Martha Ehrtmann betreute Jugendliche in Don-Bosco-Einrichtung

FSJ in Argentinien muss wegen Corona-Krise abgebrochen werden: „Das tut schon weh“

+
Glückliche Erinnerung: Martha Ehrtmann (li.) mit einigen Kindern, die sie während der Ferienfreizeit vor ein paar Wochen betreute.
  • schließen

Die Corona-Pandemie beendet auch das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) von Martha Ehrtmann in Argentinien früher als gedacht. Die 20-Jährige kommt bald nach Lenggries zurück.

Santiago del Estero/Lenggries Martha Ehrtmann kann es noch immer nicht ganz glauben, wie sich ihr Leben in den vergangenen Tagen verändert hat. Derzeit wartet die 20-Jährige in Buenos Aires in einer Einrichtung der Salesianer Don Boscos mit anderen Volunteers auf weitere Informationen von der Deutschen Botschaft, wann sie im Zuge der Rückholaktion für Deutsche im Ausland in ein Flugzeug steigen kann. „Ich glaube, ich werde das Ganze erst realisieren, wenn ich wieder zu Hause bin“, sagt die junge Frau. Eigentlich wäre sie noch bis August in Argentinien geblieben.

Sie ist traurig, denn innerhalb von wenigen Stunden musste sie die Betreuungseinrichtung für Jugendliche, in der sie seit September ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvierte, verlassen. „Es ging total schnell“, erzählt Martha Ehrtmann. Als ihre Entsendeorganisation „Weltwärts“, ein Projekt der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos, bekanntgab, dass im Rahmen der Rückholaktion der Bundesregierung auch die Volunteers nach Deutschland zurückfliegen sollen, musste sie innerhalb von zwei Stunden in der Kleinstadt Santiago del Estero ihre Koffer packen, Abschied nehmen und dann in den Bus steigen, der sie in die Hauptstadt Buenos Aires brachte. „Wir hatten überhaupt nicht damit gerechnet. Und wir hatten auch gar keine Zeit, uns richtig zu verabschieden“, bedauert die junge Frau. „Das tat allen weh.“

Argentinien ist vom Coronavirus zwar noch nicht so stark betroffen wie Deutschland, aber auch dort steigt die Zahl der Infizierten. Vor Ort wurden schon Maßnahmen getroffen, etwa die Schulen geschlossen und das öffentliche Leben heruntergefahren, berichtet Martha Ehrtmann.

Im „Oratorio Don Bosco“ wurden alle 30 Internatsschüler nach Hause geschickt. „Die Jungs wissen noch gar nicht, dass wir weg sind. Wenn sie das erfahren, werden sie auch sehr traurig sein“, sagt die 20-Jährige. Auch die Patres hatten Tränen in den Augen bei dem schnellen Abschied. „Sie haben gesagt, dass sie uns in Buenos Aires abholen kommen, wenn wir doch nicht fliegen müssen.“

In den vergangenen Wochen hatte Martha Ehrtmann zwar viel zu tun, aber auch viele schöne Erfahrungen gesammelt, wie sie am Telefon berichtet. In Argentinien waren jetzt Sommerferien, deshalb gab es in der Einrichtung eine Ferienfreizeit mit dutzenden Kindern und Jugendlichen, die sie zusammen mit anderen Mitarbeitern betreute. Spiel und Spaß standen im Mittelpunkt. „Das war total schön, weil die Kinder so schnell Vertrauen aufgebaut haben.“ Auch mit Jugendlichen, viele aus sozialschwachen Familien, machte die Lenggrieserin Projektarbeit und lud etwa zum gemeinsamen Backen ein.

Nach Beendigung wurde die Ferienfreizeit professionell von den Betreuern nachbereitet, und dann nahm schon die Schule, ähnlich einem Internat, wieder ihren Betrieb auf. Aus dieser Arbeit, die Jugendlichen vor und nach dem Unterricht zu betreuen, wurde sie jetzt jäh herausgerissen. Wegen Corona sind die Schüler wieder zu ihren Familien geschickt worden. „Aber auch in Argentinien gibt es E-Learning, meistens läuft es über ,Google Classroom‘“, sagt Martha Ehrtmann. „Die meisten machen das am Handy.“

Wann die 20-Jährige wieder in Lenggries sein wird, steht derzeit noch nicht fest. Zwar habe sie in der Einrichtung der Salesianer in Buenos Aires alles, was sie brauche, „aber es ist halt langweilig“. Die vier FSJler aus anderen Teilen Argentiniens vertreiben sich die Zeit mit Lesen, Netflix-Serien und Spielen. „Auf die Straße dürfen wir nicht, denn es herrscht eine Ausgangssperre.“ Die junge Frau ist gespannt, wie es sein wird, wenn sie in Deutschland landet. Sie freut sich zwar darauf, Familie und Freunde wiederzusehen, Apfelschorle zu trinken und die Berge zu sehen. „Aber ich wäre gerne noch in Santiago del Estero geblieben.“ Dass sie in ein paar Wochen wieder in das FSJ-Programm zurückkehren kann, glaubt sie nicht. „Ich denke, das war’s dann mit Argentinien“, sagt sie traurig. Aber privat möchte sie auf jeden Fall noch mal hinfahren, um die Kontakte aufrechtzuerhalten.

Gestrandet in Südamerika: Junges Paar aus Heilbrunn sitzt in Peru fest - und macht anderen Reisenden Mut

Martha Ehrtmann sammelt Spenden für das Projekt in Argentinien. Wer helfen will, kann mit ihr per Mail an ma.eh.922@gmail.com Kontakt aufnehmen. Auf ihrem Blog „Tausche Alpen gegen Anden“ berichtete die junge Frau vom Alltag in Argentinien. Nachzulesen ist das auf https://blogs.donboscovolunteers.de/tauschealpengegenanden

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus dem Landkreis Bad Tölz - inklusive aller Entwicklungen rund um die Kommunalwahlen auf Gemeinde- und Kreisebene. Melden Sie sich hier an.

Kommentare