Die Situation ist offenbar weiter ärgerlich: Bei Starkregen saufen die Innenstadt-Anlieger ab, lautete die Kritik in der Bürgerversammlung.
Freising – Alle Jahre wieder ergreifen die Anlieger der Heiliggeistgasse und der Unteren Hauptstraße das Wort, um ihren Unmut über die unbefriedigenden Kapazitäten des Kanalsystems bei Starkregen kund zu tun. Bei der zentralen Bürgerversammlung für die Freisinger Innenstadt am Donnerstagabend war das nicht anders.
Mit vollgelaufenen Kellern, Garagen und Wohnungen habe man in den letzten fünf Jahren vier Mal zu kämpfen gehabt, monierte ein Anwohner. „Wir sind von der Stadtverwaltung an der Nase herum geführt worden“, so seine Einschätzung. Trotz aller Bemühungen der Verwaltung im Rathaus, sei es nicht gelungen, eine befriedigende Lösung für die Anwohner zu generieren. Das Credo des Mannes: „Die bisherigen Messdaten sind falsch. Bei einem Rückstau bringen die gar nichts. Es muss neu berechnet werden.“
Überflutung sogar nach normalem Regen
Wie sehr der Kanal tatsächlich belastet sei, das könne durch die Daten am Christopher-Paudiß-Platz nicht ermittelt werden, so die Einschätzung des Freisingers, der sich gleich nach den Ausführungen des OB zu Wort gemeldet hatte. Ingenieure vom Fach hätten das bestätigt. Die Station müsste eigentlich in der Oberen Altstadt installiert werden. Sogar bei einem ganz „normalen“ Regenereignis sei es neulich zu Überflutungen gekommen. Wenn man bedenke, dass im Zuge des Klimawandels Unwetter-Ereignisse zunähmen, so könne er den niveaugleichen Ausbau der Altstadt nicht als Zukunftsprojekt sehen.
Das konnte eine Anwohnerin der Unteren Hauptstraße nur bestätigen: „Seit dem Ausbau haben wir Wasser im Haus. Ihr Wohneigentum sei 400 Jahre alt.“ Und das habe es bisher so nicht gegeben. „Wenn alles fertig ist, dann wird das Wasser die Amtsgerichtsgasse runterstürzen und die Firma Werkmeister säuft ab“, befürchtete Ernst Graßy.
Skepsis beim Projekt Abseits-Sanierung
Dass man „von außen nach innen“ Verbesserungsmaßnahmen ergriffen habe, betonte Michael Schulze, Koordinator des Innenstadtumbaus. Man sei dabei, die Situation am Thalhauser- und Wippenhauser Graben zu verbessern, die Ausstattung des Pumpwerks an der Knabenschule sei optimiert worden und der Regennotauslass, der den Überlauf in die Moosach regele, ebenso. Das Einzige das helfe, sei, den Kanal in der Heiliggeistgasse von dem an der Hauptstraße abzutrennen, meinte ein Anlieger. „So lange wir Puffer für die Hauptstraße sind, wird sich nichts ändern.“
Seine Skepsis bezüglich der Sanierung des „Abseits“ artikulierte ein Bürger aus Attaching. „An der Kostenschätzung der Mitgliedern des Abseitsvereins hängen doch Spinnweben dran.“ Die Stadt werde kein Risiko eingehen, erklärte OB Tobias Eschenbacher. Er persönlich sehe die Rettung des Abseits als „insgesamt interessantes Projekt.“ An bessere Wegebeziehungen für den Fahrradverkehr zu denken, das wünschte sich ein weiterer Zuhörer. Nach der baldigen Fertigstellung der Tangenten, über die der überregionale Verkehr an Freising vorbeirollen soll, sei geplant, den innerstädtischen Bereich neu zu gestalten, sagte Eschenbacher. Die Kammergasse solle ein „großer Wurf“ werden. Der Fahrradverkehr solle dort in jede Richtung frei gegeben werden. „Da braucht auch keiner mehr durch die Hauptstraße radeln“, meinte der Rathauschef mit einem Schmunzeln. Die Korbiniansbrücke wolle man als „Fahrradachse“ planen und auch an der Mainburger Straße werde es für Radler sicherer.
Leidiges Thema: die Schulwegsicherheit entlang der Wippenhauser Straße wurde ebenfalls angesprochen. „Unser großes Problem in Freising ist die Enge der Straßenschluchten“, sagte PI-Chef Michael Ertl. „Eine Quadratur des Kreises.“ Man werde sukzessive Verbesserungen schaffen, versprach dazu der OB. Maria Martin
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