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Bei der vierten „Fridays for Future“-Demonstration in Bad Tölz ist die Teilnehmerzahl im Vergleich zu den vergangenen beiden Malen wieder deutlich gestiegen. Aus Sicht der Veranstalter geht davon ein klares Zeichen an alle Kritiker aus.
Bad Tölz – Bei der vierten „Fridays for Future“-Demonstration in Bad Tölz ist die Teilnehmerzahl im Vergleich zu den vergangenen beiden Malen wieder deutlich gestiegen. Die Veranstalter zählten rund 150 Personen, die etwa eineinhalb Stunden skandierend durch die Stadt zogen, um mehr und schnellere Klimaschutzmaßnahmen einzufordern.
„Wir haben heute auf jeden Fall gezeigt, dass es uns nicht nur darum geht, Schule zu schwänzen“, äußerte sich Mitorganisatorin Katharina Brandhofer (18) zufrieden mit der Beteiligung. Weil der Demo-Termin erstmals in die Schulferien fiel, mussten die Jugendlichen anders als sonst keinen Unterricht ausfallen lassen.
Ein Schild mit der Aufschrift „Großeltern für die Zukunft ihrer Enkel“ reckte Elke Wagner in die Höhe. Die Kinderpsychiaterin aus Sachsenkam hat vier Enkel im Alter zwischen 7 und 15 Jahren. Dass die junge Generation für den Klimaschutz auf die Straße geht, finde sie „absolut dringend und richtig“, sagte sie. „Ich hoffe, dass man es hört und liest.“
In Bad Tölz demonstrieren auf „Großeltern für die Zukunft“ und „Scientists for Future“
Mit dem Transparent „Scientists for Future“ marschierte die Tölzerin Dr. Manuela Troschke mit. „Es ist schon manchmal frustrierend, dass die Empfehlungen der Wissenschaft nicht gehört werden“, sagte die Volkswirtin, die auch Gutachten im Bereich Klimaschutz erstellt. „Wir geben dicke Mappen ab, doch die werden dann beiseitegelegt, und die Politik macht, was sie will.“ Noch eher gehört werde man aktuell, wenn man bei einer Demo wie dieser die Stimme für den Klimaschutz erhebe, so die Mutter von Mitorganisatorin Katharina Brandhofer. Manuela Troschkes Mann demonstrierte mit, um etwa Forderungen wie nach einer CO2-Steuer zu untermauern. Den Schülern zollte er Anerkennung. „Von den Schulen würde ich erwarten, dass sie diesen Einsatz ebenfalls mit hohem Respekt anerkennen“, kritisierte er.
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Mit auf de Straße waren auch die Grünen-Kreisrätinnen Anneliese Wiedenbauer-Schmidt (als Großmutter von „viereinhalb Enkeln“, wie sie sagte) und Barbara Schwendner. Mario Dietl aus Ellbach, 2. Sprecher des Kreisverbands Oberland der Linken, erntete Jubel, als er forderte, dass „Tölz und die umliegenden Landkreise kostenlosen ÖPNV anbieten.“ Sein Vorstandskollege Martin Neuner aus Farchant forderte die Jugendlichen auf, nicht nur freitags, sondern die ganze Woche ihre Stimme für den Klimaschutz zu erheben – etwa, wenn der Onkel von seinem neuen SUV schwärme.
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Spontan ergriff bei der Schlusskundgebung am Winzerer-Denkmal die 15-jährige Lena das Mikrofon. „Jeder von uns sollte auf sich schauen, was er im Alltag besser machen kann“, sagte sie. Wenn man keine Plastiktüten benutzt, sondern immer einen Stoffbeutel dabei hat oder eine Trinkflasche, kann das mehr bewegen, als man denkt.“
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Öffentliche Aufmerksamkeit sicherten sich die Demonstranten am Freitag nicht nur durch die Kundgebung, die vom Sportplatz in die Marktstraße verlegt wurde, sondern auch durch die neue Route. Unter anderem auf der Lenggrieser Straße, der Osterleite und der Bahnhofstraße kam es zu Verkehrsbehinderungen. Passanten, die zu Fuß unterwegs waren, reagierten oft wohlwollend, Autofahrer wurden teils ungeduldig. Mario Dietl: „Die Reaktionen reichten von Beifall bis zum Vogel-Zeigen.“
