Es klingt wie der Traum eines Isarwinkler Tourismus-Managers: Gäste, die aus Nizza nach Lenggries reisen, dort zwei Wochen bleiben und dann erst weiter nach Florenz, Venedig und Mailand ziehen. Porzellanmaler mit internationalem Ruf machen es möglich.
Lenggries – Freitagmittag in einem Landhaus in Lenggries-Winkel: Fünf Damen, sichtlich nicht aus Bayern, sitzen beim Mittagessen mit Jörg und Petra Kugelmeier zusammen. Die beiden früheren Meißener Porzellanmaler haben sich im Isarwinkel nach der Wende eine neue Existenz aufgebaut. Sie bieten Malkurse für Porzellan im Meißner Stil an. Bei vielen Ausstellungen rund um die Welt haben sie sich inzwischen einen solchen Namen geschaffen, dass die internationale Kundschaft sogar in den Isarwinkel kommt. „Aus Australien, Thailand, USA, Korea“, fängt Jörg Kugelmeier an aufzuzählen. Fresia Leigue de Yapur, Rosa Blanca Herbas und Maria Angélica de Wormald aus dem bolivianischen Cochabamba, Rosario del Valle Montoya aus dem argentinischen San Miguel de Tucumán und Fenlan Huang aus Taiwan/USA hören gespannt zu. Die Fünf lassen sich gerade in die Geheimnisse der europäischen Porzellanmalerei einweihen und schwärmen in den höchsten Tönen von ihren Lehrmeistern. „Ihr solltet stolz sein, dass ihr sie habt“, sagt Fenlan Huang, die seit langem in den Staaten lebt. Die Liebe zur Porzellanmalerei, die viel Geduld und Konzentration erfordert, pflegt sie schon seit 15 Jahren. Das sei eben kein Plastik, das weggeworfen wird, sondern etwas, das Bestand habe. Man spreche nicht umsonst vom „weißen Gold“.
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Die Damen aus Südamerika – man unterhält sich englisch – nicken eifrig und stürzen sich kurz darauf wieder auf ihre Anemonen-Malerei. „Blumen hatten sie sich als Motiv ausgesucht“, erzählt Petra Kugelmeier. Nach drei Tagen Arbeit an ihren Tellern, Vasen und Fliesen ist das Ergebnis sehr ansehnlich. Sie seien aber keine Profis, erzählen sie, sondern ambitionierte Hobby-Malerinnen.
46 Tage sind die Südamerikanerinnen in Europa unterwegs. Erst waren sie in Nizza, wo sie unter anderem Kurse in Porträtmalerei besuchten. Derzeit sind sie in Lenggries und machen zwei Kurse mit. Klassische Blumen-Malerei bei Jörg und Petra Kugelmeier. Untergebracht sind sie im Holzerhof und ziehen bald um in die „Alpenrose“. Dann lassen sie sich bei Andreas Knobl, ebenfalls einem ehemaligen Meißener in Vogelmalerei instruieren. „Wir sind schon ein kleines Mekka der Porzellanmalerei“, stellt Jörg Kugelmeier stolz fest.
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Der Arbeitstag ist streng getaktet. Aber in der Freizeit stehen natürlich auch Ausflüge an. Bad Tölz, der Kalvarienberg, die Eng und natürlich die Schlösser Nymphenburg und Lustheim mit ihren Porzellan-Sammlungen standen schon auf dem Programm. „Maravilloso, wunderbar“, loben die selbstbewussten Südamerikanerinnen übereinstimmend und können ihr Urteil auch begründen. Wer im 2500 Meter hoch gelegenen Cochabamba lebt, kennt natürlich hohe Berge. Aber das frische Grün der Wälder, die Vegetation, die kristallklaren Flüsse, in denen man sogar baden kann, die schönen Häuser, das macht Eindruck bei den Señoras. Wie auch die Tatsache, dass man hierzulande Wasser sogar aus der Leitung trinken kann – in Bolivien einfach undenkbar.
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46 Tage in Europa, das muss doch richtig teuer sein? „Schon richtig“, meint Maria Angélica de Wormald, „aber wir habe lange dafür gespart“. Und der Europa-Trip der reiselustigen Malerinnen ist ja noch lange nicht zu Ende. Von Lenggries steuern sie Florenz, Venedig und Mailand an, bevor sie in Brescia den letzten Porzellan-Malkurs beginnen.
Christoph Schnitzer