tätlichen Angriffs.
„Hinweise auf einem Corona-Bezug liegen nicht vor“, betont Lerchl zwar. Hubert Böck, Vorgesetzter der betroffenen Sanitäter, sieht dennoch einen indirekten Zusammenhang mit dem Virus. „Viele Leute, die jetzt wegen der Ausgangsbeschränkungen zu Hause bleiben müssen, entwickeln einen Lagerkoller“, erklärt der Leiter des BRK-Rettungsdienstes. „Ich denke, dass die Leute gestresst sind, sich aufgrund der permanenten Berichterstattung über Corona reinsteigern und, wenn sie noch dazu stark alkoholisiert sind, in eine psychische Ausnahmesituation geraten.“
Sanitäter müssen solche Erlebnisse verarbeiten
Körperlich geht es den Sanitätern laut Böck gut. Dennoch müsse man so ein Erlebnis – im Kreis der Kollegen – auch immer erst mal verarbeiten. „Da tut sich jemand, der den Dienst schon 30 Jahre macht, leichter als ein Junger, der noch nicht so lange dabei ist.“
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