Wenn Wände sprechen könnten

Das Heim der Jagdbomber-Piloten

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Durch diese Türe ging Harald Meyer früher oft. Der Pilot der Jagdbomberstaffel eilte von dort zu den Maschinen. Außerdem wurden in dem Staffelgebäude die legendären Flight-Line-Partys gefeiert.

Gebäude und Shelter gibt es auf dem Fliegerhorst unzählige. Doch in der Bevölkerung sind nur die Bedeutenden ein Begriff. Dabei haben auch die unbekannteren Stätten Geschichten zu erzählen – wie das Staffelgebäude der Jagdbombergeschwader 49.

Fürstenfeldbruck – Das U-förmige Gebäude südlich der großen Platte, wo heute die BMWs quietschen, stand schon in den Anfangsjahren des Fliegerhorstes. Die Luftwaffe übernahm das eingeschossige Haus in derselben Funktion, die es zu Zeiten der Amerikaner in Fursty hatte: als Staffelgebäude. Bis zum Jahr 1981 hielten sich dort die Piloten der 1. und 2. Jagdbomberstaffel auf, erhielten ihre Briefings und bereiteten sich für ihren Flug vor.

Auch Partys wurden in dem Gebäude gefeiert

Wo heute nur eine Wiese ist und wenige Meter vor dem Gebäude ein Zaun das Kasernengelände vom BMW-Fahrsicherheitstrainingsgelände trennt, war früher ein breiter, häufig begangener Weg. „Mit dem Helm unter dem Arm und der Fliegertasche in der Hand eilten wir aus dem Staffelgebäude zu unseren auf der großen Betonfläche abgestellten Maschinen“, erzählt Harald Meyer von der Traditionsgemeinschaft Jagdbombergeschwader 49. Auch an den Gurt, der quer über seinem Fliegerkombi angebracht war und mit dem Schleudersitz verbunden werden musste, kann sich der frühere Alpha-Jet-Pilot noch erinnern. „Nach dem Aktivieren des Sitzes folgte automatisch die Sitz-Mann-Trennung, der Pilot hing dann am geöffneten Fallschirm und hatte nun am Gurt das aufgeblasene Einmannschlauchboot und das Sitzkissen mit reichlich Überlebensmaterial hängen.“

Mit dem Gebäude verbindet der ehemalige Stabsoffizier aber auch sogenannte Flight-Line-Partys, die die Piloten jeweils am letzten Donnerstag vor Weihnachten ausrichteten. Damit bedankten sich die Piloten bei den Technikern und dem Bodenpersonal dafür, dass sie ihnen täglich zuverlässig flugklare Maschinen zum Fliegen bereitgestellt haben. „Die legendären Partys gingen auf die Amerikaner zurück, die auch die eigenartige Tradition begründeten, ein Klavier während des Spielens anzuzünden“, weiß Meyer. Ein Brauch, der in einigen Luftwaffengeschwadern bis in die jüngere Zeit noch gepflegt wurde.

Heute sind dort IT-Schulungsräume untergebracht

Freilich war das Staffelgebäude damals noch nicht mit olivgrünen Panelen verkleidet. Es wird nach wie vor genutzt – im Gegensatz zu anderen Gebäuden. Heute beherbergt es Schulungsräume für IT-Lehrgänge.

Die Serie: Alte Tower, Fliegerhorstkirche, Kilometerbau: Diese Orte auf dem Fliegerhorst kennen die meisten. Doch dort befinden sich viele weitere, kaum bekannte Gebäude, die im Kalten Krieg eine besondere Rolle gespielt haben. Harald Meyer von der Traditionsgemeinschaft Jagdbombergeschwader 49 stellt sie bei einem Spaziergang vor. Mit ehemaligen Kameraden betreibt er eine private lehrgeschichtliche Sammlung auf Fursty und bietet rund zweieinhalbstündige Führungen an. Anfragen unter meyerffb@arcor.de.

von Max-Joseph Kronenbitter

Auf dem alten Fliegerhorstgelände gibt es auch unschöne Ort. Denn es werden an manchen Stellen werden Altlasten im Erdreich vermutet. Auch über die Pläne, was mit dem Areal zukünftig geschehen soll, wird noch heftig diskutiert. 

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